Zwei Erfahrungsberichte zur Neurokognitiven Therapie des Morbus Bechterew

Seither merke ich täglich, wie gut sich ein frei beweglicher Körper anfühlt!

von Johannes Wollinger, Höchberg

Seit sieben Jahren (meinem 17. Lebensjahr) litt ich an Symptomen des Morbus Bechterew. Es dauerte auch bei mir - wie bei sehr vielen Morbus-Bechterew-Patienten - mehrere Jahre, bis die Diagnose eindeutig feststand. Anfänglich litt ich nur unter extremen Hüftschmerzen, die so weit führten, dass ich nur sehr mühsam - meist krabbelnd - aus dem Bett kam. Diese Schmerzen kamen in unregelmäßigen Abständen (ca. alle 4-8 Monate) und hielten in der Regel 2-3 Tage an, in denen ich zuhause bleiben musste. Ich besuchte etliche Ärzte, von denen jeder etwas anderes feststellte.
Nach Feststellung des Morbus Bechterew vor etwa 3 Jahren veränderte sich die Situation. Ich nahm jetzt eindeutig die morgendliche Steifheit der Wirbelsäule wahr. Sie dauerte in der Regel 1-2 Stunden an. Was ich ebenfalls bemerkte, war meine schlechte Laune und meine leicht reizbare Stimmung in den Morgenstunden.
Außerdem änderte sich meine ganze Körperhaltung. Ich merkte recht schnell, was ich meinem Körper noch zumuten konnte und was nicht mehr. Es war für mich z.B. unmöglich, im Schneidersitz zu sitzen. Hätte ich für nicht einmal zwei Minuten diese Position eingenommen, so hätte ich am nächsten Tag einen Schub gehabt.
Meine Schübe kamen weiterhin recht unregelmäßig und dauerten 2-3 Tage. Ich konnte Sie jedoch mit normalen Schmerzmitteln nicht mehr bekämpfen. Ich musste sehr starke Rheuma-Mittel einnehmen. Diese machten mich so müde, dass ich unmöglich Auto fahren geschweige denn arbeiten konnte.
Durch eine gute Bekannte meiner Eltern hörte ich von der Neurokognitiven Therapie bei Herrn Dr. Wüst. Sie hatte auch Morbus Bechterew und nahm an der wissenschaftlichen Studie teil. Ich muss gestehen, dass ich dem Ganzen etwas kritisch gegenüberstand. Hatte ich doch oft genug gehört, dass Morbus Bechterew unheilbar ist. Jetzt sollte es in München jemanden geben, der es verstand, meine Krankheit zu heilen? Als ich dann noch hörte, dass die Chancen z. Zt. schlecht stünden, die Therapie wenigstens teilweise von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen, stieg meine Skepsis. Zu meinem Glück erklärte sich meine Mutter bereit, die ersten 9 Sitzungen zu bezahlen. So machte ich mich auf den Weg nach München, mit dem Gedanken, nichts verlieren zu können.
Ich möchte an dieser Stelle nicht auf das Verfahren der Therapie eingehen. Ich bin der Meinung, jeder sollte sich selbst eine Meinung darüber bilden. Ich denke auch, dass jeder diese Therapie etwas anders erlebt und durchlebt, obwohl sie vom Schema her natürlich gleich ist. Ich war jedoch in vieler Hinsicht überrascht: Ich fuhr nach München ohne eine konkrete Vorstellung, wie diese Therapie ablaufen würde. Nach dem ersten Gespräch mit Dr. Wüst kam mir das Ganze etwas seltsam vor. Er meinte, dass wir keinerlei körperliche Übungen machen werden. Sollte dies ein Witz sein? Ich hatte doch die Erfahrung gemacht, dass Krankengymnastik das Einzige war, was mir neben Schmerztabletten Verbesserung verschaffen konnte. Und jetzt sollte ich durch reine "Unterhaltung" von meiner Krankheit geheilt werden? (An dieser Stelle ist es wichtig, zu erwähnen, dass es sich um keine Psychotherapie handelt!).
Ich empfand die erste Woche in München als extrem anstrengend. Ich unternahm nach den Therapie-Sitzungen rein gar nichts in München. Sofort nach einer Sitzung fuhr ich zu meiner Unterkunft, ruhte mich aus und schlief sehr viel. Ich musste zu meiner eigenen Verwunderung nach jeder beendeten Sitzung feststellen, dass irgendetwas im Inneren meines Körpers vor sich ging.
Ich erlernte recht schnell die "Innere Wahrnehmung", die der eigentliche Bestandteil der Therapie ist. In der 8. Sitzung bemerkte ich das erste richtig positive Gefühl in meinem Körper. Es war eine Art sehr intensives warmes Kribbeln in meinen Oberschenkeln. Seit diesem Zeitpunkt wurde mir bewusst, dass ich die Wirkung der Therapie nicht verleugnen konnte und es nicht reine Einbildung sein konnte. So fuhr ich nach dieser Woche wieder nach Hause, mit der Sicherheit, dass ich nicht das letzte Mal in München bei Dr. Wüst war.
Seit Beginn der Therapie hatte ich keinen einzigen Schub mehr. Im Gegenteil: Ich bemerkte durch jede weitere Sitzung eine Besserung. Es war sehr interessant, zu beobachten, dass sich parallel zu dem behandelten Teil des Körpers dort auch eine eindeutige Besserung einstellte. Schon nach ca. 10 Sitzungen verschwand die Morgensteifigkeit. Als sich dann die erste Sitzung mit meinem Problembereich (der Hüfte) befasste, merkte ich direkt danach schon eine Besserung. Dieses gute Gefühl steigerte sich nach jeder Sitzung. Es war zugleich seltsam und sehr schön, zu merken, dass ich jetzt morgens mit einer guten Laune aufwachte, ohne jegliche Gedanken an meine angeblich unheilbare Krankheit.
Ab einem gewissen Stadium der Therapie bemerkte ich im Gegensatz zu früher nicht mehr, wann ich Beschwerden hatte, ich merkte nur noch, wo es noch Handlungsbedarf für die Therapie gab.
Jetzt bin ich nach insgesamt 32 Sitzungen mit der Therapie fertig. Mein Hausarzt, der nicht von der Therapie überzeugt ist, fragte mich, was sich denn jetzt gebessert hätte. Ich meinte nur: "Was sich gebessert hat? Es wäre eine bessere Frage, welche Merkmale der Krankheit noch vorhanden sind - keine!"
Ich bin komplett beschwerdefrei, kann im Schneidersitz sitzen, ohne auch nur geringe Schmerzen zu merken, mache wieder Sport und bin so voller Lebensfreude, dass ich mich jetzt sogar dazu überwunden habe, mein größtes Laster nach 11 Jahren aufzugeben - das Rauchen.

Anschrift des Verfassers: Kalkofenweg 1, 97204 Höchberg

So muss es laufen!

Ein 18-jähriger Gymnasiast in Halle an der Saale spürte im Mai 2003 nach intensivem Sport plötzlich Schmerzen im Oberschenkel und im Hüftbereich. Die Schmerzen lassen nach, kommen verstärkt wieder und sind schließlich so stark und ausgedehnt, dass er hinkend umhergeht und Schwierigkeiten beim Treppensteigen hat. Im Mai 2004 stellt der Orthopäde die Diagnose "Verdacht auf beginnenden Morbus Bechterew". Der Gymnasiast sieht sich im Internet um und findet in den Seiten der DVMB den Hinweis auf die Neurokognitive Therapie. Er fährt nach München, wo Prof. Kellner die Diagnose eines beginnenden Morbus Bechterew bestätigt. Nachdem das Abitur geschafft ist, hat er Zeit und absolviert in der Zeit von September bis Dezember 2004 bei mehreren Aufenthalten in München 33 anstrengende Sitzungen bei Dr. Wüst. Ergebnis: Thema erledigt, kann wieder rennen, wenn der Bus kommt, hat sein Zimmer selber gestrichen und kann sein Studium, wie es jetzt aussieht, ohne Behinderung durch eine chronische Krankheit beginnen.

Die Krankenkassen könnten auf die Dauer viel Geld sparen, wenn es in allen Rheumazentren großer Städte Ärzte oder Psychologen gäbe, die sich diese Therapieform beibringen lassen und in ihrer Stadt anbieten. Für andere entzündlich-chronische Krankheiten muss sie vielleicht modifiziert werden. Bisherige Erfahrungen sprechen aber dafür, dass sie dort ähnlich wirkt wie beim Morbus Bechterew.

Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München, Vizepräsident der Ankylosing Spondylitis International Federation bis 2009