Erkenne dich selbst – werde, der du bist

Teilnehmer des DVMB-SeminarsErkenne dich selbst – werde, der du bist
Teilnehmer des DVMB-Seminars
Erkenne dich selbst – werde, der du bist

ein Seminarbericht

von Michaela Frey-Hülsenbeck , München

Wer will das nicht, sich selbst erkennen, dachte ich mir beim Lesen einer Artikelüberschrift im Morbus-Bechterew-Journal vom Dezember 2009. Zunächst muss ich sagen, dass nicht ich an Morbus Bechterew erkrankt bin, sondern mein Mann. Und so kenne ich das Heft seit vielen Jahren und finde darin öfters Artikel, die auch mich interessieren.

Doch zurück zu der interessanten Seminarankündigung

„Erkenne Dich selbst – werde der Du bist“: Weiter unten stand da noch „Als Partnerseminar empfohlen“.

Super Idee, fand ich und konnte meinen Mann auch schnell überzeugen, dass ein Wochenendausflug nach Bad Kissingen im vorsommerlichen Mai, verbunden mit einem Seminar, nicht die schlechteste Freizeitgestaltung sein kann.

Das Seminar begann am Freitag, den 28. Mai um 18 Uhr. Im Seminarhotel „Kissinger Hof“, wo die Gruppe von 10 Teilnehmern auch übernachtete, wartete ein prima Abendessen-Buffett auf uns. Gudrun Weppert von der DVMB und unser Seminarleiter, Dr. Bernd Frederich, Arzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin und Berater der DVMB, hießen uns herzlich willkommen und führten uns kurz in das Seminarthema ein.

Am Samstag Vormittag entführte uns Dr. Frederich dann gedanklich auf Wege zur Selbstbestimmung und zur Erhaltung der Gesundheit in eigener Verantwortung. Gesundheit erhaltend, so seine zentrale These, sei die richtige Abwechslung von Anspannung und Entspannung.

Aus seiner langjährigen medizinischen und psychotherapeutischen Erfahrung sei er zu der Auffassung gelangt, dass eine anhaltende Anspannung den Menschen krank mache. So führe die anhaltende Anspannung durch eine nicht gelöste Aufgabe zu Ohnmacht und Hilflosigkeit und darin werde der psychologische Co-Faktor zur Krankheitsentstehung gesehen. Wenn einem Menschen anhaltend seine Wünsche nicht in Erfüllung gehen, entstehe in ihm Enttäuschung und Feindseligkeit. Diese Enttäuschung und Feindseligkeit könne nach außen gegen andere und/oder nach innen gegen sich selbst als KRANKHEIT gerichtet werden.

Das beste Heilmittel für den Menschen, so eine weitere These, sei der Mensch. Dr. Frederich erinnerte dazu an den Leitspruch „Der Mensch ist des Menschen Arzenei“ der Wolof, einem Volksstamm aus dem Senegal. Weiter empfahl uns Dr. Frederich, die Vergleiche „richtig und falsch“ einfach zu streichen. Systemisch betrachtet gäbe es diesen Unterschied nämlich gar nicht. Das Schlüsselwort sei vielmehr, wie zweckmäßig ist etwas für mich oder für eine menschliche Beziehung.

Ganz spannend, auch unter dem Aspekt Partnerseminar, war die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Begriff „Lie-be“. Zu der Frage, was wir unter Liebe verstehen, haben wir uns in kleinen Gruppen ausgetauscht und die Ergebnisse anschließend im Plenum vorgetragen. Zentrale Begriffe waren dabei: jemanden annehmen, wie er ist, Verständnis haben und zuhören können, Fehler vergeben können, Toleranz, Freiräume lassen, Respekt und Wertschätzung, Vertrauen, Geborgenheit, kein Konkurrenzverhalten. Und nicht zu vergessen, dass Liebe auch immer die richtig verstandene Selbstliebe umfasst!

Auch Dr. Frederich gab uns noch ein Bild von Liebe mit auf den Weg, nach dem Forscher Huberto Maturana, der Lieben als wohlwollendes und wertschätzendes Verhalten bezeich-net.

Dr. Frederich nannte uns auch 5 Beziehungskiller, die es unbedingt zu vermeiden gilt: 1. Chronisches Kritisieren, Nörgeln, 2. Dauerndes sich Rechtfertigen, 3. Machtdemonstration, 4. Schweigen, sich zurückziehen, 5. Verachten.

Dank der spannenden Ideen von Dr. Frederich verging das Wochenendseminar wie im Fluge, sein Seminarkonzept war immer anregend und kommunikationsfördernd, nie aufdring-lich. Danken möchte ich auch allen Teilnehmern für ihre Offenheit und Kooperation im Seminar. Diese Lebendigkeit und der vertrauensvolle Umgang mit sensiblen Themen haben tiefe thematische Begegnungen ermöglicht.

Auch die abwechslungsreiche Seminarorganisation durch Frau Weppert hat maßgeblich dazu beitragen, dass es einem nie langweilig wurde oder das Sitzen zu lange. Jeden Vormit-tag und Nachmittag war nämlich Gymnastik eingeplant und die hat uns wieder schön auf Trab gebracht. Ein großes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle an unsere Bewegungs-trainerin Anne Heim sagen. Sie sorgte mit Know-how, mit Charme und Fröhlichkeit für die perfekte Abwechslung zwischen Sitzen und Bewegen. So ging sie mit uns am Samstag Mittag nach dem Essen in den Bad Kissinger Kurpark. Hier machten wir auf einem Barfußpfad Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Böden, also großen Steinen, ganz feinen Steinen, Holzuntergrund, Sand oder Wiese. Manchmal tat das ganz schön weh an den verwöhnten Fußsohlen. Hinterher ging es weiter zu den Kneippbecken. Am Sonntag Vormittag ging es zum Aufwachen dann auf die Gymnastikmatten im ausgebauten Dachgeschoss des Seminarhotels.

Nach einem ausführlichen Seminarfeedback haben wir noch ein gemeinsames Mittagessen eingenommen und anschlie-ßend – körperlich und vor allem geistig frisch gestärkt – die Heimreise angetreten. Danke Bad Kissingen!