Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 124 (März 2011)

Einfühlsame Kommunikation nötig

Morbus Bechterew kann für das Zusammenleben eine besondere Herausforderung bedeuten

Interview mit der Psychotherapeutin Dr. phil. Fabienne Mathier, Meilen (Kanton Zürich), Schweiz

Frau MATHIER, zwei Menschen verlieben sich. Der Mann erzählt seiner Geliebten, dass er an Morbus Bechterew leide. Er erklärt kurz, was es mit dieser Krankheit auf sich hat. Wie soll die Frau darauf reagieren?

Da gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Wenn die gesunde Frau ihren Partner mit der Bechterew-Erkrankung voll und ganz annehmen kann, wird sich die Beziehung wohl von Anfang an ganz normal entwickeln können. Fällt es ihr jedoch nicht leicht, dies zu akzeptieren, so sollte sie ihre Bedenken äußern. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist auf jeden Fall am besten. Es bringt nichts, wenn sie sich einredet: „Kein Problem!“, und sie dabei innerlich zu kämpfen hat.

Nun kann es sein, dass der gesunde Partner zunächst wirklich überzeugt ist, den Morbus Bechterew des anderen akzeptieren zu können. Doch vielleicht sieht es in ein paar Jahren anders aus, wenn beispielsweise die Wirbelsäule komplett versteifen sollte.

Ein solches Szenario kann natürlich nicht ausgeschlossen werden. Sollte dies so eintreffen, ist es auch hier empfehlenswert, ehrlich zu sein und die Probleme anzusprechen.

Sie selbst haben durch Ihre Mitarbeit an der Studie „Effekte von Herzkreislauftraining bei Morbus Bechterew“ Erfahrungen mit Morbus-Bechterew-Betroffenen gesammelt. Wo sehen Sie Konfliktpotenzial mit Angehörigen?

Zunächst möchte ich festhalten, dass mich die positive Lebenshaltung der meisten Teilnehmenden sehr beeindruckt hat. Konfliktpotenzial könnte entstehen, wenn die rheumatischen Schmerzen der kranken Person sehr dominant werden und der Morbus-Bechterew-Betroffene darunter stark leidet. Dann kann sich auch der Freund oder die Freundin überfordert fühlen. Der gesunde Partner kann leicht in eine Zwickmühle geraten: Er fühlt sich vielleicht eingeschränkt und spürt gleichzeitig Mitleid, muss doch der betroffene Partner die Schmerzen erdulden. Konfliktpotenzial kann in Beziehungen allgemein dann entstehen, wenn man den Partner verändern und manipulieren möchte und ihn alleine für die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse verantwortlich macht. Solche Manipulationen geschehen meist unbewusst.

Was sehen Sie hier für Lösungsansätze?

Einerseits ist die Anteilnahme und Wertschätzung des gesunden Partners gegenüber dem Morbus-Bechterew-Betroffenen sehr wichtig. Wenn es ihm gelingt, in einer Phase des Leidens den Fokus des Kranken auf etwas Positives zu lenken, so kann der Schmerz nachlassen, weil man nicht mehr so stark damit beschäftigt ist. Es geht also darum, positive Erfahrungen zu schaffen. Das Paar kann gemeinsam danach suchen, was dem Betroffenen gut tun würde. Andererseits muss auch der kranke Partner die Grenzen des anderen akzeptieren können. Hilfreich ist hier eine gemeinsame Vereinbarung, dass der gesunde Partner seinen persönlichen Freizeitbeschäftigungen nachgehen und sich in schwierigen Situationen zurückziehen kann, sonst kann die emotionale Belastung zu stark werden. Der kranken Person werden meist automatisch Rechte eingeräumt wie z. B. geschont zu werden. Dieses Recht muss auch der gesunde Partner haben.

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