Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 124 (März 2011)

Schwangerschaft bei Morbus Bechterew

von Dr. med. Rebecca Fischer-Betz, Universität Düsseldorf

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie der Morbus Bechterew betreffen oft Frauen im gebärfähigen Alter. Der Erkrankungsbeginn liegt beim Morbus Bechterew meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, einem Lebensabschnitt, in dem die Familienplanung aktuell ist. Die meisten der Betroffenen können eine erfolgreiche Schwangerschaft erleben und die überwiegende Zahl der Kinder kommt gesund zur Welt. Die Planung einer Schwangerschaft in einer möglichst inaktiven Erkrankungsphase, eine regelmäßige Überwachung (ärztliche Untersuchung und Befragung, Labor, Ultraschall) und eine angepasste Behandlung sind dabei allerdings von erheblicher Bedeutung.

Fruchtbarkeit

1997 wurden die Ergebnisse einer internationalen Patientenbefragung durch die ASIF (Ankylosing Spondylitis International Federation) zum Thema Schwangerschaft veröffentlicht, bei der 939 Patientinnen antworteten. Das mittlere Alter bei Krankheitsbeginn lag bei 23 Jahren. Die Fruchtbarkeit erscheint normal, da eine durchschnittliche Schwangerschaftszahl von 2,4 ermittelt wurde. Bei 21% der Frauen traten die ersten Morbus-Bechterew-Beschwerden im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft auf (bei 9,5% während der Schwangerschaft, bei 11% nach der Entbindung).
Es gibt Hinweise, dass unter der Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) manchmal der Eisprung verzögert oder auch verhindert wird. Allerdings ist nicht bekannt, wie häufig dies tatsächlich der Fall ist, bei welcher Dosis und für wie lange die Wirkung andauert. Bei Patientinnen, die trotz Kinderwunsch nicht schwanger werden, sollte die Möglichkeit eines durch NSAR verzögerten Eisprungs in Betracht gezogen werden. Eine Einnahmepause um die Zeit des Eisprungs ist dann evtl. sinnvoll.

Krankheitsverlauf während der Schwangerschaft und nach der Entbindung

Bei einer Studie von 67 Schwangeren mit Morbus Bechterew hat sich der Krankheitsverlauf bei 25% in der Schwangerschaft verschlechtert, bei 25% verbessert. 50% wiesen keine Veränderung ihrer Krankheitsaktivität auf. Besonders in den ersten 6 Schwangerschaftsmonaten war die Erkrankung aufgrund von Rückenschmerzen und Steifigkeit oft therapiebedürftig. Eine Verschlechterung um die 20. Schwangerschaftswoche mit zunehmenden Rückenbeschwerden oder auch Schmerzen an Sehnenansatzstellen ist typisch. Im letzten Schwangerschaftsdrittel nehmen die Beschwerden dagegen eher ab.
In der Regel kehrt die Krankheitsaktivität im Laufe des Jahres nach der Entbindung auf den Stand von vor der Schwangerschaft zurück. Die Dauer des Stillens ist ohne Einfluss auf die Krankheitsaktivität. Schübe mit peripheren Gelenkschwellungen oder eine Iridozyklitis (Augenentzündung) sind nach der Entbindung 1,5 bis 3 mal häufiger als während der Schwangerschaft.

Schwangerschaftsverlauf

Bei Morbus-Bechterew-Patientinnen gibt es nicht mehr Schwangerschaftskomplikationen als bei gesunden Frauen. Die Häufigkeit von Kaiserschnitten liegt zwischen 11% und 58%. Die Hälfte davon ist durch den Morbus Bechterew bedingt. Sofern kein Missverhältnis zwischen Größe des Kindes und des mütterlichen Beckens vorliegt, kann die Entbindung auf normalem Wege erfolgen, auch bei einer Versteifung der Kreuzdarmbeingelenke oder bei Hüftgelenkprothesen (mit normaler Beweglichkeit). Auch eine Epiduralanästhesie (Injektion eines Narkosemittels durch einen Zwischenraum in der Lendenwirbelsäule in die Nähe des Rückenmarks) ist in der Regel möglich, da bei jungen Patientinnen meist keine ausgedehnten Ankylosierungen (knöcherne Versteifungen) der Wirbelsäule vorliegen.
Vor einer geplanten Schwangerschaft empfehlen manche Verfasser die Anfertigung einer Röntgenaufnahme des Beckens und der Lendenwirbelsäule, um evtl. aufgrund der Kenntnis der strukturellen Verhältnisse die im Rahmen der Geburt notwendigen Entscheidungen zu erleichtern.

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