Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 125 (Juni 2011)

Reisen mit Morbus Bechterew

von Dr. med. Joachim-Michael Engel, Epikur-Rheumapoliklinik Bad Liebenwerda

Für chronisch Kranke mit Beeinträchtigungen und einer evtl. notwendigen medikamentösen Dauertherapie können Reisen beschwerlich oder gar unmöglich sein. Der Reisende wird stets von seiner Krankheit begleitet. Das kann bedeuten, dass auch auf Reisen Medikamente eingenommen, Behandlungen durchgeführt und Hilfsmittel benutzt werden müssen. Der Spontaneität sind dadurch Grenzen gesetzt.
Mancher Kranke verzichtet daher lieber auf eine Urlaubsreise, getreu dem Vers von Ringelnatz:

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona, auf der Chaussee,
da taten ihnen die Beine weh,
und da verzichteten sie weise
dann auf den letzten Teil der Reise.

Doch ein solcher Verzicht kann die sozialen und seelischen Belastungen durch die Krankheit noch verstärken. Dabei müssen chronisch Kranke keineswegs auf Reisen – auch in ferne Länder – verzichten, wenn die Reise nur sorgfältig genug geplant und vorbereitet wird.

Reiseplanung

Während Dienst- und Geschäftsreisen meistens ein Ziel haben, das fest vorgegeben ist, kann bei Urlaubsreisen das Ziel selbst ausgewählt werden. Gleiches gilt für die Reisezeit und die Reisedauer. Bei Urlaubsreisen sollte das Ziel mit Bedacht gewählt und die möglichen klimatischen und geografischen Bedingungen berücksichtigt werden. Diese Rahmengegebenheiten dürfen der Erkrankung nicht entgegenstehen.

Verkehrsmittel

Besonders zu planen und sorgfältig abzuwägen ist auch die Wahl des Verkehrsmittels. Die individuellste Art zu reisen ist sicherlich die mit dem eigenen Auto. Dabei können Sitzposition und Fahrtunterbrechungen frei gewählt werden, vorausgesetzt man hat den Zeitrahmen für die Reise nicht zu eng gesteckt. Günstig sind auch Bahnreisen, bei denen zumeist genügend Sitzplatz und Bewegungsfreiheit gegeben sind. Kritisch sind hier nur Ein- und Umsteigesituationen, bei denen besonders für Kranke mit Gehbehinderung Probleme auftreten können.
Bus- und Flugreisen haben den Nachteil, dass der Reisende über mehr oder minder längere Zeit an seinen Sitzplatz gebunden ist und sich nur wenig oder gar nicht bewegen kann. Neben diesen Schwierigkeiten sind bei Flugreisen noch die Sicherheitskontrollen zu bedenken, mit Ablegen von Kleidung, Taschen und Hilfsmitteln: eine schon für Gesunde oft beschwerliche Prozedur.
Bei Flug-, Bahn- und Busreisen kann es für einen Morbus-Bechterew-Kranken sinnvoll sein, einen Gangplatz zu wählen, um die Sitzposition leichter variieren und ggf. zum Umhergehen auch aufstehen zu können – zumal diese Plätze meist auch volle Kopffreiheit beim Aufstehen bieten.
Ein besonderes Problem können Leihwagen sein. Nicht jedes Fahrzeug bietet einen behinderungsgerechten Ein- und Ausstieg und eine günstige Sitzposition. Vor Abschluss des Vertrages sollte man unbedingt Probesitzen und ggf. ein anderes Modell wählen. Die Mitarbeiter der großen Verleihfirmen sind meistens verständnisvoll und hilfsbereit. Wer auf einen zusätzlichen Innenspiegel angewiesen ist, sollte sich einen einfach montierbaren Innenspiegel als Hilfsmittel mitnehmen.

Unterkunft

Bei der Reiseplanung ist auch die Auswahl der Unterkunft von Bedeutung. Je mehr die Einrichtung den Bedürfnissen der Patienten entspricht, desto weniger persönliche Hilfsmittel müssen mitgeführt werden. Tabelle 1 gibt eine Übersicht über mögliche Auswahlkriterien. Bei Individualreisen kann es sinnvoll sein, eine größere Hotelkette für die Unterkunft zu wählen. Dort stehen oft behindertengerechte Zimmer ohne Aufpreis und ein guter Service rund um die Uhr zur Verfügung.
Bei einer Pauschal- oder Gruppenreise ist es noch wichtiger, alle Details zum Ablauf der Reise, den Übergangszeiten, zum Reisemittel und zur Unterkunft vor der Buchung zu hinterfragen. Man darf nicht davon ausgehen, dass der Veranstalter die persönlichen Anforderungen kennt oder unter „behindertengerecht“ dasselbe versteht wie der Behinderte. Alle Zusagen auf die Anfragen sollte sich der Patient schriftlich bestätigen lassen, um vor Überraschungen sicher zu sein.

Medizinische Versorgung am Urlaubsort

Es ist klug, sich bereits bei der Reiseplanung mit der medizinischen Versorgung am Urlaubsort und den möglichen Kosten zu beschäftigen. In jedem Fall empfiehlt sich der Abschluss einer Reisekrankenversicherung, einschließlich eines möglicherweise notwendigen besonderen Rücktransports bei akuter Erkrankung, evtl. auch eine Reiserücktrittsversicherung. Trotz einer Reisekrankenversicherung kann es notwendig sein, sich mit den Zahlungsmodalitäten für ärztliche Behandlung am Urlaubsort auseinanderzusetzen. Um nicht zu viel diebstahlgefährdete Bargeldreserven mitnehmen zu müssen, empfiehlt sich die Mitnahme einer Kreditkarte.
Sinnvoll ist auch, sich im Vorfeld über eine im Urlaubsland vorhandene Patientenorganisation und einschlägige Anschriften zu informieren, damit man im Notfall vor Ort Ansprechpartner hat, die mit den gegebenen Möglichkeiten vertraut sind.

Reisegepäck

Für das Reisegepäck sind Koffer mit eingebauten Rollen zu empfehlen, denn nicht überall kann ein Gepäckträgerservice oder ein unmittelbar verfügbarer Gepäckwagen vorausgesetzt werden. Sofern man mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, sollte man die Möglichkeit eines Haus-zu-Haus-Gepäcktransports prüfen und sein Urlaubsgepäck unabhängig von der eigenen Reise aufgeben.
In jedem Fall ist es sinnvoll, Kleingeld für Kofferkarren oder Gepäckträger bereitzuhalten. Für das Handgepäck sollte möglichst ein Rucksack oder eine Umhängetasche gewählt werden, um stets beide Hände frei zu haben. Bei Flugreisen sind die neuen Handgepäck-Bestimmungen (Tabelle 2) zu beachten.

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