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Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 125 (Juni 2011)
Möglichkeiten der Physikalischen Therapie beim Morbus Bechterew
von Prof. Dr. med. Uwe Lange, Professor für Internistische Rheumatologie,
Osteologie und Physikalische Medizin an der Universität Gießen
Bei der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) besteht die Tendenz zu charakteristischen Veränderungen der Statik und der Haltung: Vertikalstellung (Nach-hinten-Kippung) des Beckens, Aufhebung der Lendenlordose (des Hohlkreuzes), Verstärkung der Brustkyphose (Krümmung nach vorn) und der Halswirbelsäulen-Lordose (Überstreckung), Tendenz zur Beugestellung der Hüft- und Kniegelenke, zu nach außen gedrehten Schulterblättern, überdehnter Bauchmuskulatur („Fußballbauch“) mit vorherrschender Bauchatmung, geschwächter und überdehnter Lendenmuskulatur („Bügelbrettrücken“), geschwächter Gesäß- und Nackenmuskulatur und Mangel an Mitbewegung der Wirbelsäule beim Gehen mit verstärkter Armbewegung in Vorbeugehaltung.
So kann es im Krankheitsverlauf zu einer Beeinträchtigung der „funktionalen Gesundheit“ kommen, das heißt zu Störungen/ Einschränkungen der Körperfunktionen und -strukturen sowie Störungen/Einschränkungen auf der Ebene der Aktivität und Teilhabe. Zu den häufig die Aktivität und Teilhabe einschränkenden Faktoren beim Morbus Bechterew zählen die abnehmende Fähigkeit zur Selbstversorgung und zu Verrichtungen des täglichen Lebens sowie die eingeschränkte Beweglichkeit. Die Kommunikationsfähigkeit und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist dagegen eher selten betroffen.
Ein umfassendes Therapiekonzept beim Morbus Bechterew beinhaltet neben der individuell angepassten physikalischen Therapie (Tabelle 1) die medikamentöse Therapie (nichtsteroidale Antirheumatika, krankheitsmodifizierende Medikamente, Biologika) und eventuell operative Verfahren (Gelenkersatz, Fixierungs- und Aufrichtungsoperationen) und ionisierende Strahlen (Radiumchlorid).
An das Krankheitsstadium angepasste physikalische Medizin
Zur Erhaltung und Verbesserung der Beweglichkeit kommt der Physiotherapie eine dominierende Rolle zu, insbesondere speziellen krankengymnastischen Konzepten, die vordergründig eine Verbesserung der Wirbelsäulenbeweglichkeit in allen Richtungen sowie der Brustkorbbeweglichkeit bewirken. Der Einsatz erfolgt verlaufsorientiert in Abhängigkeit von der Entzündungsaktivität, den Schmerzen, der Krankheitsdauer, dem Versteifungsgrad und vorliegenden Funktionsstörungen.
Die Therapieziele:
- Schmerzlinderung,
- Entzündungshemmung in den betroffenen Strukturen,
- Erhaltung und Verbesserung der Beweglichkeit der Wirbelsäule und betroffener Gelenke,
- Schulung und Verbesserung der Atembreite und Atemfunktion,
- Verhüten und Korrektur von Fehlstellungen und Fehlhaltungen,
- Beseitigung muskulärer Ungleichgewichte und Trainieren von Muskelkraft, Koordination und Ausdauer,
- Erlernen von wirbelsäulenschonendem Verhalten und Gelenkschutz in Beruf und Alltag,
- Erlernen von Kompensationsbewegungen bei knöchern fixierten Funktionseinbußen und
- Vorbeugung gegen eine Versteifung in gekrümmter Haltung,
- Vorbeugung gegen Hilfsbedürftigkeit, Arbeitslosigkeit, sozialen Abstieg und vorzeitige Berentung.
| Therapieziele nach Heilmittelkatalog |
Physikalische Therapie nach Heilmittelkatalog | Physikalische Therapie außerhalb des Heilmittelkatalogs | |
| Akuter Schub vorwiegend in der Wirbelsäule |
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| Akuter Schub vorwiegend in Gelenken außerhalb der Körperachse |
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– Stöckli-Wickel – Kaltmohn-Teilbad – Heublumenbäder – Heupackungen |
| akuter Schub, vorwiegend Sehnenansatzentzündung |
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| chronischer Verlauf mit vorwiegender Wirbelsäulenbeteiligung ohne weitgehende Einsteifung |
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| chronischer Verlauf mit vorwiegender Gelenkbeteiligung außerhalb der Körperachse |
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| chronischer Verlauf, vorwiegend Folgen einer Sehnenansatzentzündung |
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| chronischer Verlauf mit weitgehender Wirbelsäulenversteifung |
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| *unterstützende Maßnahmen |
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