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Ankylosierende Spondylitis – Morbus Bechterew
Informationen über Bewährtes und Neues für Diagnose und Therapie
von Dr. med. Wolfgang Miehle
Rheumamed-Verlag Samerberg 2004, ISBN 3-9806607-2-9, 160 Seiten.
Für EUR 22,95 einschließlich Versandkosten mit dem ausdruckbaren Bestellformular bei der DVMB-Geschäftsstelle zu bestellen.
Als ich im Bechterew-Brief Nr. 77 das Buch „Rheuma – ein Patientenbuch“ von Dr. MIEHLE besprach, bedauerte ich, dass darin krankheitsspezifische Information für jede Krankheit nur auf wenigen Seiten enthalten ist. Nun haben wir ein Buch desselben Verfassers speziell über unsere Krankheit!
Dr. MIEHLE ist Chefarzt der Rheumaklinik Wendelstein in Bad Aibling und sieht jede Woche viele Morbus-Bechterew-Patienten. Das kommt in seinem neuen Buch deutlich zum Ausdruck. Er spricht aus eigener Erfahrung, wenn er darüber berichtet, was sich in den letzten Jahrzehnten geändert hat, nicht nur in der Diagnose und Therapie unserer Krankheit, sondern auch in den Erfolgen der ärztlichen Bemühungen. So berichtet er, dass er früher bei der Durchsprache der Röntgenaufnahmen jede Woche 15–20 Morbus-Bechterew-Patienten mit weitgehend versteifter Wirbelsäule sah, heute dagegen nur noch 3–4 im Monat. Es hat sich also einiges getan in der Diagnose und Therapie unserer Krankheit.
Dr. MIEHLE geht in seinem neuen Buch ausführlich auf die Untersuchungsmöglichkeiten ein sowie auf die unterschiedlichen Verlaufsformen der Krankheit, auf Begleiterkrankungen und auf Krankheiten, mit denen der Morbus Bechterew nicht verwechselt werden darf. Fast das halbe Buch ist den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gewidmet, zu Recht, denn das interessiert den Patienten am meisten. Ausführlich kommt auch zur Sprache, was der Patient selbst gegen die Versteifung und Verkrümmung tun kann. Ein eigenes Kapitel ist den Quellen für Hilfe von außen gewidmet: der DVMB und Selbsthilfe-Organisationen für verwandte Krankheiten, einschlägigen Büchern und nützlichen Fundstellen im Internet.
Eine besondere Stärke des Buches sind seine guten Bilder, in denen anatomische Zusammenhänge erläutert werden. Die Bilder sind so gut gezeichnet, dass es Freude macht, sie anzusehen.
Wissenschaftliche Fachausdrücke werden in einem neunseitigen Glossar erläutert. Dafür sind wir Patienten dem Verfasser besonders dankbar, auch wenn das Glossar immer noch manche Frage offen lässt.
Dass ein Buchverfasser persönliche Meinungen äußert, die andere anders sehen, ist sein gutes Recht. Dr. Miehle rät, bei Kindern von Morbus-Bechterew-Patienten den HLA-B27-Status bestimmen zu lassen, das Ergebnis aber links liegen zu lassen, wenn es „positiv“ ist. Andere raten von der vorsorglichen Bestimmung ab, um z.B. Versicherern nicht die Gelegenheit zu geben, einen Risikozuschlag zu verlangen. Nach Dr. Miehle wurde das Geschlechterverhältnis unter den Erkrankten in den 1980er und 1990er Jahren auf 1:1 geschätzt, heute auf 3:1 bis 4:1 – im DVMB-Leitfaden ist es umgekehrt. Nach S. 29 beträgt das Erkrankungsrisiko eines HLA-B27-positiven Kindes eines Morbus-Bechterew-Patienten 2–4%, nach VAN DER LINDEN 10–30% (Morbus-Bechterew-Journal Nr. 95 S. 17).
Leider hat das Zusammenspiel zwischen Druckerei und Verfasser offenbar nicht so geklappt, wie es sein sollte. Das Erkrankungsrisiko eineiiger Zwillinge beträgt keineswegs 65%, wie auf S. 29 zu lesen ist. Gemeint ist das Risiko des zweiten Zwillingspartners, wenn einer bereits erkrankt ist (Bechterew-Brief Nr. 76 S. 3–5). Und was ist bitte ein Kreuzdarmbeinwirbel (S. 73)? Auch sind nicht alle im alphabetischen Register aufgeführten Stichworte auf den angegebenen Seiten zu finden. Aber das sind Ausnahmen, die den Wert des Buchs keineswegs schmälern.
Wir müssen Herrn Dr. Miehle außerordentlich dankbar sein, dass er sich der Mühe unterzogen hat, dieses Buch für uns zu schreiben und uns seinen Schatz an Erfahrungen auf diese Weise zugänglich zu machen: Erfahrungen des Chefarztes einer großen Klinik, in der sich Morbus-Bechterew-Patienten aus ganz Deutschland einfinden.
Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München


