Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 117 (Juni 2009)

Wirksamkeit von Stangerbädern bei Spondylitis ankylosans

Illusion oder Realität?

von Eda Gurcay, Serdil Yuzer, Emel Eksioglu, Ajda Bal und Aytul Cakci, Ankara, Türkei

Einleitung

Der Verlauf der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) kann entscheidend beeinflusst werden durch Bewegungsübungen und physikalische Therapie. Bewegungsübungen werden strengstens empfohlen und als grundlegende Therapie zur Erhaltung der Beweglichkeit und Lebensqualität angesehen. Die Balneotherapie (Behandlung mit natürlichen Heilwässern, Heilgasen etc.) wird seit langem zur Behandlung rheumatischer Krankheiten eingesetzt. Ihr nachhaltiger Nutzen bei der Spondylitis ankylosans wurde in mehreren Studien nachgewiesen (Bechterew-Brief Nr.52 S. 22–25, Nr. 57 S. 19–26). Stangerbäder – eine Kombination aus Elektrotherapie (Bechterew-Brief Nr. 85 S. 27–34) und Hydrotherapie (Therapie im und mit Wasser) – werden eingesetzt bei verschiedenen chronischen Schmerzerkrankungen (z.B. schmerzhaften Muskelverspannungen, Verstauchungen) und bei Erkrankungen des Bewegungssystems, z.B. Arthrosen und Spondyloarthritiden (entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen). Schon der Einsatz von warmem Wasser kann durch die Wärme und den Auftrieb Schwellungen lindern, den Spannungszustand der Muskulatur und die Belastung der Gelenke verringern, den Abbau von Entzündungsvermittlern steigern und die Schmerzschwelle und Schmerztoleranz erhöhen. Beim Stangerbad wird ein niederfrequenter „diadynamischer“ Strom oder ein Gleichstrom durchs Wasser geleitet mit Hilfe von Metall- oder Kohle-Elektroden, die ins Wasser eintauchen.

Studie zur Wirksamkeit von Stangerbädern bei Spondylitis ankylosans

Wir verglichen die kurzzeitige Wirkung einer Stangerbad-Therapie in Kombination mit Krankengymnastik bei Patienten mit Spondylitis ankylosans mit der Auswirkung von Krankengymnastik allein. 58 Spondylitis-ankylosans-Patienten aus der Ambulanz unserer Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation nahmen an der Studie teil. Ausgeschlossen wurden Patienten mit schweren Begleiterkrankungen des Herzens, der Lunge, der Leber oder der Nieren sowie Patienten mit vollständig versteifter Wirbelsäule, außerdem Patienten, die innerhalb eines Jahres schon einmal eine Bäderbehandlung bekommen hatten, sowie Patienten mit einer Blutsenkungsgeschwindigkeit von mehr als 50 mm/h oder einem CRP von mehr als dem 10-fachen des Normalwerts. Die Patienten wurden mit einem Losverfahren randomisiert (zufallsbedingt) auf zwei Gruppen verteilt. Die Gruppen unterschieden sich nicht signifikant im mittleren Alter, im Geschlechtsverhältnis, Bildungsgrad, Anteil der Erwerbstätigen, in der mittleren Krankheitsdauer, im mittleren Ausmaß der Behinderung im Alltag und in der mittleren Beweglichkeit zu Beginn der Studie. Die Patienten beider Gruppen bekamen den Auftrag, nach individueller Anleitung in der Klinik 3 Wochen lang ein Krankengymnastik-Programm zu Hause selbständig an 5 Tagen der Woche (also insgesamt 15mal) je 30 Minuten lang durchzuführen. Das Programm umfasste Übungen zur Steigerung der Beweglichkeit, der Muskelstärke, der Atemkapazität und Haltungsübungen. Die 30 Patienten der Gruppe I erhielten zusätzlich insgesamt 15 Stangerbäder von je 20 Minuten. Die Wanne hat rechts und links je drei Elektroden mit einer Fläche von 40 cm x 20 cm, zwei Elektroden (20 cm x 20 cm) am Fußende und eine Elektrode (20 cm x 20 cm) am Kopfende. Damit können elektrische Felder in Längs-, Quer- und Diagonalrichtung erzeugt werden. Ein Salzgehalt des Wassers von 0,2–0,5% erhöht die elektrische Leitfähigkeit.

Tabelle über die Wirksamkeit von Stangerbädern bei Morbus Bechterew

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