Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 118 (September 2009)

Resilienz: Das Geheimnis unserer inneren Stärke

von Micheline Rampe

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, sich trotz widriger Umstände, trotz Niederlagen, Kümmernissen und Krankheiten immer wieder zu fangen und neu aufzurichten.

Die Glückshaut
Eine Gruppe von Leuten auf einer Brücke

Kennen Sie das Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren? Es handelt von Hans, dem Sohn armer Leute, der mit vorkommt, dass Kinder mit einer unverletzten Ei-Hülle geboren werden, wird diese „Glückshaut“ genannt. Im Volksglauben galt sie lange als besonders günstiges Omen für die Zukunft des Säuglings. Der Märchenheld Hans hatte eine solche Glückshaut, und darum gelingt ihm buchstäblich alles, obwohl er ganz außerordentliche Herausforderungen überwinden muss. Doch Hans geht seinen Weg. Er sichert sich die Unterstützung von Freunden und kommt so seinem Ziel stetig näher. Schließlich bringt er dem König, wie dieser es von Hans gefordert hatte, sogar drei goldene Haare vom Teufel. Dafür bekommt Hans am Ende – so wie es sich für ein Märchen gehört – die Königstochter zur Frau. Jeder hat ein bisschen was von diesem selbstbewussten und erfolgreichen Glückskind Hans. Jeder hat wenigstens ein Zipfelchen dieser schützenden Glückshaut mit auf den Weg bekommen, die ihm hilft, Krisen zu überwinden und sich immer wieder aufzurichten. Manchen Menschen gelingt es allerdings leichter als anderen, sich von den Tiefschlägen des Lebens zu erholen, und sie nehmen offenbar auch seltener bleibenden Schaden an Leib und Seele als andere. Das sind die perfekten Überlebenskünstler. Wie machen sie das nur? Sind sie, wie manche abschätzig meinen, schlicht unsensibel? Haben sie also das sprichwörtliche „dicke Fell“? Nein, nicht unbedingt. Wahrscheinlicher ist, dass sie über besondere Strategien verfügen, die sie – bewusst oder unbewusst – benutzen, um den Widrigkeiten des Lebens zu begegnen. Mit ihrer Hilfe kommen sie dann, wenn es sie doch einmal trifft, schnell wieder auf die Füße. Überlebenskünstler ziehen sich sozusagen selbst eine Glückshaut an! In den 1990er Jahren untersuchten amerikanische Psychologen Kinder aus extrem schwierigen Familienverhältnissen und machten dabei eine unerwartete Entdeckung: Einige Kinder waren trotz ihrer widrigen Lebensumstände seelisch unversehrt geblieben und entwickelten sich prächtig. Die Resultate sorgten in Wissenschaftskreisen für großes Aufsehen, denn sie passten ganz und gar nicht zu der – seit Sigmund Freud geltenden – Annahme, dass das Leben eines Menschen vor allem durch seine Kindheitserlebnisse geprägt wird. Zusätzlich warfen sie sofort viele konkrete Fragen auf: Was hatten sie, was die anderen Kinder aus ähnlichen Familien nicht hatten? Welche Eigenschaften beschützten Sie? Waren sie diesen Kindern angeboren oder hatten sie sich diese Widerstandskraft erst angeeignet? Und: Kann jeder die Geheimnisse seelischer Stärke kennen lernen und nutzen? Aus solchen Fragen entstand eine Forschungsrichtung, die zu klären versucht, was Menschen brauchen, um sich nach Niederlagen, Kümmernissen und Krankheiten immer wieder Lebensglück. Wir verdanken es unserem R-Faktor, der aus Sieben Säulen besteht und uns – unabhängig von Herkunft und sozialem Umfeld – innere Stärke gibt. Resiliente Menschen sind wie Stehaufmännchen: Sie können angestoßen werden und geraten aus dem Gleichgewicht, doch sie fallen nicht um. Nach einigem Hin und Her finden sie ihren Schwerpunkt und richten sich wieder auf.

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