Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 121 (Juni 2010)

Ganz links das ARD-Hauptstadtstudio, die Reporter stehen also einfach vor ihrer Haustür, wenn ihr Kommentar mit der Reichstagskuppel im Hintergrund im Fernsehen gezeigt wird
Ganz links das ARD-Hauptstadtstudio, die Reporter stehen also einfach vor ihrer Haustür, wenn ihr Kommentar mit der Reichstagskuppel im Hintergrund im Fernsehen gezeigt wird

Internationales Arbeitstreffen der Morbus-Bechterew-Forscher in Berlin

Jedes Jahr im Januar hält die Assess­ment of Spondylo­Arthritis international Society (ASAS) ihr jähr­li­ches Arbeitstreffen in der Heimatstadt eines oder mehrerer Morbus-Bech­terew-Forscher ab. Berichte über die Arbeitstreffen der Jahre 2006 bis 2009 erschienen im MBJ Nr. 104 S. 20–21, Nr. 109 S. 14–15 Nr. 113 S. 33–35 und Nr. 117 S. 39–41. Das Arbeitstreffen des Jahres 2010 fand im verschneiten Berlin statt, in einem Hotel an der Friedrichstraße nicht weit von der Spree und dem Reichstagsgebäude.

Unter den 80 Teilnehmern des Arbeitstreffens befanden sich 60 ASAS-Vollmitglieder, darunter wiederum der Verfasser dieses Berichts, dessen Forschungsergebnisse immer wieder in Vorträgen anderer Forscher gezeigt und in wissenschaftlichen Veröffentlichungen zitiert werden.

Ziel der ASAS ist die Erarbeitung von Kriterien für die Diagnose, von Messmethoden für die Verlaufsbeurteilung und von Empfehlungen für die Therapie der Spondyloarthritiden (entzündlichen Wirbelsäulenkrankheiten), über deren Wortlaut bei solchen Arbeitstreffen eine Übereinkunft erzielt wird.

Prof. Dr. Bernard Amor (Verfasser der Amor-Krite­rien für die Spondyloarthritiden, links) und Prof. Dr. Maxime Dougados im Gespräch
Bild 1: Prof. Dr. Bernard Amor (Verfasser der Amor-Krite­rien für die Spondyloarthritiden, links) und Prof. Dr. Maxime Dougados (federführender Verfasser des Hefts 12 „Morbus Bechterew in 100 Fragen“ der DVMB-Schriften­rei­he), beide aus Paris.
DVMB-Forschungspreisträger Prof. Dr. Jürgen Braun im Gespräch mit ASAS-Präsidentin Prof. Dr. Désirée van der Heijde
Bild 2: DVMB-Forschungspreisträger Prof. Dr. Jürgen Braun, bis 2010 ASAS-Sekretär und für die Jahre 2011–2012 gewählter Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, im Gespräch mit ASAS-Präsidentin Prof. Dr. Désirée van der Heijde (Leiden, Niederlande).
Bild 3: Zu „Meritorious Members“ (Ehrenmitgliedern) der ASAS ernannte der ASAS-Vorstand die Morbus-Bechterew-Forscher Prof. Dr. Anthony Russell aus Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta (links) und Prof. Dr. Henning Zeidler von der Medizinischen
Bild 3: Zu „Meritorious Members“ (Ehrenmitgliedern) der ASAS ernannte der ASAS-Vorstand die Morbus-Bechterew-Forscher Prof. Dr. Anthony Russell aus Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta (links) und Prof. Dr. Henning Zeidler von der Medizinischen Hochschule Hannover.
Prof. Dr. Henning Zeidler aus Hannover zum ASAS-Ehrenmitglied ernannt

Gleich bei der Eröffnung gab die ASAS-Präsidentin Prof. Dr. Désirée van der Heijde bekannt, dass das ASAS Advisory Board (Beirat) neben Bernard Amor (Bild 1) und Andrei Calin (MBJ Nr. 113 S. 35) zwei weitere verdiente Morbus-Bech­terew-Forscher zu Ehrenmitgliedern ernannte: Anthony S. Russell aus Edmonton in Kanada und Henning Zeidler aus Hannover (Bild 3).

Dosis-Vergleich unterschiedlicher NSAR

Erster Punkt auf der Tagesordnung war die Dosis-Erfassung bei nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Bis jetzt war es kaum möglich, bei Studien die eingenommene Dosis unterschiedlicher NSAR zu vergleichen. Durch eine Umfrage unter den ASAS-Mitgliedern und eine endgültige Abstimmung bei dem Arbeitstreffen unter Leitung von Prof. Dr. Maxime Dougados aus Paris (Bild 1) wurde festgelegt, welche Dosis eines bestimmten NSAR einer Dosis von 150 mg Diclofenac entspricht. Durch eine Erfassung der pro Woche (oder Monat) eingenommenen Äquivalentdosis ist nun ein Vergleich möglich, auch wenn verschiedene Patienten unterschiedliche Medikamente einnehmen.

Beurteilung der Krankheitsaktivität

Da in den BASDAI (Bechterew-Brief Nr. 88 S. 17–21, DVMB-Schriftenreihe Heft 13) nur Patientenurteile eingehen, entwickelten Prof. Dr. Désirée van der Heijde (Bild 2) und weitere ASAS-Mit­glieder den „Ankylosing Spondylitis Dis­ease Activity Score“ (ASDAS), in den neben dem Patientenurteil auch der CRP-Laborwert eingeht (MBJ Nr. 119 S. 10). Der ASDAS wird nach folgender Formel berechnet:

ASDAS = 0,121 x Rückenschmerz (BASDAI-Frage 2)
           + 0,110 x allgemeines Patientenurteil (BAS-G)
           + 0,073 x peripherer Gelenkschmerz/Schwellung
                (BASDAI-Frage 3)
           + 0,058 x Dauer der Morgensteifigkeit (BASDAI-
                Frage 6)
           + 0,579 x ln (CRP).

Darin werden die Patientenurteile auf einer Skala von 0 bis 10 erhoben. Das CRP wird in mg/l gemessen. ln ist der natürliche Logarithmus.
Haben schon die dreistelligen Koeffizienten manchen Experten verwundert bei Größen, die nur auf eine Dezimale genau abgeschätzt werden, so wurde nun diskutiert, wo auf der ASDAS-Skala die Grenze zwischen einer niedrigen, einer mäßigen (moderate) und einer hohen Krankheitsaktivität liegt. Einig waren sich die Teilnehmer, dass ein besonders kleiner ASDAS bedeutet, dass die Krankheit „inaktiv“ ist, und ich nahm die Gelegenheit wahr, darauf hinzuweisen, dass ich es nicht gut finde, wenn in Veröffentlichungen anstelle von „Patienten mit inaktiver Krankheit“ immer wie­der vereinfacht von „inaktiven Patienten“ die Rede ist.

Bild 5: ASAS-Schatzmeister und DVMB-Forschungs­preis­träger Prof. Dr. Joachim Sieper (links) im Gespräch mit dem Berliner Radiologen Dr. Kay-Geert Hermann.
Bild 5: ASAS-Schatzmeister und DVMB-Forschungs­preis­träger Prof. Dr. Joachim Sieper (links) im Gespräch mit dem Berliner Radiologen Dr. Kay-Geert Hermann.
ASAS-Dia-Sammlung im Internet zugänglich

Das von DVMB-Forschungspreisträger Prof. Dr. Joachim Sieper (Berlin, Bild 5) zusammengestellte „ASAS slide libra­ry“ (Dia-Bibliothek) zu den Spon­dyloarthritiden umfasst inzwischen 255 lehrreiche Dias in englischer, deutscher, por­tugiesischer, russischer, spanischer und türkischer Sprache, die im Internet-Auftritt der ASAS unter www.asas-group.org abgerufen werden können. Bis zum Frühsommer 2010 wer­den die eigegangenen Korrekturvorschläge und zusätzliche Dias eingearbeitet sein.

Bild 7: Drei junge Morbus-Bechterew-Forscher nahmen einen alten Forscher in ihre Mitte (von links nach rechts): Dr. Denis Poddubnyy (ein aus Russland stam­mender Mitarbeiter von Prof. Sieper in Berlin), Dr. Hildrun Haibel (eben­falls Mitarbeiterin von P
Bild 7: Drei junge Morbus-Bechterew-Forscher nahmen einen alten Forscher in ihre Mitte (von links nach rechts): Dr. Denis Poddubnyy (ein aus Russland stam­mender Mitarbeiter von Prof. Sieper in Berlin), Dr. Hildrun Haibel (eben­falls Mitarbeiterin von Prof. Sieper), der Verfasser dieses Berichts und Dr. Xenofon Baraliakos (ein aus Griechenland stammender Mitarbeiter von Prof. Braun in Herne).
Bild 8: Dr. Robert Landewé aus Maastricht (Niederlande, links) und Dr. Martin Rudwaleit (DVMB-Forschungs­preis­träger und Ärztli­cher Berater der DVMB) wurden in das Executive Committee (Vorstand) der ASAS gewählt.
Bild 8: Dr. Robert Landewé aus Maastricht (Niederlande, links) und Dr. Martin Rudwaleit (DVMB-Forschungs­preis­träger und Ärztli­cher Berater der DVMB) wurden in das Executive Committee (Vorstand) der ASAS gewählt.

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