Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 122 (September 2010)

Häufigkeit und Dauer rheumatischer Schübe beim Morbus Bechterew

von Dr. Roxanne Cooksey, Dr. Sinead Brophy, Prof. Dr. Mike B. Gravenor, Caroline J. Brooks, Claire L. Burrows und Dr. Stefan Siebert, Swansea-Universität, Swansea, Großbritannien

Einleitung

Der Verlauf einer Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) variiert erheblich von Patient zu Patient. Auch bei ein und demselben Patienten ist die Krankheitsaktivität nicht zu allen Zeiten gleich. Wie andere entzündlich-rheumatische Erkrankungen ist auch der Morbus Bechterew charakterisiert durch Zeiten relativer Besserung und Verschlimmerungszeiten. Im Falle einer Verschlimmerung spricht man von einem Krankheitsschub.
In England verlangen die Regeln für eine Behandlung mit TNF-alpha-Hemmern, dass zweimal im Abstand von mindestens 12 Wochen die Krankheitsaktivität bestimmt wird, um auszuschließen, dass diese teuren Medikamente wegen eines Krankheitsschubs eingesetzt werden, der auch von selbst wieder nachlässt.
In zwei vorangegangenen Studien wurde zwar festgestellt, dass die Krankheit bei den meisten Morbus-Bechterew-Patienten in Schüben verläuft. Es gibt aber nicht einmal eine allgemein anerkannte Definition, was man unter einem Schub versteht.

Zwei Arten von Morbus-Bechterew-Schüben

Viele Patienten berichten, dass sich Krankheitsschübe der normalen Krankheitsaktivität überlagern. Dabei scheint es zwei Arten von Schüben zu geben: Lokalisierte (auf einen Körperbereich begrenzte) leichtere Schübe und generalisierte (den ganzen Körper einbeziehende) stärkere Schübe.
Bei den lokalisierten Schüben stehen die Schmerzen und Beweglichkeitseinschränkungen in einem eng begrenzten Körperbereich im Vordergrund, während sich die allgemeinen Beschwerden (Müdigkeit, allgemeine Steifheit) mehr im Hintergrund halten. Bei den generalisierten Schüben dagegen berichten die Patienten von starken Schmerzen und Unbeweglichkeit im ganzen Körper mit zusätzlichem Schwitzen, Fieber, grippeähnlichen Symptomen, ausgeprägten Erschöpfungszuständen und niedergeschlagener Stimmung (Depression, Zurückgezogenheit, Angst). Beide Arten von Schüben können Tage bis Wochen andauern.

Eine Studie zur Erforschung von Morbus-Bechterew-Schüben

Mit unserer neuen Studie wollten wir das Muster dieser Krankheitsschübe und ihre Auswirkung auf die Morbus-Bechterew-Patienten erforschen. Die Britische Morbus-Bechterew-Vereinigung (National Ankylosing Spondylitis Society, NASS) veröffentlichte dazu in ihren Internetseiten einen Aufruf zur Beteiligung. Die Studienteilnehmer mussten zustimmen, dass wir uns von ihrem Arzt bestätigen ließen, dass es sich um einen Morbus Bechterew mit radiologisch nachgewiesener Beteiligung der Kreuzdarmbeingelenke handelt. Alle Studienteilnehmer hatten also einen nachgewiesenen Morbus Bechterew und nicht etwa nur periphere Gelenkbeschwerden.
Während der 9-wöchigen Studiendauer wurden die 134 Studienteilnehmer (69% männlich, 31% weiblich) alle 7 Tage gefragt, ob sie in den vergangenen 7 Tagen einen Schub hatten und ob es sich um Schmerzen und Schwellungen in einem begrenzten Bereich oder um einen generalisierte Schub (wie beschrieben) handelte. Außerdem füllten die Teilnehmer jedesmal den BASDAI-Fragebogen zur Erfassung der Krankheitsaktivität aus. Die Studienteilnehmer waren durchschnittlich 44 Jahre alt mit einer Krankheitsdauer seit den ersten Symptomen von durchschnittlich 21 Jahren. Der BASDAI als Maß für die Krankheitsaktivität betrug durchschnittlich 3,7 auf der 10-Punkte-Skale und der BASFI als Maß für die Behinderung bei Alltagsverrichtungen 3,6.

Studienergebnisse

Durchschnittlich hatten die Studienteilnehmer in 71% aller erfassten Wochen einen Krankheitsschub, davon in 59% aller Wochen einen lokalisierten Schub und in 12% aller Wochen (also in 6 Wochen pro Jahr) einen generalisierten schweren Schub.

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