Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 122 (September 2010)

Die gigantischen meterdicken Backsteinmauern der Caracalla-Thermen in Rom, einer im Jahr 217 n. Chr. unter Kaiser Caracalla errichteten Bade-, Sport- und Erholungseinrichtung, die (kostenlos) bis zu 1600 Badegäste aufnahm.
Die gigantischen meterdicken Backsteinmauern der Caracalla-Thermen in Rom, einer im Jahr 217 n. Chr. unter Kaiser Caracalla errichteten Bade-, Sport- und Erholungseinrichtung, die (kostenlos) bis zu 1600 Badegäste aufnahm.

Rheumatologie bei den Römern

Bericht über den Europäischen Rheumatologenkongress 2010

von Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, Wissenschaftliche Redaktion Morbus-Bechterew-Journal

Nein, es geht nicht um Medizingeschichte und nicht darum, wie die alten Römer ihre Rheumakranken behandelten. Die heutigen Römer boten Hunderte sprachkundiger junger Leute auf, um einen reibungslosen Ablauf des diesjährigen Kongresses der Europäischen Rheumatologie-Gesellschaft (EUropean League Against Rheumatism, EULAR) zu ermöglichen. Das war auch dringend nötig, denn der Kongress mit 15.000 Teilnehmern fand im 2005 erbauten Messezentrum statt, weit ab von jeglicher Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, so dass die Teilnehmer auf eine riesige Armada von Bussen verteilt werden mussten, damit jeder abends zum richtigen Hotel gebracht und morgens wieder abgeholt wurde. Auch in anderer Hinsicht war die Wahl des Veranstaltungsorts keineswegs ideal: In den Messehallen waren Vortragsräume durch Stoffbahnen abgeteilt, das Hintergrundgeräusch von außerhalb dieser Räume war gewaltig und man hörte immer, wann in einem anderen Raum ein Vortrag zu Ende war und mit Beifall beklatscht wurde.
Die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) war im Programm des Kongresses wieder gut vertreten. Viele Vorträge widmeten sich diesem Thema und auch von den rund 1600 Posters betrafen rund 80 die Spondylitis ankylosans. Über einen kleinen Teil davon möchte ich hier berichten.

Fortschritte bei der Diagnostik

Dr. Kay-Geert Hermann aus Berlin erläuterte die neuen Möglichkeiten der Entzündungsdarstellung im Magnetresonanzbild. Er betrachtet die Untersuchung der Kreuzdarmbeingelenke durch Magnetresonanz als unabdingbar für eine frühe Diagnose der axialen Spondyloarthritis (MBJ Nr. 117 S. 4–6 und S. 39–40). Da die neuen ASAS-Kriterien für die axiale Spondylo­arthritis neben anderen Befunden entweder Entzündungszeichen im Magnetresonanzbild der Kreuzdarmbeingelenke oder einen positiven HLA-B27-Test verlangen, erläuterte Dr. Hermann in einem weiteren Vortrag, wie solche Entzündungszeichen aussehen.

Erblichkeit der Veranlagung zum Morbus Bechterew

A. J. Geirsson und 2 Mitverfasser aus Island stellten auf Grund des isländischen Patientenregisters und vorhandener Abstammungsregister fest, dass zwei beliebige Morbus-Bechterew-Patienten in Island im Mittel enger miteinander verwandt sind als 2 beliebige Einwohner. Das Risiko, an Morbus Bechterew zu erkranken, ist in Island bei Kindern von Morbus-Bechterew-Patienten 75-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung, bei Enkeln 20-fach höher und bei Urenkeln immer noch 3,5-fach höher. In einem seltenen Beispiel fanden die Verfasser, dass sich unter den Nachfahren eines gemeinsamen Ururururururgroßvaters noch auffallend viele Morbus-Bechterew-Patienten befinden.

Ergebnisse zum Krankheitsverlauf

In einer Sitzung über schwierige Fälle beim Morbus Bechterew berichtete Dr. Cumhur Öner aus den Niederlanden, dass bei Patienten mit einer versteiften Wirbelsäule die Gefahr eines Wirbelbruchs besonders groß ist, dass die Wirbelbrüche häufig übersehen werden, dass eine Behandlung ohne Operation mit einem höheren Komplikationsrisiko (z.B. Nervenausfälle) und mit einer höheren Sterblichkeit verbunden ist, während eine rasche operative Stabilisierung die Überlebenschance entscheidend erhöht.
S. J. Pedersen aus Dänemark verglich den von der Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) vorgeschlagenen Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score (ASDAS, MBJ Nr. 119 S. 10) mit dem heute zur Ermittelung der Krankheitsaktivität gebräuchlichen Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI, MBJ Nr. 121 S. 9–12) und fand, dass der ASDAS besser mit anderen Entzündungszeichen korreliert und somit den Entzündungsprozess besser wiedergibt als der BASDAI.
DVMB-For­schungspreisträger Dr. Xenofon Baraliakos aus Herne (siehe S. 10 in diesem Heft) suchte nach einem Zusammenhang zwischen Entzündungs-Laborwerten und dem Fortschreiten der knöchernen Versteifung und fand, dass die bereits erfolgte Versteifung ein viel besserer Vorhersagefaktor für das Fortschreiten der Versteifung ist als jeder Laborwert. Nur das Geschlecht (langsamere Versteifung bei Frauen) hat ebenfalls einen hohen Vorhersagewert.

DVMB-Forschungspreisträger Dr. In-Ho Song aus Berlin erläutert sein Poster über die im Rahmen einer Patientenbefragung festgestellten Vorteile einer Mitgliedschaft in der DVMB.
DVMB-Forschungspreisträger Dr. In-Ho Song aus Berlin erläutert sein Poster über die im Rahmen einer Patientenbefragung festgestellten Vorteile einer Mitgliedschaft in der DVMB.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!