Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 122 (September 2010)

Morbus Bechterew als Risikofaktor für einen Herzinfarkt

Dr. Mike Peters, Dr. Ingrid Visman, Dr. Mark M. J. Nielen, Dr. Nancy van Dillen, Dr. Robert A. Verheij, Dr. Irene van der Horts-Bruinsma, Dr. Ben A. C. Dijkmans, Dr. Michael T. Nurmohamed, Universität Amsterdam und Jan van Bremen Institut, Amsterdam, Niederlande

Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen und auch an deren Folgen zu sterben. Offensichtlich spielen bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle. Es gibt nur wenige Studien, die sich mit dem Vorkommen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Morbus Bechterew befassen. Wir haben in der hier vorgestellten Studie versucht, eine Aussage über die Häufigkeit des Vorkommens von Herzinfarkten bei Morbus-Bechterew-Patienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung zu machen. Zum Andern untersuchten wir, ob es unter den Morbus-Bechterew-Patienten hinsichtlich der Risikofaktoren für Herzinfarkt Unterschiede gab zwischen denjenigen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, und denjenigen ohne Herzinfarkt.

Untersuchungsmethode

Alle Morbus-Bechterew-Patienten, die im Jan-van-Bremen-Institut oder in der Universitätsklinik in Amsterdam registriert und im Jahr 2007 zwischen 50 und 75 Jahre alt waren, wurden zwischen Juni 2007 und September 2007 angeschrieben und zu einem etwaigen durchgemachten Herzinfarkt befragt. Außerdem wurden die Krankheitsaktivität (BASDAI) und die Funktionseinschränkungen (BASFI), die Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und das Risikoverhalten erfasst. Wenn der Fragebogen nicht zurückgeschickt wurde, kamen im Abstand von je 2 Monaten Erinnerungen und ein erneuter Fragebogen. Auf diese Weise kamen 383 ausgefüllte Fragebögen (von 65% der 593 angeschriebenen Patienten) zurück.
Als Vergleichsgruppe der Allgemeinbevölkerung wurde aus dem Niederländischen Allgemein-Medizin-Register eine altersgleiche Stichprobe gezogen, als repräsentative Gruppe für die Bevölkerung der Niederlande. Aus dieser Stichprobe des Registers wurde die Häufigkeit des Auftretens von Herzinfarkten anhand der codierten Diagnosen bestimmt.

Ergebnisse

Von den 383 Morbus-Bechterew-Patienten, die den Fragebogen zurückgeschickt hatten, berichteten 17 Patienten (13 von 282 Männern und 4 von 101 Frauen) über einen durchgemachten Herzinfarkt. Näheres zu den Risikofaktoren berichteten leider nur 13 dieser Patienten. Die beobachtete Häufigkeit des Herzinfarkts lag in der Morbus-Bechterew-Gruppe bei 4,4% (Männer 4,6%, Frauen 3,9%). In der altersgleichen Gruppe der Allgemeinbevölkerung lag die Rate bei 1,2% (Männer 1,8%, Frauen 0,6 %), Tabelle 1.

Da die Rate der antwortenden Morbus-Bechterew-Patien­ten nur 65% betrug und es sein könnte, dass der Fragebogen gerade bei Patienten mit Herzinfarkt eine höhere Aufmerksamkeit erregt hatte und sie ihn daher eher ausgefüllt und zurückgeschickt hatten als Patienten, die nicht von dem Thema betroffen waren, berechneten wir die Häufigkeit noch einmal neu, indem wir annahmen, dass alle Nicht-Antwor­ten­den keinen Herzinfarkt in der Vorgeschichte hatten. Selbst unter dieser Annahme war die Herzinfarkt-Rate unter den Morbus-Bechterew-Patienten mit 2,9% etwa doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung.

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