Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 123 (Dezember 2010)

Spondyloarthritiden

Diagnostik der entzündlichen Wirbelsäulen-Erkrankungen

von DVMB-Forschungspreisträger Prof. Dr. med. Jürgen Braun, Herne,
und DVMB-Forschungspreisträger Prof. Dr. med. Joachim Sieper, Berlin

Definition und Einteilung

Spondyloarthritiden (SpA) sind entzündlich rheumatische Erkrankungen mit einigen Gemeinsamkeiten, Überlappungen und Übergängen. Besonders charakteristisch sind die Beteiligung des Achsenskeletts (Wirbel-säule und angrenzende Gelenke) und der Sehnenansätze sowie die Verknüpfung mit dem Erbfaktor HLA-B27. Man unterscheidet auf Grund der Befunde:

  •  Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew),
  • Spondyloarthritis bei Psoriasis (Schuppenflechte der Haut),
  • reaktive Spondyloarthritis (ReSpA),
  • Spondyloarthritis bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, und
  • undifferenzierte Spondyloarthritis (uSpA).

Die Spondyloarthritis bei Psoriasis, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die reaktive Spondyloarthritis und die undifferenzierte Spondyloarthritis, können in eine Spondylitis ankylosans übergehen bzw. mit einer Spondylitis ankylosans einhergehen.

Hinsichtlich der Kombination von Schuppenflechte und Arthritis (Gelenkentzündung) gibt es parallel auch einen Ansatz, in dem alle entzündlich rheumatischen Beschwerden bei Patienten mit Psoriasis als Psoriasis-Arthritis zusammengefasst werden.

Das SAPHO-Syndrom (Synovitis + Akne + Pustulose + Hyperostose + Osteitis) ist eine relativ seltene Sonderform einer Spondyloarthritis, für die charakteristische Veränderungen vor allem an Haut und Knochen beschrieben wurden.

 Darüber hinaus werden die Spondyloarthritiden auch nach dem Ort der vorherrschenden Beschwerden eingeteilt, u. a. weil sich die Therapien unterscheiden:

  • Beim prädominant axialen Typ überwiegt die Beschwerdesymptomatik des entzündlichen Rückenschmerzes (MBJ Nr. 110 S. 11, Nr. 122 S. 13). Beim prädominant peripheren Typ dagegen herrscht klassischerweise die asymmetrische Arthritis (unsymmetrische Gelenkentzündung), vor allem der unteren Gliedmaßen, oder weniger häufig die typische Enthesitis (Sehnenansatzentzündung) vor. Nicht selten treten beide Typen gemeinsam auf. Auch deshalb ist die Zusammenfassung der ganzen Gruppe unter dem Begriff „Spondyloarthritis“ gerechtfertigt.
  • Zum prädominant axialen Typ einer Spondyloarthritis gehören neben der klassischen Spondylitis ankylosans (mit eindeutigem Röntgen-Nachweis von knöchernen Veränderungen in den Kreuzdarmbeingelenken) vor allem die Frühformen der uSpA mit (z.B. nur im Magnet-resonanzbild nachgewiesenen) Entzündungen im Achsenskelett, ohne klare Röntgen-Veränderungen.

Eine weitere Unterteilung in primäre und sekundäre Spondylitis ankylosans bzw. axiale Spondyloarthritis (nach einer reaktiven Arthritis, bei Psoriasis oder bei einer chronisch entzündlichen Darm-erkrankung) ist grundsätzlich möglich, wird aber zunehmend weniger vorgenommen.

Die Diagnose einer undifferenzierten axialen bzw. peripheren Spondyloarthritis erfolgt, wenn kein definierter Spondyloarthritis-Typ, aber zusätzlich zum Leitsymptom „entzündlicher Rückenschmerz“ bzw. „periphere Arthritis“ andere Spondyloarthritis-typische Befunde vorliegen.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!

In Kürze:

Charakteristisch für eine Spondyloarthritis (SpA) sind die Beteiligung der Wirbelsäule und der Sehnenansätze sowie die Verknüpfung mit dem Erbfaktor HLA-B27.

 

Von einer axialen Spondyloarthritis spricht man, wenn die Rückenschmerzen im Vordergrund stehen.

 

Bei einem eindeutigen Röntgen-Nachweis von knöchernen Veränderungen in den Kreuzdarmbeingelenken kann die Diagnose Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) gestellt werden.

 

Die Diagnose undifferenzierte Spondyloarthritis (uSpA) trifft zu, wenn charakteristische SpA-Befunde vorliegen, aber weder eine Spondylitis ankylosans noch eine reaktive SpA noch eine Verknüpfung mit einer Psoriasis (Schuppenflechte) oder einer entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis

 

Mit Klassifikations-kriterien wird festgelegt, was man unter einer Krankheit versteht, damit bei Studien nur solche Patienten eingeschlossen werden, die bestimmt alle dieselbe Krankheit haben.