Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 123 (Dezember 2010)

Bild vom Hamburger Bahnhof Dammtor

Rheumatologie am Dammtor

von Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, wissenschaftliche Redaktion Morbus-Bechterew-Journal, München

Der Hamburger Bahnhof Dammtor (Bild oben), in dem alle ICE-Züge halten, ist eine Zwischenstation zwischen Hauptbahnhof und Hamburg-Altona. Auch der Rheumatologenkongress 2010 im benachbarten Kongresszentrum war wie jedes Jahr eine Zwischenstation der stets in Bewegung befindlichen Rheumatologie, mit Berichten zum derzeitigen Stand der Forschung. Über einige der dort vorgetragenen und für Morbus-Bechterew-Patienten interessanten For-schungsergebnisse möchte ich hier kurz berichten.

Diagnostik

Fünf Verfasser, darunter die DVMB-Forschungspreisträger Dr. Martin RUDWALEIT aus Hagen und Prof. Dr. Joachim SIEPER aus Berlin, berichteten über einen internet-basierten Fragebogen (www.rheuma-ruecken-check.de) mit 11 Fragen, mit dessen Hilfe ein Patient selbst prüfen kann, ob bei ihm eventuell eine Spondyloarthritis (entzündliche Wirbelsäulenerkrankung) vorliegt. Die Verfasser hoffen, auf diese Weise dazu beitragen zu können, dass die Krankheit früher als bisher erkannt wird.

Dr. Uta KILTZ aus Herne und 6 weitere Forscher planen die Entwicklung eines Gesundheitsindex, mit dem die Funktionseinschränkungen (Behinderungen) von Morbus-Bechterew-Patienten vollständiger beschrieben werden als mit dem heute üblichen Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index (BASFI, siehe DVMB-Schriftenreihe Heft 13). Grundlage ist der Katalog möglicher Behinderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Aus einer Vorauswahl von 264 Fragen sollen diejenigen Fragen ausgewählt werden, die bei der Spondylitis ankylosans besonders relevant sind. Berücksichtigt werden nicht nur Bewegungseinschränkungen, sondern auch z.B. Schlafstörungen und die Beeinträchtigung der Beziehungen innerhalb der Familie. Dr. Denis PODDUBNYY aus Berlin und 4 weitere Forscher fanden in 7,8% der Spondyloarthritis-Patienten, bei denen im Röntgenbild keine Veränderungen in den Kreuzdarmbeingelenken zu sehen sind (die also die modifizierten New-York-Kriterien für die Spondylitis ankylosans nicht erfüllen) trotzdem Syndesmophyten (entzündungsbedingte, von der Wirbelkante ausgehende Knochenneubildungen als Vorstufe einer Knochenbrücke zwischen zwei Wirbelkörpern). Dies erschwert die Zuordnung solcher Patienten zur undifferenzierten Spondyloarthritis oder zur Spondylitis ankylosans. Dr. Jörg HAUSDORF und 5 weitere Verfasser von der Universität München untersuchten die Effektivität einer interdisziplinären Rheumasprechstunde, zu der ausgewählte Patienten überwiesen wurden und bei der rheumatologische Internisten und Orthopäden eng zusammenarbeiten. Bei 42% der Patienten wurde die Erstdiagnose einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung gestellt und in 66 % der Fälle wurde eine spezifische antirheumatische Therapie eingeleitet. Die Zufriedenheit mit der interdisziplinären Rheumasprechstunde war hoch. Dennoch wurde von 50% der Patienten noch mehr Aufklärung gefordert.

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