Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 123 (Dezember 2010)

Augenbeteiligung bei Spondyloarthritiden

Die HLA-B27-assoziierte Uveitis

von Dr. Regina Max, Prof. Dr. Hanns Martin Lorenz und Dr. Friederike Mackensen,
Interdisziplinäres Uveitiszentrum und Sektion Rheumatologie der Universität Heidelberg

Eine Uveitis (Entzündung der Regenbogenhaut und angrenzender Bereiche im Auge) stellt bei einer Spondyloarthritis (entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung) das häufigste Begleitsymptom außerhalb der Gelenke dar. Sie tritt bei 30–50% der Patienten auf. Je länger die Erkrankungsdauer ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient während dieser Zeit auch eine Uveitis durchmachen musste.

Unter den zur Krankheitsgruppe der Spondyloarthritiden gehörenden Krankheiten ist bei der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) das Risiko, eine Uveitis zu entwickeln, am größten. Aber auch bei den übrigen Krankheiten – Psoriasisarthritis, Arthritis bei entzündlichen Darmerkrankungen, reaktiver Arthritis und undifferenzierter Spondyloarthritis – können die Augen mitbeteiligt sein. Häufig wird eine Spondyloarthritis aus Anlass des ersten Ausbrechens einer Uveitis diagnostiziert. Es ist deshalb sinnvoll, Uveitis-Patienten zur Mitbeurteilung an einen Rheumatologen zu verweisen.

Mit dieser Übersichtsarbeit möchten wir typische Augenbeschwerden bei Spondyloarthritiden, deren Diagnostik und Therapie vorstellen und auch einige Ausführungen zu ihrer Entstehung einfügen.

Häufigkeit

Von den Patienten, die sich erstmals mit einer rein auf das Auge begrenzten anterioren Uveitis vorstellen, sind etwa 50% HLA-B27-positiv. Der erste Uveitis-Schub tritt meist zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf. Männer erkranken daran nur minimal häufiger als Frauen.

In einer 2004 veröffentlichten Studie mit 175 HLA-B27-positiven Patienten mit einer Uveitis, die zur weiteren Abklärung einem Rheumatologen zugeführt wurden, wurde bei 78% anschließend die Erstdiagnose einer anderweitigen mit dem HLA-B27 verknüpften Erkrankung festgestellt, am häufigsten einer Spondylitis ankylosans. Die mit dem HLA-B27 verknüpfte Uveitis wird daher gelegentlich auch als „Minimalvariante“ einer Spondyloarthritis bezeichnet.

Erscheinungsbild der Uveitis

Typisch für eine Augenmanifestation bei der Spondylitis ankylosans ist eine Entzündung im vorderen Augenabschnitt (anteriore Uveitis, Iridozyklitis, Iritis, Bild 1).

Bild 1: Schematische Darstellung der anterioren, intermediären und posterioren Uveitis.
Bild 1: Schematische Darstellung der anterioren, intermediären und posterioren Uveitis. Während bei der anterioren Uveitis die Entzündung auf die Vorderkammer und die Iris beschränkt ist (mit gelegentlicher eher leichter Mit-beteiligung des Glaskörpers), steht bei der intermediären Uveitis die Glaskörperentzündung im Vordergrund. Bei der posterioren Uveitis finden sich Entzündungszellen in der Aderhaut, seltener in der Netzhaut, mit mehr oder weniger Mitbeteiligung des Glaskörpers.
Quelle: Zierhut u.a., Zeitschrift für Rheumatologie 69 (2010) S. 393–396
Bild zeigt typische Rötung bei einem Patienten mit HLA-B27-assoziierter Uveitis im rechten Auge.
Typische Rötung bei einem Patienten mit HLA-B27-assoziierter Uveitis im rechten Auge.
Bild zeigt Hypopyon: Ablagerung von Eiter (Fibrin und Zellen) in der Vorderkammer.
Hypopyon: Ablagerung von Eiter (Fibrin und Zellen) in der Vorderkammer.
Bild zeigt Hintere Synechien (Verklebungen der Regenbogenhaut mit der Linse) als Folge einer nicht rechtzeitig oder nicht konsequent behandelten Uveitis anterior
Hintere Synechien (Verklebungen der Regenbogenhaut mit der Linse) als Folge einer nicht rechtzeitig oder nicht konsequent behandelten Uveitis anterior

Die Patienten berichten über plötzlich auftretende ziehende Schmerzen, Lichtüberempfindlichkeit und Rötung eines Auges. Die Minderung der Sehstärke kann milde bis stark ausfallen. Die Uveitis klingt zwar meist relativ schnell innerhalb weniger Wochen ab, es kann aber zu rezidivierenden (wiederkehrenden) Entzündungen nach unterschiedlich langer Zeit kommen. Prinzipiell wird eine akute von einer chronischen Form unterschieden. Als chronisch bezeichnet man eine Entzündung, die länger als 3 Monate andauert. Bei rezidivierenden Verläufen ist meist dasselbe Auge erneut betroffen bzw. es besteht ein dominierendes Auge.

Für die Uveitis bei Morbus Bechterew typische Eigenheiten
  • kurzes Vorstadium
  • Plötzlicher Beginn
  • nur ein Auge betroffen
  • Rötung, Schmerz
  • Licht-Überempfindlichkeit
Therapie eines akuten Uveitis-Schubs
  • Corticosteroide über mindestens 3 Wochen
  • Gegebenenfalls durch den Mund eingenommene Corticosteroide bzw.
    in die Umgebung des Auge gespritztes Triamcinolon
  • außerdem ein Mydriatikum (pupillenerweiterndes Medikament)
Dauertherapie bei häufigen Uveitis-Schüben
  • Sulfasalazin bei HLA-B27-positiven Patienten
  • Gegebenenfalls Methotrexat, Ciclosporin oder Azathioprin
  • Anti-TNF-alpha-Therapie

Eine gleichzeitige beidseitige Entzündung kommt bei der klassischen Augenbeteiligung einer Spondyloarthritis nicht vor.
Während bei der reaktiven Arthritis ebenfalls überwiegend die typische einseitige Uveitis auftritt, weichen die Augenmanifestationen bei Patienten mit Psoriasisarthritis und Arthritis bei entzündlichen Darmerkrankungen häufig vom klassischen Typ ab. Hier ist der Verlauf eher schleichend, die Entzündung kann beidseitig auftreten und betrifft vermehrt Frauen. Der mittlere oder hintere Augenabschnitt ist häufiger betroffen als bei der Spondylitis ankylosans und der reaktiven Arthritis.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!