Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 150 (September 2017)

Darf ich vorstellen…

Von Peter Koncet, Mitglied der Redaktion Morbus-Bechterew-Journal

Menschen mit unterschiedlichsten Interessen, Motivationen und Erfahrungen sind es, die die DVMB zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Aufgaben in einem ehrenamtlich geführten Verband wie dem unsrigen benötigen genau diese Menschen. Wir haben, stellvertretend für alle, die sich im Laufe von nun bald vier Jahrzehnten einbrachten, einige hier vorgestellt. Mitunter echte Typen. Anfangs ist das nicht sogleich zu erkennen. Niemals weiß man, was am Ende eines Engagements auf Zeit herauskommt. So auch unsere diesmaligen Vorstellkandidaten. Aus fundierter Neugier, wie mit der Diagnose umzugehen ist, und aus Interesse rund um den weiteren Krankheitsverlauf sind sie irgendwie auf die DVMB gestoßen. Dass sich ihre Bereitschaft, sich auch einzubringen, anschließend über Jahrzehnte erstrecken würde, war so nicht vorherzusehen. Auch nicht, welche Aufgaben und Ehrenämter sie einmal nachhaltig erfüllen würden. Zwei Typen mit Herz und Charakter, die ein Verband braucht, um anderen Betroffenen Perspektiven und zugleich Leitplanken zu geben.

Franz Gadenz

trägt seinen Nachnamen als Nachfahre eines sehr seltenen Familienclans, den es in Deutschland, Österreich und in der Schweiz gibt. Weltweit stammen alle Familien Gadenz aus einem kleinen Bergdorf der südlichsten Dolomiten, am Fuße der Pala-Gruppe, im heutigen Trentino. Sein Großvater ist noch im damals österreichischen Tirol geboren und als Kind mit der ganzen Familie etwa 1870 nach Salzburg gezogen. Das 300 Jahre alte denkmalgeschützte Elternhaus von Franz Gadenz liegt an der früheren Römerstraße, die von Salzburg nach Augsburg führte, im bayrischen Adelstetten, in der Gemeinde Ainring. Anfang der 1970er Jahre hat er neben dem Elternhaus sein eigenes Haus gebaut.
Geboren wurde Franz Gadenz Anfang März 1942 nur deshalb in Salzburg, weil sich kurz vor seiner Geburt Komplikationen einstellten. Schnelle Hilfe fand man im nahen Krankenhaus in Salzburg. Sein ständiger Lebensmittelpunkt lag und liegt in Ainring. Dort ging er acht Jahre zur Volksschule, absolvierte eine Maurerlehre, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Parallel zur Lehre besuchte er eine Berufsaufbauschule und erwarb die Fachhochschulreife. 1962 begann er sein Bauingenieurstudium in München. Als Diplom-Ingenieur eröffnete er in Adelstetten 1967 sein eigenes Ingenieurbüro für Baustatik und kommunalen Tiefbau. Heute erfüllt ihn mit Stolz, dass es ihm neben seiner beruflichen Tätigkeit gelang, ab 1977 ein weiteres Studium in München aufzunehmen. 1985 beendete er dieses Studium erfolgreich als Dipl.-Ing. (FH) der Versorgungstechnik.
Erste Symptome eines Morbus Bechterew traten 1965 in seinem letzten Studiensemester auf. Damals hatte er eine Regenbogenhautentzündung, vermutlich als Folge der psychischen Belastung. Bereits 1966 erhielt er in der Klinik Wendelstein während seines ersten Kuraufenthalts die richtige Diagnose. Zunächst waren neben den Augen alle peripheren Gelenke betroffen. Erst später folgte der Rücken. Obwohl in den ersten 10 Jahren die Beschwerden sehr schlimm waren, hatte er keine Probleme, die Krankheit zu akzeptieren.  Er sah es immer als Vorteil an, die Krankheit, so wie sie gekommen ist, anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Ging er vor der Erkrankung ständig Bergsteigen, so war das schlagartig nicht mehr möglich. Das war für ihn das Schlimmste. Er weinte, als er 1976 erstmals wieder auf einem Berg, dem Schlern in Südtirol, stand. Nicht nur die Freude am Bergsteigen litt, immer mehr belastete ihn die Krankheit im familiären Zusammenleben und bei seiner Bürotätigkeit. Der Möglichkeit, jederzeit auszufallen, begegnete er mit einer kostenintensiven Personalkonstellation seines Büros.
Auf die DVMB wurde Franz Gadenz Anfang der 1980er Jahre in der Klinik Wendelstein in Bad Aibling aufmerksam. Im Aushang versprach ein gewisser Ludwig Hammel in einem Vortrag, über Morbus Bechterew und die Hilfen der DVMB zu informieren. Der Termin fand allerdings erst nach seiner Kur statt. Der Referentenname blieb in seinem Gedächtnis. 1987 gab es in der Zeitung einen Aufruf zur Gründung einer Morbus-Bechterew-Selbsthilfegruppe im Berchtesgadener Land. Er ging hin, redete zu viel und wurde Gruppensprecher. Noch heute steht er dieser Gruppe vor. Von 1992 bis 1998 war er Mitglied im Vorstand des Landesverbands Bayern und von 1998 bis 2002 dessen Vorsitzender. Bereits 1994 bis 1996 gehörte er dem Vorstand des DVMB-Bundesverbands an und wurde 2001 bis 2002 stellvertretender Bundesvorsitzender. Anschließend führte er bis 2012 als Vorsitzender des Bundesverbands die DVMB. In seiner Zeit als Vorsitzender des Bundesverbands hat er zukunftsweisende Projekte der DVMB in besonderem Maße vorangetrieben: Die Gründung der Deutschen Morbus-Bechterew-Stiftung, das Zukunftspapier 2020 der DVMB, das Neue Design sowie das jährliche Treffen des Bundesvorstands mit den Landesverbands-Vorsitzenden. 2012 zeichnete die Delegiertenversammlung ihn mit der höchsten Ehrung aus, die der Verband vergeben kann: die Ernennung zum Ehrenmitglied.
Was wie eine „Bilderbuchkarriere“ klingt, ist ihm eher ein konsequentes und wichtiges Anliegen im Leben: seinen Teil zum Funktionieren des Gemeinwesens beizutragen. Über all die Jahre hat er mit seinem engagierten und konstruktiven Wirken im und für den Verband diesen in der ihm eigenen kollegialen Weise nachhaltig geprägt.
Heute genießt Franz Gadenz, der bereits 2007 offiziell in Rente ging, mit seiner Lebenspartnerin den Ruhestand beim Wandern und – so gut es geht – beim Bergsteigen. Urlaub macht er am liebsten in der einzigen Gegend, wo er außer seiner Heimat sich vorstellen könnte zu leben: in Südtirol. Ebenso gerne besucht er Städte mit hohem kulturellem Wert, wie z.B. Venedig.  
Wenn auch nicht mehr aktiv, so bleibt er vielfältig der DVMB verbunden. Frei nach Papst Johannes XXIII lautet sein Lebensmotto: Franz, nimm dich nicht so wichtig. Doch sein Rat ist immer noch gefragt. Wichtig wäre ihm, wenn innerhalb der DVMB die Rückkehr des früher stärker verankerten Gemeinschaftssinns und der Begeisterung für unsere Selbsthilfegemeinschaft erreicht werden kann.

Wolfgang Klimsch

sieht sich als netter und optimistischer Zeitgenosse. Als Informatiker in einem Großverlag verdiente er seinen Lebensunterhalt. 44 Jahre lang. Eine Lehre hatte er allerdings nach der Mittleren Reife als Klempner und Installateur absolviert. Nach seiner Bundeswehrzeit in den 1970er Jahren war es ihm wegen seiner Bechterew`schen Krankheit nicht mehr möglich, unter Waschbecken zu kriechen oder in zugigen Neubauten zu arbeiten. Er begann ein Studium als Informatiker. Vor allem auch deshalb, weil ihm gesagt wurde, dass es bald Computer geben wird, die man direkt vom Schreibtisch aus bedienen kann. Diese Ausbildung versetzte ihn in die Lage, 44 Jahre in „seiner Firma“ tätig zu sein. Exakt die Hälfte der Zeit in Vollzeit und die zweite Hälfte als Aushilfe wegen Frührente. 44 Jahre ist er auch verheiratet. Genauer, hat seine Ursel ihn geheiratet und er hat es bis heute nie bereut.
Wolfgang Klimsch wurde Ende Juli 1945 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Seine Kindheit und Schulzeit verbrachte er in Bochum. Er ging dort aufs Humanistische Gymnasium, das er innerlich hasste und auch nur solange besuchte, bis er sich mit der Mittleren Reife verabschieden konnte. In Stuttgart folgte eine Lehre. Anschließend kam er zur Bundeswehr. Am Ende seiner Dienstzeit in München, 1966, traten die ersten Symptome seines Morbus Bechterew auf. Eine Orthopädin erkannte Anfang der siebziger Jahre diese Krankheit und schickte ihn zur Kur nach Bad Kreuznach. Dort wurde die Diagnose bestätigt. Damals ging für ihn die Welt unter. Laut den damaligen Nachschlagewerken gab es nur eine Aussicht: In ein paar Jahren auf den Rollstuhl angewiesen zu sein. „Heute weiß ich, dass man mit dem Morbus Bechterew ein glückliches und erfülltes Leben verbringen kann. Nach jedem Krankheitsgewitter kommt immer ein herrlicher Regenbogen.“
Über seine Mutter wurde er auf die DVMB aufmerksam. Sie hatte in den „Stuttgarter Nachrichten“ gelesen, dass in Schweinfurt eine Morbus-Bechterew-Gruppe gegründet worden war. Wolfgang Klimsch rief dort an, Herbert Hümmer, der Gründer der DVMB, war am Apparat. Diesem Gespräch folgten viele Telefonkontakte. Herbert Hümmer überzeugte ihn, die in München bereits bestehende Gruppe weiterzuführen, da der Initiator der Gruppe nicht mehr wollte. „In dieser Bechterew-Gymnastikgruppe ist auch ein Teilnehmer, Professor Feldtkeller, der Sie sicher gerne unterstützt und Ihnen hilft.“ Seit diesem Telefonat mit Herbert Hümmer ist er DVMB-Mitglied und Gruppensprecher der Münchener Gruppe. Seit 1982 ist er Mitglied im Vorstand des Landesverbands Bayern, die ersten zwei Jahre als Beisitzer, dann als 2. Vorsitzender. Von 1984 bis 1994 war er Mitglied im Bundesvorstand der DVMB, von 1990 bis 1994 als Bundesvorsitzender. 1988 ergänzte er die damalige „Bechterew-Brief“-Redaktion, deren Sprecher er bis 2002 war. Für seine besonderen Verdienste um die DVMB zeichnete ihn der Verband 1996 mit der Ehrenmitgliedschaft aus. Seit Gründung der Deutschen Morbus-Bechterew-Stiftung 2009 gehört er dem Stiftungsbeirat an. Der Spagat zwischen DVMB und seinem Privatleben und Beruf klappte vor allem deshalb, weil er durch die Frührente mehr Freizeit für den Verband erübrigen konnte und vor allem, weil ihn seine Ursel bis heute tatkräftig unterstützt.
Seine Erwartungen an eine Mitgliedschaft in der DVMB sieht er voll und ganz erfüllt. „Ich finde die Gespräche untereinander, die Hilfen der Mitpatienten ausschlaggebend zur Bewältigung des Morbus Bechterew.“ Wichtig für ihn ist, dass einiges noch innerhalb der DVMB erreicht werden muss. Vor allem die Zusammenarbeit aller Gremien – Bundes-, Landesverbände und Gruppen – muss sich verbessern. Eine stärkere Beachtung unseres Leitfadens „DVMB 2020“ würde seiner Meinung nach dabei in vielen Fällen helfen.
Im Laufe seiner fast 40-jährigen Tätigkeit für den Verband gibt es Vieles wie das Gelingen einer Gruppengründung, die Durchführung von Veranstaltungen und mittlerweile die Wahrnehmung des Gesamtverbands, auf die Wolfgang Klimsch stolz ist, durchaus auch im Bewusstsein, „nur“ ein Rad im Getriebe der DVMB zu sein. Auch darauf, dass es ihm immer wieder gelingt, durch Zuhören bei diversen Problemen Mitpatienten helfen zu können. Nicht ganz unbeteiligt ist er an den gewachsenen Freundschaften mit den Morbus-Bechterew-Verbänden in Österreich und der Schweiz.
Dass Schäufele und Kartoffelpuffer zu seinen Lieblingsgerichten gehören und dass er seinen Urlaub am liebsten in einer heißen und trockenen Gegend oder auf einem Kreuzfahrtschiff verbringt, verrät der Optimist ebenso freimütig wie, dass er jahrzehntelang gerne geraucht hat, es ihm aber gelungen ist, es aufzugeben.
Wichtig ist ihm, auf folgendes hinzuweisen: In den vergangenen 40 Jahren gab es für ihn nur eine Aufteilung zwischen privater Existenz und der Arbeit für die DVMB. „Gerade jetzt nach monatelanger schwerer Erkrankung stelle ich fest, dass die eigenen Bedürfnisse immer wieder in den Hintergrund geschoben wurden. Es sollte unser Ziel werden, bei der Gratwanderung zwischen Familie, Beruf und ehrenamtlicher Tätigkeit eine ausgeglichene Bilanz zu erreichen. Die Wertigkeit der Schwerpunkte wird unterschiedlich sein. Hier muss jeder seinen Weg finden und gehen.“