Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 150 (September 2017)

Unerwünschte Ereignisse bei der Anti-TNF-Therapie des Morbus Bechterew

Von Dr. Qiang Tong, Qing Cai, Tristan de Mooij, Xia Xu, Shengming Dai, Dr. Wenchun Qu und Dr. Dongbao Zhao, Shanghai (China) und Rochester, Minnesota (USA)

Weil das Zytokin (Botenstoff) „Tumor-Nekrose-Faktor alpha“ (TNF-a) bei der Entstehung entzündlich-rheumatischer Krankheiten eine wichtige Rolle spielt, werden Morbus-Bechterew-Patienten häufig mit Medikamenten behandelt, die diesen Botenstoff blockieren. Studien mit den TNF-Blockern Infliximab und Etanercept ergaben, dass mit ihnen die Beschwerden wesentlich gemildert und so die Lebensqualität der Patienten erheblich gebessert werden kann.
Weil die Anti-TNF-Therapie aber einen zentralen Regulator der Entzündungsreaktion hemmt, kann die Therapie mit Infusions-Reaktionen, Hautausschlägen, Fieber und Schwellungen der Sehnerv-Umgebung im Auge verbunden sein.
In China sind die TNF-Blocker Infliximab, Etanercept, Adalimumab und rhTNFR-Fc (eine lösliche Etanercept-Variante) zugelassen. Wir untersuchten die Häufigkeit und Schwere kurzfristiger und langfristiger unerwünschter Ereignisse1 der TNF-Blocker Infliximab und rhTNFR-Fc bei Morbus-Bechterew-Patienten, die in unserer Klinik, dem Changhai-Krankenhaus in Shanghai (China) behandelt wurden.
Alle Studienteilnehmer erfüllten die 1984 veröffentlichten modifizierten New-York-Kriterien2 für die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew). Ausschlusskriterien waren chronische Infektionskrankheiten in der Vorgeschichte, bösartige Geschwulste, Leber- und Nieren-Funktionsstörungen, Blutbildungs- und Herzkrankheiten sowie Multiple Sklerose. Auch Patienten, die neben dem TNF-Blocker mit einem DMARD3 behandelt wurden, wurden nicht in die Studie eingeschlossen.
Die Patienten erhielten entweder in den Wochen 0, 2, 6 und danach alle 6 Wochen eine intravenöse Infusion von 200 mg Infliximab oder zweimal wöchentlich eine subkutane Injektion von 25 mg rhTNFR-Fc. Die Patienten wurden während 2 Stunden nach der Verabreichung auf unerwünschte Ereignisse überwacht.
Unerwünschte Ereignisse, die innerhalb von 1 Stunde von selbst wieder verschwanden, wurden als „mild“ eingeordnet. Ereignisse, die durch medizinische Behandlung gelindert werden konnten, wurden als „moderat“ eingeordnet, und solche, die fatal verliefen oder eine stationäre Behandlung erforderten, wurden als „schwer“ bezeichnet.

Kurzfristig auftretende unerwünschte Ereignisse

Bei 20% der Patienten traten kurzfristig (innerhalb von 2 Stunden nach der Behandlung) unerwünschte Ereignisse auf. Die Häufigkeit solcher kurzfristig aufgetretener Ereignisse ist in Tabelle 1 wiedergegeben4.

1) gemeinhin als „Nebenwirkungen“ bezeichnet, auch wenn nicht bewiesen ist, dass diese Ereignisse wirklich durch das Medikament bewirkt wurden.
2) MBJ Nr. 100 S. 5, Nr. 102 S. 5, Nr. 106 S. 6, Nr. 109 S. 9–13, Nr. 123 S. 7, Nr. 140 S. 7, DVMB-Schriftenreihe Heft 13.
3) Diaease Modifying Anti-Rheumatic Drug: Langfristig krankheitsmodifizierendes Rheuma-Medikament, z.B. Sulfasalazin, Methotrexat, Leflunomid.
4) Manche der milden und moderaten Ereignisse treten auch bei Placebo-Injektionen auf, sind also nicht immer dem Medikament anzulasten, Anmerkung der Redaktion.

 

 

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