Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 150 (September 2017)

Bei Morbus-Bechterew-Patienten spricht auch eine Parodontitis auf TNF-alpha-Hemmer an

von Dr. Gisele Maria Fabri, Dr. Rosa Maria Pereira, Dr. Cynthia Savioli, Dr. Carla Saad, Dr. Júlio Cesar de Moraes, Dr. José Tadeu Siqueira und Dr. Eloisa Bonfa, Universität Juiz de Fora und Universität São Paulo, Brasilien

Kürzlich wurde durch eine in Berlin durchgeführte Studie nachgewiesen, dass Patienten mit einer ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) oder einer rheumatoiden Arthritis häufiger als Gesunde eine Parodontitis1 haben. Dabei handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Zahnfleisch-Erkrankung mit Schädigung des Zahnhalteapparats.
Sowohl bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen als auch bei der Parodontitis wird die Entzündung durch entzündungsfördernde Zytokine (Botenstoffe) vermittelt. Bei der rheumatoiden Arthritis (RA) ergaben Studien, dass TNF-alpha-Hemmer die Schwere einer Parodontitis mindern können, während andere Studien ergaben, dass TNF-alpha-Hemmer die Zahnfleisch-Entzündung sogar verschlimmern. Ziel unserer Studie war, herauszufinden, wie sich eine Anti-TNF-Therapie bei Morbus-Bechterew-Patienten und bei RA-Patienten auf die Parodontitis auswirkt.
Dazu wurden 26 Morbus-Bechterew-Patienten und 36 RA-Patienten, die für eine Anti-TNF-Therapie vorgesehen waren, von einem Rheumatologen und einem Zahnarzt untersucht. Nach Ausschluss von:

  • Patienten mit fortgeschrittener chronischer Parodontitis (weil TNF-alpha-Hemmer bei einer schweren Infektion zu vermeiden sind),
  • Patienten, die bereits mit einem Biologikum2 behandelt wurden oder für die eine Anti-TNF-alpha-Therapie kontra-indiziert ist,
  • Patienten, die während unserer Studie zahnärztlich behandelt wurden,
  • Patienten in kieferorthopädischer Behandlung,
  • Patienten mit Zuckerkrankheit und
  • Patienten mit psychiatrischen Krankheiten

verblieben in unserer Studie 15 Morbus-Bechterew-Patienten und 15 RA-Patienten. Sie wurden nach 6 Monaten Anti-TNF-Therapie ein weiteres Mal untersucht. Die Untersuchungen durch einen Parodontisten umfassten:

  • den Mundhygiene-Index (Anteil der mit einen Zahnbelaganzeigenden Mittel einfärbbaren Zahnflächen),
  • den Zahnfleischblutungs-Index (Anzahl der Zähne, an denen es bei leichtem Druck mit einer Sonde zum Zahnfleischbluten kommt),
  • die tastbare Taschentiefe (Abstand vom Zahnfleischrand bis zum sondierbaren Taschenboden (Anfang des Knochens),
  • den Zahnfleisch-Rückgang (freiliegender Zahnhals),
  • den Attachmentverlust (Abstand zwischen der Schmelz-Zement-Grenze und dem Boden der Zahnfleischtasche).
Studienergebnisse

Sowohl von den 15 Morbus-Bechterew-Patienten als auch von den 15 RA-Patienten hatten jeweils 7 (47%) eine Paro-dontitis. Zu Beginn der Studie gab es keinen signifikanten Unterschied in den mittleren Parodontitis-Werten zwischen den Patienten mit Morbus Bechterew und rheumatoider Arthritis.
Nach der 6-monatigen Anti-TNF-Therapie gab es bei den Morbus-Bechterew-Patienten signifikante Besserungen in zwei der Parodontitis-Werte (Tabelle 1), während es bei den RA-Patienten keine signifikante Besserung gab (Tabelle 2).
Der Unterschied könnte damit zusammenhängen, dass beim Zahnfleisch, ähnlich wie bei den Sehnenansätzen, Bindegewebe am Knochen anhaftet und starken Kräften ausgesetzt ist und dass die dort ablaufenden Reparaturprozesse beim Morbus Bechterew eine Rolle spielen, nicht jedoch bei der rheumatoiden Arthritis.

1) MBJ Nr. 122 S. 30, Nr. 134 S. 7
2) auf molekularbiologischer Grundlage, z.B. mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen, hergestellte Medikamente

Anschrift der letztgenannten Verfasserin: Rheumatology Division Hospital das Clinicas da Universidade de São Paulo, São Paulo, Brasilien

Quelle: Gekürzte patientengemäße Übersetzung eines im Journal of Clinical Rheumatology Band 21 (2015) S. 341–345 erschienenen Artikels (dort mit ausführlichem Literaturverzeichnis)