Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 150 (September 2017)

Taping bei axialer Spondyloarthritis einschließlich Morbus Bechterew

Von Dr. Gudrun Lind-Albrecht, Düsseldorf, Mitglied der Redaktion

Vor etwa 10 Jahren war es noch eine kleine Sensation, wenn der Star-Fußballer David BECKHAM nach einem spannenden Match sein Trikot lüpfte und darunter eine Reihe grell pinkfarbener Klebebänder an seinem seitlichen Brustkorb und am Rücken sichtbar wurden. Die drei strahlend blauen Klebestreifen, die Mario BALOTELLI nach dem 2:0 im EM-Halbfinale 2012 auf seinem Rücken präsentierte, mag so mancher deutsche Fußballfan in schmerzlicher Erinnerung haben. Dezentere hautfarbene Klebebänder für ihre Waden wählt Serena WILLIAMS, die weltbekannte US-amerikanische Tennis-Spielerin.
Bei Spitzensportlern sind mehr oder minder bunte Tapes an besonders beanspruchten Körperregionen heutzutage schon zum Normalfall geworden. Aber auch außerhalb des Sports ist das (Kinesio-)Taping inzwischen angekommen – und als Betroffener mit axialer Spondyloarthritis / Morbus Bechterew kann man sich glücklich schätzen, wenn man einen Physio- oder Ergotherapeuten mit Kenntnissen im Tapen hat.

Geschichte des Tapens

Der Erfinder des Kinesio-Taping ist der Japaner Kenzo KASE. Als Doktor der Chiropraktik mit Ausbildung in den USA, aber zugleich Kenner traditioneller asiatischer Heilmethoden suchte er nach einer Möglichkeit, schmerzhafte Gelenke, Muskelketten und Gewebe durch sanfte Aktivierung zu behandeln. Vorher kannte man nur das „unelastische“ Tape, den Klebe-Verband zur Ruhigstellung nach Verletzungen und zur Unterstützung von insuffizienten Kapsel-Band-Regionen.
1979 gelang es Dr. Kenzo Kase, ein neuartiges elastisches Klebeband herstellen zu lassen, welches in und durch Bewegung erst seine Wirkung am Körper entfaltet. Er entwickelte eine völlig neue Behandlungs-Methode, das Kinesio-Taping. Dem eigentlichen Tapen ging eine Reihe von Muskeltests, welche aus der Kinesiologie bekannt sind, voraus. Zunächst wurde das Kinesio-Taping bei den japanischen Sumo-Ringern angewandt, die ja extremen Belastungen standhalten müssen. Sehr schnell verbreitete sich die Methode bei den verschiedensten Sportarten in ganz Japan und in Korea. 1987 berichtete Dr. Kase, er habe sogar seinen Hund, einen Chihuahua, nach einer Verletzung durch einen größeren anderen Hund, mittels Taping wieder zu einem normalen Laufen zurück verholfen.
Größere Bekanntheit erlangte das Tapen durch die Olympiade in Sydney im Jahr 2000, wo viele asiatische Sportler Tapes trugen. Und in den Folgejahren interessierten sich immer mehr Sport-Physiotherapeuten auf der ganzen Welt für das (Kinesio-)Tapen. Heute ist das Beherrschen dieser Methode quasi ein Muss für Therapeuten im Leistungssport.
In Europa haben zur Weiterentwicklung des Tapens vor allem Dr. med. Dieters SIELMANN – seit 2004 mit dem Medi-Taping – und Dr. Hans-Ulrich HECKER sowie Dr. Kay LIEBCHEN – seit 2005 mit dem Aku-Taping – beigetragen. 2008 begründete der Heilpraktiker Norbert LUTTER das Dolo-Taping. Während es beim Medi-Taping um konkrete Bänder- und Muskelfunktionen geht und beim Dolo-Taping um Schmerztherapie, wird beim Aku-Taping zusätzlich das Meridiansystem der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) mit in die Positionierung der Tapes einbezogen.

Material-Eigenschaften und Technik beim Tapen

Dr. Kenzo Kase selbst legte keinen besonderen Wert auf die Farbe der Tapes. Uns stehen aber heute Tapes in diversen Farben zur Verfügung. Vor allem üblich sind blau und pink-rot, daneben auch schwarz, hautfarben und grün. Manche Tape-Lehrer schreiben der Farbe blau eher eine entspannende und beruhigende Wirkung zu und der Farbe pink-rot eine wärmende, den Stoffwechsel steigernde (Bild 1). Andere halten die Auswahl der Farben für Nebensache.

 

 

Bild 1: Taping-Bänder in pink-rot und blau.
Bild 1: Taping-Bänder in pink-rot und blau.

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