Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 150 (September 2017)

Körperliche Aktivität und Herz-Lungen-Fitness bei Morbus-Bechterew-Patienten

Von Dr. Tom O’Dwyer,·Dr. Finbar O’Shea und·Prof. Dr. Fiona Wilson, Dublin, Irland

In den ASAS/EULAR-Empfehlungen1 zur Behandlung der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) wird eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsformen empfohlen. Zur nicht-medikamentösen Behandlung gehören vor allem Patientenschulung, tägliche Bewegungsübungen und Krankengymnastik. Die positiven Auswirkungen von Bewegungsübungen und Krankengymnastik auf die Krankheitsaktivität, die Beweglichkeit und das übrige Beschwerdebild wurden wissenschaftlich nachgewiesen.2
Zur „körperlichen Aktivität“ gehören alle durch Muskeln erzeugte Körperbewegungen, die zu einem Energieverbrauch führen, also auch Bewegungen bei der Arbeit im Freien, bei Transportarbeiten, bei häuslichen Aktivitäten und in der Freizeit.
Der gesundheitliche Nutzen körperlicher Aktivität ist vielfältig. In der Allgemeinbevölkerung reduziert körperliche Aktivität das Herz-Kreislauf-Risiko und die Risiken von Fettleibigkeit, Darm- und Brustkrebs, Typ-2-Diabetes und Osteoporose. Sie verbessert auch die Gesundheit des Bewegungsapparats und wirkt Depressionen entgegen.
Bei Morbus-Bechterew-Patienten wurde der Nutzen körperlicher Aktivität (also nicht nur von Bewegungsübungen) kaum untersucht.3 Fragebögen zur Ermittlung der körperlichen Aktivität führen zu widersprüchlichen Ergebnissen und sind von zweifelhaftem Nutzen. Wir haben deshalb eine Studie durchgeführt mit dem Ziel, erstens die körperliche Aktivität und die Herz-Lungen-Fitness von Morbus-Bechterew-Patienten zu messen und mit Gesunden zu vergleichen, und zweitens den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, Herz-Lungen-Funktion und Krankheitsverlauf zu untersuchen.

Untersuchungsmethode

In die Studie einbezogen wurden Morbus-Bechterew-Patienten im Alter zwischen 18 und 64 Jahren, die zwischen Mai 2013 und März 2014 in der St.-James-Klinik in Dublin behandelt wurden. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Herz-, Lungen- oder Nervenkrankheiten sowie Patienten mit einer Begleiterkrankung, welche die körperliche Aktivität einschränkt, oder mit Bein- oder Fuß-Verletzungen, Gehbehinderung, Epilepsie, geistiger Behinderung oder Schwangerschaft. Auch Patienten, die in den 6 Wochen vor der Untersuchung die medikamentöse Behandlung geändert hatten, wurden nicht in die Studie einbezogen. Die 39 einbezogenen Patienten waren im Mittel 40 Jahre alt und hatten im Mittel eine Krankheitsdauer (seit den ersten Beschwerden) von 16 Jahren.
Die Patienten wurden körperlich untersucht, füllten diverse Fragebögen (BASDAI usw.)4 aus und wurden unterwiesen, vor den Tests nicht zu rauchen, sich mit Essen und Trinken (einschließlich Alkohol und Koffein) zurückzuhalten und keine anstrengenden Übungen auszuführen.
Die gewohnheitsmäßige körperliche Aktivität wurde mit Hilfe eines tagsüber an der Hüfte getragenen Beschleunigungsmessers bestimmt, der Beschleunigungen in allen 3 Dimensionen misst. Aus den Aufzeichnungen wurde auch die in Aktionen von mindestens 10 Minuten Dauer verbrachte Zeit mit körperlicher Aktivität mittlerer oder kraftvoller Intensität errechnet, denn nur bei Aktionen dieser Dauer ist körperliche Aktivität von gesundheitlichem Nutzen.
Zur Bestimmung der Herz-Lungen-Fitness wurde die Atembreite und die Vitalkapazität (das maximale Ausatemvolumen)5 gemessen. Vor und nach dem Laufen auf einem Laufband wurde die Herzfrequenz und der Blutdruck gemessen sowie die maximale Sauerstoffaufnahme während des Laufs.

1) MBJ Nr. 103 S. 24, Nr. 113 S. 36–37, Nr. 121 S. 4, Nr. 123 S. 8–9, Nr. 147 S. 5– 6
2) MBJ Nr. 117 S. 16–17, Nr. 129 S. 10–12
3) Siehe dazu MBJ Nr. 140 S. 16–17, Nr. 142 S. 14–15, Nr. 146 S. 8–9.
4) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
5) MBJ Nr. 135 S. 12–13, DVMB-Schriftenreihe Heft 13

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