Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 151 (Dezember 2017)

Schlafstörungen bei axialer Spondyloarthritis

Von Shaaron Leverment,·Emily Clarke, Dr. Alison Wadeley und Dr. Raj Sengupta, Universität und Rheumaklinik in Bath, England

In Bezug auf Schmerzen, Behinderung, Lebensqualität und Therapiebedarf gibt es zwischen Morbus-Bechterew-Patienten und Menschen mit einer nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis  keine großen Unterschiede. Schmerzen und Wirbelsäulensteifheit schränken die Lebensqualität ein und führen auch zu schlechtem Schlaf. Eine Morbus-Bechterew-Vereinigung schrieb dazu: „Es ist nachts, wo der Morbus-Bechterew-Patient seine Krankheit am meisten fühlt und sich seines inneren Gefängnisses bewusst wird“.
Im Frühstadium der Krankheit beruhen die Schmerzen und die Steifheit auf Entzündungsprozessen, die mit der aktiven Krankheit verbunden sind. Das Aufwachen in frühen Morgenstunden ist das typische Unterscheidungs-Merkmal zwischen Entzündungsschmerzen und Kreuzschmerzen mechanischer Ursache.
Häufig gestörten Schlaf im Zusammenhang mit Schmerzen und erhöhter Krankheitsaktivität gibt es auch bei anderen chronisch-entzündlichen Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis und entzündlichen Darmkrankheiten. Für Morbus-Bechterew-Patienten hat guter Schlaf oberste Priorität. Um einen Überblick über die Häufigkeit, die Einflussfaktoren und die Behandlungsmöglichkeiten zu gewinnen, haben wir die wissenschaftliche Literatur nach Aussagen dazu durchsucht.

Häufigkeit von Schlafstörungen bei axialer Spondyloarthritis

Patienten mit einer axialen Spondyloarthritis haben häufiger Schlafprobleme als Gesunde. Patienten mit einer nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis1 haben größere Schlafprobleme und ein besseres Ansprechen auf entzündungshemmende Medikamente als Patienten mit einem etablierten Morbus-Bechterew.

Schlafqualität

ABDULAZIEZ und ASAAD berichteten 2012 auf Grund ihrer Beobachtungen im Schlaflabor, dass bei Morbus-Bechterew-Patienten der zeitliche Anteil mit leichtem Schlaf im Mittel größer und der zeitliche Anteil mit tiefem Schlaf kleiner ist als bei Gesunden und dass der Anteil der Schlaf-Zeit an der Zeit im Bett im Mittel kleiner ist als bei Gesunden. Sie berichteten auch, dass Morbus-Bechterew-Patienten im Vergleich zu Gesunden häufiger nachts die Beine periodisch bewegen, möglicherweise auf Grund eines unangenehmen Gefühls in den Beinen und Muskelverspannungen.
SOLAK u.a. berichteten 2009, dass 22% ihrer Patienten unter obstruktiver Schlafapnoe2 litten. Bei den Über-35-Jährigen waren es 40% und bei den jüngeren 6%. Die Gründe dafür sind noch nicht untersucht. In Frage kommen die eingeschränkte Beweglichkeit, die eingeschränkte Atembreite und weitere körperliche Veränderungen.3

Abhängigkeit vom Alter, Geschlecht und Bildungsgrad

Die Schlafstörungen nehmen mit zunehmendem Alter signifikant zu und das Ansprechen auf Therapien nimmt ab. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch bei Gesunden die Schlafqualität mit dem Alter abnimmt.
In einer Studie mit 70 Morbus-Bechterew-Patienten berichteten 81% der weiblichen Teilnehmer, aber nur 50% der männlichen Teilnehmer, dass sie nicht genug schlafen können. Weibliche Patienten hatten auch doppelt so häufig nächtliche Schmerzen. Ähnliche Unterschiede wurden auch in der Allgemeinbevölkerung gefunden, häufig im Zusammenhang mit Osteoporose, Depressionen oder Schlaganfällen. Die Häufigkeit schlechten Schlafs fällt mit zunehmender Ausbildungsdauer und steigt mit beruflichen Fehlzeiten.

Abhängigkeit vom Gesundheitszustand

In vielen Studien zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Krankheitsaktivität (gemessen mit dem BASDAI). Ein Zusammenhang mit Entzündungs-Laborwerten (Blutsenkung, CRP) ist dagegen weniger gut belegt, wahrscheinlich, weil Laborwerte die Krankheitsaktivität nicht gut wiederspiegeln.
Gestörter Schlaf hängt nach vielen Studien auch signifikant mit dem Ausmaß der Behinderung bei Alltagsverrichtungen (gemessen mit dem BASFI) zusammen. Nach anderen Studien ist dieser Zusammenhang weniger ausgeprägt, und es sind mehr die Beweglichkeitseinschränkungen (gemessen mit dem BASMI), die den Schlaf beeinträchtigen.
Auch Schmerzen beeinträchtigen den Schlaf erheblich und steigern auch den Bedarf an Schlafmitteln. Die Patienten sehen in Schmerzen den wichtigsten Einflussfaktor auf die Schlafqualität. Allerdings war die Schmerzlinderung durch Balneotherapie und Bewegungsübungen nicht immer signifikant mit besserem Schlaf verbunden. Schlafmangel scheint die Wirkung von Schmerzmitteln zu mindern. Es ist deshalb für die Patienten wichtig, sich die Rolle eines erfrischenden Schlafs bei der Schmerzbewältigung klarzumachen und sich genügend Schlaf zu gönnen.

Psychologische Einflüsse: Lebensqualität, Depression und Ängste

Auch psychische Faktoren wie Depressionen und Ängste können bei Patienten mit einer axialen Spondyloarthritis zu einer verminderten Schlafqualität führen (Bild 1), wobei berücksichtigt werden muss, dass guter Schlaf selbst ein Teil der Lebensqualität ist. In einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2000 gaben 17% der Morbus-Bechterew-Patienten an, dass psycho-soziale Faktoren den Schlaf am meisten beeinträchtigen.

Wirksamkeit von Medikamenten

Nach mehreren Studien wird durch TNF-alpha-blockieren-de Medikamente auch die Schlafqualität verbessert. Eine Studie kam allerdings zu dem Schluss, dass nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die Schlafqualität wirksamer verbessern als TNF-Blocker. Die Wechselwirkung zwischen dem Zytokin (Botenstoff) TNF-alpha, dem Immunsystem und dem Schlaf scheint kompliziert zu sein. Bei Untersuchungen zur Schlafqualität muss immer auch der Medikamentengebrauch berücksichtigt werden.

Bewegungsübungen

Zwei der erfassten Studien befassten sich auch mit dem Einfluss von Bewegungsübungen auf die Schlafqualität. Türkische Forscher fanden, dass sowohl Bewegungsübungen zuhause als auch Physiotherapie in der Gruppe die Schlafqualität signifikant verbessern, mit einer noch besseren Wirksamkeit der Gruppentherapie. Dass Bewegungsübungen beim Morbus Bechterew die Schmerzen lindern, ist schon oft festgestellt worden.4 Auch die Krankheitsaktivität (BASDAI), die Behinderung (BASFI), die Beweglichkeit (BASMI) und die Morgensteifigkeit werden durch Bewegungsübungen gebessert.

Schlussfolgerungen

Gestörter Schlaf ist ein vielfältiges, häufiges und wichtiges Problem bei der axialen Spondyloarthritis. Schlechter Schlaf wirkt sich negativ auf die Krankheitsprozesse aus. Eine Kombination aus physikalischen, psychologischen und pharmakologischen Methoden ist geeignet, diesen Teufelskreis aufzubrechen und die Lebensqualität der Patienten entscheidend zu verbessern.

Anschrift des letztgenannten Verfassers:
Royal National Hospital for Rheumatic Diseases Upper Borough Walls, Bath BA1 1RL, UK
Quelle: Gekürzte patientengemäße Überarbeitung eines in Rheumatology International Band 37 (2017) S. 257–271 erschienenen Artikels (dort mit ausführlichem Literaturverzeichnis

1) MBJ Nr. 117 S. 4–6, Nr. 129 S. 36–37, Nr. 130 S. 6, Nr. 131 S. 4–6, Nr. 132 S. 5–6, Nr. 137 S. 12 und S. 22–23, Nr. 139 S. 23
2) Atemstillstand auf Grund eines vorübergehenden Hindernisses im Atemweg während des Schlafs, siehe MBJ Nr. 119 S. 21–22, Nr. 120 S. 47, Nr. 121 S. 53, Nr. 124 S. 5–6, Nr. 131 S. 14–15
3) In Frage kommt auch eine ungünstige Halshaltung während des Schlafs, Anmerkung der Redaktion.
4) MBJ Nr. 114 S. 20–21, Nr. 115 S. 4–5, Nr. 128 S. 10, Nr. 129 S. 10–12, Nr. 140 S. 18–20