Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 152 (März 2018)

Nahrungsmittel-Steckbrief „Basilikum“

Dr. med. Gudrun Lind-Albrecht, RHIO Düsseldorf, Mitglied der MBJ-Redaktion

Es gibt nur wenige Kräuter, zu denen von alters her dermaßen widersprüchliche Bewertungen existieren, wie es beim Basilikum der Fall ist.
Im Mittelalter glaubte man in einigen Regionen, Basilikum schütze vor dem Stich durch Skorpione; in anderen Regionen glaubte man, Skorpione würden geradezu angelockt durch Basilikum und außerdem sorge Basilikum für eine schnelle Verbreitung von Syphilis.
In Indien galt Basilikum von jeher als heilige Pflanze. Im alten Rom wurde es dagegen auch als Symbol des Hasses angesehen. In Rumänien und Bulgarien wiederum galt Basilikum als „liebesbringende“ Pflanze und man glaubte auch, damit Böses abwehren zu können. In der orthodoxen Kirche werden noch heutzutage Basilikumsträußchen in Weihwasser getunkt und damit werden am 6. Januar (Epiphanias) die Wohnungen gesegnet.
Um die Widersprüche komplett zu machen, sei hier noch erwähnt, dass in den letzten Jahren immer wieder von einer krebserregenden Wirkung des Basilikums bei Einnahme in höherer Dosis gesprochen wurde.

Botanik, Herkunft und Verbreitung

Zur Gattung Basilikum zählen etwa 60 verschiedene Arten. Der botanische Name für Basilikum lautet Ocimen basilikós, vom griechischen „Okimon“ abgeleitet (ozein = riechen, duften) sowie von „basilikós“ (= königlich), also ist Basilikum sinngemäß das „königlich Duftende“.
Volkstümliche Namen aus unserer Region sind: Königskraut, Königsbalsam, Pfefferkraut, Josefskräutlein, Krampfkräutl, Hirnkraut.
Die sehr frostempfindliche Pflanze wächst bei guten Boden- und Klima-Bedingungen zu einem kleinen Busch heran, der bis zu 80 cm hoch werden kann. Bei regelmäßigem Rückschnitt verholzen die grünen Stängel und die Pflanze wird besonders kräftig. Verwendet werden die je nach Sorte dunkelgrünen oder auch grünviolett schimmernden Blätter. Die kleinen weißen oder rötlichen Blüten werden am besten frühzeitig entfernt, um den Wuchs zu fördern.
Bereits vor mehr als 4000 Jahren kultivierte man in Indien das als „Tulsi“ (heilig, unvergleichlich) bezeichnete oder auch „Arjaka“ genannte „kleine Basilikum“ (Ocimen tenuiflorum, Ocimen sanctum). Dieses wurde sowohl in der Küche als auch rituell als auch in der ayurvedischen Heilkunde verwandt. Grabfunde aus der Zeit um 3500 v. Chr. belegen die Verwendung in Ägypten. Seit dieser Zeit war es auch im gesamten Mittelmeerraum verbreitet und ein sehr beliebtes Würzkraut. Offenbar erst im 12. Jahrhundert tauchen einzelne Basilikum-Arten in Mitteleuropa auf.
Die bei uns bekanntesten Arten sind „Großes Grünes“ (gerne für das italienische Nationalgericht „Caprese“ aus San-Marzano-Tomaten und Büffelmozzarella verwandt) und „Genoveser“ (Grundlage für die Zubereitung von Pesto Genovese) und haben einen pikanten, leicht-scharfen bis pfeffrigen Geschmack. Weniger bekannt sind die rotblättrigen Arten „Dark Opal“ oder „Moulin Rouge“.
Die regional und kontinental unterschiedlichen Arten zeigen variierende Färbung und Form der Blätter sowie Geschmacksnuancen und haben teils einen deutlich höheren Gehalt an ätherischen Ölen, z.B. das afrikanische Basilikum (Ocimen kilimandscharicum) oder die Thai-Basilikum-Arten (Horapa mit süßlichem Aroma, Krapao, Maenglak mit Zitronen-Aroma). Der bei uns in den letzten Jahren auch als Superfood angepriesene Tulsi-Tee beinhaltet getrocknetes indisches Basilikum.

Medizinische Verwendung

In der indischen Heilkunde (Ayurveda) wurde und wird Basilikum gerne als Tee oder in Ölen eingesetzt, und zwar gegen Asthma, bei Erkältungen, zur Stärkung der Abwehr, gegen Arthritis sowie zur Verbesserung der Stimmung bei Depressionen oder Angststörungen.
Der Begründer der wissenschaftlichen europäischen Heilkunde, HIPPOKRATES (460–377 v. Chr.) zählt Basilikum bereits zu den Heilkräutern. Der griechische Arzt DIOSKURIDES (um 50 n. Chr.) nimmt es in seinem Werk „de materia medica“ ebenfalls in die Gruppe von 200 Heilpflanzen auf. PLINIUS der Ältere (23–79 n. Chr.) warnte vor ungünstigen Wirkungen des Basilikums auf den Magen, den Darm und die Augen.
HILDEGARD VON BINGEN (1098–1179) empfahl Basilikum gegen fieberhafte Infekte, Darmerkrankungen, zur Verbesserung der Milchbildung bei stillenden Müttern sowie bei Sprachstörungen.
Pfarrer SEBASTIAN KNEIPP setzte es gegen Magenkrämpfe, Darmentzündungen, Blähungen und Verstopfung ein.
In Uganda wurde ein Malariaschutzprogramm entwickelt, bei dem in und um die Häuser Basilikum und Eukalyptus verteilt werden, um die Mücken abzuhalten.
In der traditionellen Volksmedizin wird Basilikum gegen Insektenstiche, zur Verbesserung der Wundheilung, gegen Hautunreinheiten, gegen Haarausfall oder brüchiges Haar, gegen Juckreiz, Pilzerkrankungen, gegen Mundgeruch, besonders auch gegen Paradontose bzw. Plaquebildung auf den Zähnen angewandt, sowie gegen Migräne, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Bei Erkältungen und Husten soll ein Teeaufguss aus Basilikumblättern helfen.
In der Mittelmeer-Region wird es auch traditionell gegen Appetitlosigkeit, gegen Verdauungsprobleme und vor allem auch gegen Blähungen sowie gegen Wurmerkrankungen des Darms und zur Vorbeugung gegen Magengeschwüre empfohlen.
Basilikum ist reich an Vitamin A, Beta-Carotin, Vitamin K, Calcium, Magnesium, ätherischen Ölen und sekundären Pflanzenstoffen (Flavonoiden).
Der Gehalt an Estragol und Eugenol soll offenbar der Grund sein, warum Basilikum in hoher Dosis im Tierversuch das Erbgut schädigen konnte und das Krebsrisiko erhöhte. Solange man aber Basilikum nicht permanent in „rauen Mengen“ verzehrt, gibt es keine gesundheitlichen Bedenken.

Warum ist Basilikum gerade für Menschen mit Morbus Bechterew / Spondyloarthritis so wertvoll?
  1. Basilikum hat eine direkte antientzündliche Wirkung, die sich sowohl auf den Bewegungsapparat als auch auf den Darm bezieht, und zwar über den Gehalt an E-Beta-Caryophyllen (E-BCP). Diese zur Gruppe der Sesquiterpene gehörende Substanz konnte in einer an den Universitäten Bonn und Zürich durchgeführten Studie die Arthritis an Rattenpfoten in 70% der Fälle zur Abschwellung bringen. (E-BCP ist übrigens auch in andern Mittelmeerkräutern enthalten, z.B. im Oregano.) Darüber hinaus hat E-BCP eine schmerzlindernde Wirkung, durch Stimulation der so genannten Cannabinoid-Rezeptoren, und zwar der CB2-Rezeptoren; d.h. es hat nicht die berauschende Wirkung wie Cannabis, bietet aber zu einem geringen Teil eine Cannabisartige schmerzlindernde Wirkung.
  2. Basilikum kann zusätzlich ähnlich wie ein NSAR helfen, die Entzündung zu verringern, und zwar über den Gehalt an Eugenol. Dieses wirkt wie ein sehr sanfter COX-Hemmer, d.h. Enzyme, welche Entzündungsbefehle umsetzen sollen, werden gebremst.
  3. Basilikum ist antioxidativ wirksam durch seinen Gehalt an Vitamin A, Beta-Carotin sowie Flavonoiden. Es kann helfen, freie Radikale zu neutralisieren und damit die Unterhaltung oder Anfeuerung bereits laufender Entzündungen zu verhindern.
  4. Basilikum hilft bei der Abwehr gegen Infekte. In experimentellen Studien wurde gezeigt, dass die Kombination aus den Flavonoiden und den ätherischen Ölen des Basilikums das Wachstum von folgenden Bakterien hemmt: Listerien, Yersinien, Pseudomonas, E. coli, Staphylokokkus aureus. Gerade Yersinien-Infektionen im Magendarm-Trakt sind häufige Trigger (Antreiber) von entzündlichen Schüben bei Morbus Bechterew/Spondyloarthritis.
  5. Basilikum kann – offenbar durch den hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen und ätherischen Ölen – helfen, den Cholesterinspiegel und damit das Arteriosklerose-Risiko zu vermindern.
  6. Basilikum kann helfen, vor Osteoporose zu schützen. Der hohe Gehalt an Kalzium und Vitamin K ist hier als wesentlicher Grund zu sehen, aber auch beim oben erwähnten E-BCP wird ein spezifischer Anti-Osteoporose-Effekt vermutet.

Achtung: aufgrund des hohen Vitamin-K-Gehaltes müssen Menschen, die bestimmte Blutverdünner (so genannte Vitamin-K-Antagonisten wie z.B. Marcumar) einnehmen, mit dem Verzehr von Basilikum zurückhaltend sein.

Ernte / Einkauf, Lagerung und Anwendung

Basilikumsträußchen oder Basilikum in Töpfen sollte man als Bio-Ware kaufen. Wenn man etwas länger davon profitieren will und das Basilikum im Topf nicht als kurze Abernte- und Wegwerf-Ware ansieht, kann man die fast immer zu dicht gesetzten Pflanzenstängel ausdünnen. Z.B. kann man
die Pflänzchen eines Topfs auf 4 Töpfe verteilen, an einen sonnigen Platz stellen (von Mai bis September durchaus draußen, danach aber im Haus), gleichmäßig feucht, aber nicht zu feucht halten (vor Schnecken schützen!), und hat damit eine langlebige Basilikum-Quelle vor Ort.
Bei der kulinarischen Verwendung, wie im Caprese-Salat, sollen die Blätter immer ganz frisch verwendet werden und – zumindest was das bei uns gebräuchliche grüne Basilikum betrifft – nicht mitgekocht oder gebacken/gebraten werden (das violette Thai-Basilikum wird gerne mitgekocht). Basilikumblätter werden – als Ganzes oder mit einem scharfen Messer in Streifen geschnitten – immer erst kurz vor dem Servieren auf Salate oder Gemüsespeisen verteilt. Oder sie werden bei Tisch als Pesto Genovese auf die fertigen Spaghetti gegeben.
Man kann sich, z.B. gegen Erkältungen oder gegen Parodontose, auch einen frischen Tee-Aufguss machen (1 Teelöffel klein geschnittene Basilikumblätter auf 1 Tasse kochend heißes Wasser, 5 Minuten ziehen lassen) und 2–3x täglich 1 Tasse davon trinken. Oder man übergießt einige Blätter Basilikum mit heißem Wasser als abendlichen Trunk zur Verbesserung des Nachtschlafs.
Gegen eine regelmäßige Verwendung als Gewürz oder auch als Abendtrunk gibt es keine Bedenken, aber eine allzu reichliche tägliche Verwendung vor allem der asiatischen Arten mit höherem Gehalt an ätherischen Ölen sollte vorsichtshalber unterbleiben.

Caprese-Salat – mal anders
Caprese-Salat – mal anders