FAQ

Häufig gestellte Fragen zu Morbus Bechterew

Was tun, wenn die Krankheit die sexuelle Lust beeinträchtigt?

Der Morbus Bechterew beeinträchtigt den normalen Geschlechtsverkehr im allgemeinen nur wenig. Schmerzen und Steifheit begrenzen zwar die Möglichkeiten bei vielen Patienten, so dass sie Positionen vermeiden, die den Rücken besonders belasten. Dies schränkt aber die Variationsmöglichkeit insgesamt kaum ein. Größere Probleme können sich einstellen, wenn Gelenke der Arme oder Beine stark mitbetroffen sind, insbesondere die Hüftgelenke. Eine Hüftgelenks-Operation bringt dann nicht nur für die Alltagsbewegungen eine wesentliche Erleichterung, sondern auch für sexuelle Aktivitäten.

Wie weit die mit der Krankheit verbundenen Schmerzen, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit die sexuelle Lust beeinflussen, hängt stark von seelischen Einflüssen (Selbstbewusstsein, Vertrauen zwischen den Partnern) ab. Hier sollten der Patient und sein Partner den Mut nicht verlieren und durch Experimentieren und Erfahrungen die individuelle Lösung finden. Offenheit und Unvoreingenommenheit auf beiden Seiten sind dabei von entscheidender Bedeutung.

Eine Schwangerschaft bedeutet bei Frauen mit Morbus Bechterew kein besonderes Risiko für Mutter und Kind. Im Gegensatz zur chronischen Polyarthritis gehen beim Morbus Bechterew die Beschwerden während der Schwangerschaft nur selten zurück, sie verschlechtern sich aber auch nur selten. Eine wesentliche Besserung während der Schwangerschaft wird oft beobachtet bei Patientinnen, bei denen auch Gelenke außerhalb der Körperachse entzündet sind oder bei denen der Morbus Bechterew mit einer anderen Krankheit (Schuppenflechte der Haut oder entzündliche Darmerkrankung) verknüpft ist.

Der Morbus Bechterew beeinträchtigt die  Fruchtbarkeit nicht und erhöht auch nicht die Tendenz zu einer Fehl- oder Frühgeburt. Im Allgemeinen kommen die Kinder auf normalem Wege zur Welt. Nur wenn die Hüftgelenke oder die Beckenknochen zu unbeweglich sind, kann ein  Kaiserschnitt notwendig sein. Frauenarzt und Geburtshelfer sollten aber in jedem Fall von vornherein über Ihre besonderen Probleme informiert sein.

Die Medikamentendosis sollte während der Schwangerschaft und  Stillzeit so gering wie irgend möglich gehalten werden, und es sollte nur ein Medikament eingenommen werden, dessen Unschädlichkeit für das Baby dokumentiert ist. Wenn einer der Partner mit einem Langzeit-Antirheumatikum behandelt wird, ist es wichtig, dass schon der Kinderwunsch rechtzeitig mit dem Arzt besprochen wird und das Medikament in genügendem Zeitabstand vor Eintritt der Schwangerschaft abgesetzt wird. Die regelmäßige Behandlung mit antirheumatischen Medikamenten muss 4 bis 8 Wochen vor dem Geburtstermin abgebrochen werden, da die Mittel die Wehentätigkeit hemmen, zu größeren Blutverlusten bei der Geburt führen können und auch dem Neugeborenen nicht zuträglich sind. Die meisten Antirheumatika können auch von stillenden Müttern eingenommen werden.

In Fragen zu diesem Themenkreis berät Sie das Zentrum für Mütterberatung und Familienplanung bei Rheuma-Erkrankungen (Frau Prof. Dr. Monika Østensen, Inselspital Bern).

Müdigkeit ist ein weitverbreitetes Problem beim Morbus Bechterew, das rund 65 Prozent der Betroffenen betrifft und die Lebensqualität sehr beeinträchtigt. Sie kann nicht nur aufgrund der Krankheitsaktivität, sondern auch als Folge einer Zusatz-Erkrankung, einer Medikamenten-Nebenwirkung, von Schlafstörungen oder als Folge einer Depression auftreten. Es ist deshalb wichtig, zu ermitteln, was im konkreten Fall zur Müdigkeit beiträgt, und nach entsprechender Abhilfe zu suchen.

Es gibt Hinweise darauf, dass regelmäßige körperliche Aktivität und ein Rehabilitationsaufenthalt die Müdigkeit reduzieren kann. Da der Morbus Bechterew auch mit einer obstruktiven Schlaf-Apnoe (vorübergehender Atemstillstand während des Schlafs) verbunden sein kann, kann eine entsprechende Behandlung in diesem Fall wirksam helfen. Nach jüngsten Forschungsergebnissen ist die Schlaf-Apnoe besonders häufig bei Morbus-Bechterew-Patienten, die älter als 35 Jahre sind und eine Krankheitsdauer von mehr als 5 Jahren hinter sich haben. Liegt der Müdigkeit eine Depression zugrunde, sorgen Therapieverfahren wie die kognitive Verhaltens-Therapie (eine Verhaltenstherapie, bei der die Einstellungen, Gedanken und Überzeugungen im Mittelpunkt stehen) für neuen Lebensmut und guten Schlaf.

All diese Erkenntnisse zum Thema Müdigkeit können wir folgendermaßen zusammenfassen:

  • Überprüfung der Medikamente auf Schlaf-Nebenwirkungen und evtl. Absetzen, Dosis-Reduzierung oder Verschreibung einer Alternative
  • Suche nach einer den Schlaf störenden Zusatzerkrankung (z.B. Schlaf-Apnoe) und Behandlung dieser Krankheit
  • Untersuchung der Schlafqualität, Suche nach Umgebungs- und Lebensstil-Faktoren, die die Schlafqualität beeinträchtigen, Behandlung durch kognitive Verhaltens-Therapie und evtl. Medikamente
  • Überprüfung auf Depressionen und Ängste, evtl. Behandlung mit kognitiver Verhaltens-Therapie, Medikamenten oder einer Anti-Stress-Therapie
  • Überweisung an soziale Dienste oder Patientengruppen zu Verbesserung von Stimmungs-Störungen
  • Falls der Schlaf durch Schmerzen beeinträchtigt ist, physikalische Therapie, Ergotherapie oder Schmerztherapie, z. B. transkutane elektrische Nervenstimulation
  • Verschreibung verfügbarer Medikamente gegen Schmerzen, Depressionen, Ängste oder Schlaflosigkeit
  • Regelmäßige Bewegungsübungen (wenn die Schwerkraft dem Patienten Probleme bereitet, evtl. in warmem Wasser)
  • Anmerkung der Redaktion: Auch ein ständiger Vitamin-D-Mangel kann Ursache einer chronischen Müdigkeit sein

Bleiben Sie aktiv! Regelmäßige Bewegungsübungen sind nicht nur wichtig für das körperliche Wohlbefinden, sondern helfen auch, Stress-Situationen abzumildern und das seelische Wohlbefinden zu fördern. Die wöchentliche Morbus Bechterew-Gymnastik in einer der ca. 400 örtlichen Gruppen der DVMB hat darüber hinaus noch weitere Effekte: Sie ermöglicht den Aufbau positiver Beziehungen zu anderen Patienten, fördert den Erfahrungsaustausch und öffnet so Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben.

Selbsthilfe macht stark! Eine jüngst erschienene Cochrane-Analyse (systematische Therapie-Bewertung durch ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Ärzten) zur Physiotherapie beim Morbus Bechterew belegt, dass sowohl Bewegungsübungen zuhause als auch fachlich geleitete Gruppentherapie die Beweglichkeit verbessern, dass das allgemeine Wohlbefinden jedoch nur bei Teilnehmern an der Gruppentherapie signifikant verbessert wird.