Hinweise zur Impfung gegen COVID-19 für Rheuma-Betroffene

Die Immunsuppression sollte zum Zeitpunkt der Impfung so gering wie möglich sein. Allerdings sollen Betroffene auf keinen Fall für die Impfung ihre Basistherapie absetzen oder verändern. Als Ausnahme gilt die Gabe von Substanzen, die langanhaltend wirksam die Immunantwort der B-Zellen stören, also Rituximab. Für Betroffene, die diesen Wirkstoff bekommen, sollte der Rheumatologe gemeinsam mit dem Betroffenen über eine Therapiepause oder eine Umstellung auf alternative Therapien erwägen.

Laut Zulassung soll die Impfung zweimal im Abstand von vier Wochen erfolgen. Wenn das Immunsystem von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und mit entsprechender Therapie nicht ausreichend reagiert, muss eine Auffrischung gegebenenfalls früher erfolgen. Dazu werden Daten laufender Impfstudien und -beobachtungen kontinuierlich ausgewertet.

Unabhängig vom Coronavirus sollten Betroffene sich gegen Pneumokokken (bestimmte Erreger schwerer Lungenentzündungen) und Influenza-Grippe impfen lassen. Es gibt Hinweise, dass Menschen mit Grippeschutzimpfung sich seltener mit SARS-CoV-2 infizieren.

Weitere Informationen zur Impfung gegen COVID-19 haben wir für Sie in diesem Artikel zusammengefasst: Impfstoff gegen Corona: Hinweis für Rheuma-Betroffene

Gehöre ich als Betroffener zur Risikogruppe?

Die Erkrankung Morbus Bechterew an sich führt gemäß heutiger Datenlage nicht zu einem erhöhten Covid-19-Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko. Dennoch gehören Morbus Bechterew-Betroffene zur Risikogruppe. Wer ist besonders gefährdet für einen schweren Verlauf?

  • Schwere Krankheitsverläufe treten häufiger ab einem Alter von 50 bis 60  Jahren auf, dabei steigt das Risiko mit dem Lebensalter stetig an.
  • Nach bisheriger Einschätzung des Robert Koch-Instituts haben Patienten mit Autoimmunerkrankungen, z. B. entzündlichem Rheuma, oftmals ein geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie Kortison) und unterliegen daher generell erst einmal einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie weist aber darauf hin, dass die bisherigen Erkenntnisse aus Studien zu COVID-19 nahelegen, dass der Verlauf der COVID-19-Erkrankung bei Rheuma-Patienten nicht schwerer zu sein scheint als bei der Allgemeinbevölkerung. Aufgrund der vergleichsweise geringen Zahl der Erkrankungen können die bisher verfügbaren Daten aber noch keine belastbaren Erkenntnisse liefern.
  • Raucherinnen und Raucher haben ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf.
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, vor allem bei Erkrankungen des Herzens, der Lunge, der Niere, bei chronischen Lebererkrankungen, hoher Blutdruck, Diabetes, wahrscheinlich auch starkes Übergewicht und Krebs haben ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf. Bei Zusammentreffen von Grunderkrankungen und höherem Alter erhöht sich das Risiko weiter.

 

Welchen Stellenwert hat die Therapie entzündlicher Rheumaerkrankungen?

  • Bei Zeichen einer Infektion sollten Menschen mit erhöhtem Risiko frühzeitig telefonisch mit dem Hausarzt Kontakt aufnehmen, nicht direkt in die Praxis gehen.
  • Immunsuppressiva (z.B. Kortison, Methotrexat, Biologika, JAK-Inhibitoren) sollten keinesfalls ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie warnt ausdrücklich vor dem eigenmächtigen Absetzen der Therapie. Eine aktive, unbehandelte entzündliche Rheumaerkrankung ist in der Regel gefährlicher für eine Ansteckung mit einer Viruserkrankung als ein mit immunsuppressiven Medikamenten gut eingestelltes entzündliches Rheuma. Würde nach dem Absetzen ein Schub erfolgen, könnte sogar eine Erhöhung der immunsuppressiven Therapie und insbesondere der Kortisondosis nötig werden, was das Immunsystem ungünstig beeinflusst.
  • Sollte eine Infektion bei Betroffenen mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen festgestellt werden, nehmen Sie telefonisch Kontakt mit dem Rheumatologen auf, um zu besprechen, wie die Therapie verändert werden muss, etwa wenn eine Corona-Infektion mit absehbar schwerem Verlauf vorliegt.
  • Rheumapatienten, die über längere Zeit (z.B. mehr als einen Monat) Kortison einnehmen, verlieren die Fähigkeit, auf eine Stress-Situation wie eine Infektion mit dem Corona-Virus ausreichend zu antworten. Dies gilt insbesondere, wenn Fieber, eines der wichtigsten Symptome der Corona-Infektion, auftritt. Die Nebennierenrinde ist durch die lange Kortison-Therapie ruhiggestellt. Sie kann nicht ausreichend durch Produktion von Kortisol reagieren, das kann gefährlich werden. Diese Patienten brauchen dringend den Rat ihres Rheumatologen oder den Rat eines Endokrinologen (Hormonspezialist). Auf keinen Fall darf das Kortison ohne Rücksprache abgesetzt werden.

Welche Informationen sind für Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung noch wichtig?

  • Grundsätzlich ist für ältere Menschen und für Betroffene von Autoimmunerkrankungen ein umfassender Impfschutz von hoher Bedeutung, um beispielsweise das Risiko für Influenza- und Pneumokokken-Infektionen (Lungenentzündung) zu reduzieren.
  • Wegen der Corona Virus-Pandemie können Heilmittel-Therapien derzeit für einen längeren Zeitraum als gewöhnlich unterbrochen werden. Bislang durften vom Arzt verordnete Therapien maximal 14 Tage unterbrochen werden und zwischen Verordnung und Therapiebeginn maximal 14 Tage liegen. Diese Fristen sollen derzeit nicht mehr geprüft werden, empfehlen die Krankenkassenverbände auf Bundesebene. Die Empfehlung gilt vorerst bis zum 30. Juni 2020.

Die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew hält Besonnenheit im Umgang mit der Verbreitung des Virus SARS-CoV-2 für wichtig und stellt Informationen für Betroffene bereit, die helfen sollen, das Geschehen und eine mögliche individuelle Gefahr einzuschätzen. Dabei orientiert sie sich an den Informationen der öffentlichen Stellen (Robert Koch-Institut, Bundesministerium für Gesundheit, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung).

Neben einer individuellen Gefährdung entsteht durch eine ungebremste Verbreitung des Virus vor allem die Gefahr, dass das Gesundheitssystem überlastet wird und die Versorgung der Kranken nicht in ausreichendem Maße erfolgt. Die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew unterstützt daher alle Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, die Verbreitung des Virus zu begrenzen. Davon profitieren in besonderer Weise die Menschen, die ein Risiko für schwerere Verläufe der Erkrankung haben; dazu gehören auch viele Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

 

 


Bewegung in Covid-19-Zeiten

Gruppenveranstaltungen, zu denen auch unsere Wasser-und Trockengymnastik zählt, sind derzeit aus gutem Grund eingestellt. In einigen örtlichen Gruppen wird, je nach Vorgabe der Länder, langsam wieder mit der Therapie begonnen. Sollte das bei Ihnen noch nicht der Fall sein so ist das kein Grund, sich für die nächsten Wochen auf dem Sofa niederzulassen. Kein Betroffener soll und muss auf die für uns notwendige tägliche Bewegung verzichten. Wer sich - alleine! - an der frischen Luft bewegt, stärkt das Immunsystem und baut Stress ab. Fahren Sie Fahrrad, drehen Ihre Nordic-Walking Runde oder genießen Sie den jungen Frühling bei einem ausgiebigen Spaziergang.

Auch für diejenigen, die sich zuhause nicht auf schwungvolles Staubsaugen, Putzen oder Bügeln beschränken wollen, haben wir wertvolle Tipps: Nutzen Sie zum einen unseren bewährten Gymnastik-Kalender mit seinem abwechslungsreichen 4 Wochenprogramm. Vielfältige Vorschläge und Anregungen zu Bechterew-gerechten Bewegungsübungen haben wir zudem für Sie auf unserem Youtube-Kanal zusammengestellt. Bauen Sie doch die leicht erlernbaren Übungen - in unterschiedlichster Länge und Schwierigkeitsgraden - täglich in Ihr häusliches Bewegungsprogramm ein.

Bleiben Sie uns gesund.

Hier finden Sie beispielhaft eine der Übungen, die wir für Sie auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht haben.

Die Schweizerische Vereinigung Morbus Bechterew bietet mit Rheumafit eine Plattform an, die kostenlos Bechterew-Übungsprogramme für zu Hause zur Verfügung stellt.


Mithilfe von Rheuma-Patienten beim Aufbau eines COVID-19-Registers benötigt

COVID-19 ist noch nicht lange bekannt. Deshalb bestehen bisher noch große Wissenslücken, die angesichts der schweren Verläufe von COVID-19 schnell geschlossen werden müssen.

Für Rheuma-Patienten ist es besonders wichtig zu wissen, ob die Medikamente zur Behandlung ihrer Erkrankung, die das Immunsystem unterdrücken, ein höheres Risiko für eine Corona-Infektion oder für einen schwereren Verlauf darstellen. Klinische Studien sind jedoch aufwendig und benötigen Zeit. Deshalb hat die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) jetzt ein Register aufgesetzt, das im Hinblick auf COVID-19 speziell rheumarelevante Informationen zusammentragen soll.

Das Ziel: Rheumatologen bei der Einschätzung und Behandlung von Rheuma-Patienten zu unterstützen.

Die DGRh bittet deshalb Rheuma-Patienten, die positiv auf das Corona Virus SARS-CoV-2 getestet worden sind, telefonisch mit der DGRh unter 0641 94889968 Kontakt aufzunehmen. Innerhalb von 24 Stunden erfolgt ein Rückruf der DGRh, und der Verlauf der COVID-19 Erkrankung wird dann für das Register erfasst.

 

Die bereits im COVID-19-Register der DGRh erfassten Daten können Sie hier einsehen.


Worauf achten bei Bluthochdruck?

Viele Menschen mit Bluthochdruck oder einer Herzerkrankung befürchten, bei einer Coronavirus-Infektion ein erhöhtes Komplikationsrisiko zu haben. Manche fragen sich auch, ob sie ihre Medikamente - etwa ACE-Hemmer oder Sartane - weiter einnehmen sollen.

 

Eine Zusammenfassung der Informationen von Wissenschaft und medizinischen Fachgesellschaften können Sie auf der verlinkten Seite einsehen.