Für das Alter rechtzeitig planen!

Von Rechtsanwältin Meike Schoeler, Justitiarin der DVMB, Fritzlar

Grundsätzlich lohnt es sich für jeden Erwerbstätigen, frühzeitig über die Finanzierung des Ruhestands nachzudenken und die Weichen rechtzeitig zu stellen. Insbesondere sollten alle, die unter einer chronischen Erkrankung, wie z.B. dem Morbus Bechterew, leiden, sich mit dem Thema rechtzeitig beschäftigen. Mit einer chronischen Krankheit sich lebenslang arrangieren zu müssen, stellt schon eine Herausforderung dar. Umso besser, wenn man sich das Leben unter Umständen durch einen früheren Rentenbeginn und gute finanzielle Absicherung etwas leichter machen kann.

Allgemein bekannt ist die Möglichkeit, wenn alle Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, das Arbeiten aber immer schwerer fällt, eine Rente wegen Erwerbsminderung zu beantragen. Das ist in jedem Lebensalter möglich. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Wartezeit von mindestens 5 Jahren bei der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt ist. Diese Rente kann als teilweise Erwerbsminderungsrente oder als volle Erwerbsminderungsrente gezahlt werden, je nachdem, wie weit die tägliche Arbeitszeit aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt ist. Diese Rente ist jedoch mit hohen Abschlägen verbunden, die bis zu 10,8% der Rente betragen können. Und es kommt noch schlimmer: Diese Abschläge gelten für die gesamte Lebenszeit! Auch die reguläre Altersrente mindert sich dadurch in gleicher Höhe!

Dass es für schwerbehinderte Menschen die Möglichkeit gibt, abschlagsfrei in die Altersrente zu gehen, ist vielen nicht bewusst. Menschen mit einer Schwerbehinderung kön­nen bereits 2 Jahre vor der allgemeinen Regelaltersgrenze eine Altersrente wegen Schwerbehinderung beziehen, und dies in voller Höhe, also abschlagsfrei.

Darüber hinaus können schwerbehinderte Menschen auch bis zu 5 Jahre vor Beginn der regulären Altersrente eine vor­gezogene Altersrente wegen Schwerbehinderung in Anspruch nehmen. Dann fallen allerdings Abschläge an und diese Abschläge mindern die Rente teils deutlich.

Altersrente bei Schwerbehinderung: Das Wichtigste in Kürze

Um als schwerbehinderter Versicherter früher in Rente gehen zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Man muss schwerbehindert sein, es muss also ein vom Versorgungsamt anerkannter Grad der Behinderung von mindestens 50 vorliegen. Zuständig sind die Versorgungsämter der einzelnen Bundesländer. Welches Versorgungsamt zuständig ist, findet man unter:

http://schwerbehindertenausweis.biz/versorgungsamt-suche/

  • Mindestens 35 Versicherungsjahre müssen erfüllt sein. Ob diese Wartezeit erfüllt ist, ergibt sich aus den jährlich von der deutschen Rentenversicherung übersandten Versicherungsinformationen. Ein genauerer Blick auf dieses Schrei­ben lohnt sich, denn daraus ergeben sich nicht nur die bisher erworbenen Rentenansprüche, sondern auch die Höhe der einzelnen Renten und ob und in welcher Höhe zur Rente hinzuverdient werden darf.

Beratung wichtig!

Um Ihre Rente optimal zu gestalten, sollten Sie möglichst schon einige Jahre vor dem gewünschten Rentenbeginn Kon­takt zu Ihrem Rentenversicherungsträger suchen.

Unter der kostenlosen Telefonnummer 0 800/10 00 48 00 berät die Deutsche Rentenversicherung bei Fragen zur Rente. Die Auskunft umfasst auch die Klärung der Frage, ob die erforderliche Mindestversicherungszeit erfüllt ist und wie sich ein vorzeitiger Rentenbeginn finanziell auswirken wird.

Problembehebung  

Bei Streitigkeiten mit der gesetzlichen Rentenversicherung sollten Sie sich immer an spezialisierte Fachleute wenden. Das sind z.B. VdK (vdk.de) und der Sozialverband Deutschland (SoVD.de), die Versichertenältesten der gesetzlichen Rentenversicherung, die Rentenberater (rentenberater.de) oder Fachanwälte für Sozialrecht (anwaltauskunft.de).

Bitte unbedingt vorher nach den durch die Beratung und Vertretung eventuell entstehenden Kosten fragen!

Bis zu 5 Jahre früherer Rentenbeginn: Die wichtigsten Schritte

Allerdings muss man sich den frühen Rentenstart auch leisten können. Die wichtigsten drei Schritte auf dem Weg zur Rente sind deshalb:

  • Feststellen, ob die Voraussetzungen für die Altersrente für schwerbehinderte Menschen erfüllt sind.
  • Herausfinden, ab wann die Voraussetzungen für die Rente vorliegen.
  • Mit Hilfe der Rentenversicherung bzw. auf Grundlage der jährlichen Versicherungsinformationen der DRV ausrechnen, ob ein vorzeitiger Rentenbeginn finanziell zu stemmen ist.

Rentenart bestimmt Renten-Start  

Die Rente für Menschen mit Schwerbehinderung ist nur eine von vier Altersrentenarten der gesetzlichen Rentenversicherung. Die anderen drei sind die allgemeine Regelaltersrente, die Rente für langjährig Versicherte und die für besonders langjährig Versicherte. Das Renteneintrittsalter fällt je nach Rentenart unterschiedlich aus. Auch die Voraussetzungen, die Versicherte für die einzelnen Rentenarten erfüllen müssen, sind unterschiedlich.

In den meisten Fällen dürfte die Altersrente für schwerbehinderte Menschen die beste Option sein. Sie bietet nicht nur Vorteile beim Renteneintrittsalter, sondern die Abschläge sind bei vorzeitigem Renteneintritt niedriger als etwa bei der Rente für langjährig Versicherte, die ebenfalls einen früheren Rentenstart ermöglicht.

Welche Zeiten werden bei der Ermittlung der Wartezeit berücksichtigt?  

Auf 35 Versicherungsjahre zu kommen, die Voraussetzung für die Schwerbehindertenrente sind, ist manchmal schwierig. Eine nicht erreichte Wartezeit ist der häufigste Grund für die Ablehnung eines Antrags auf Schwerbehindertenrente.

Entmutigen lassen sollten sich Versicherte hiervon aber nicht. Denn nicht nur Zeiten, in denen sie sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, gelten, auch Zeiten der Kindererziehung oder freiwilliger Versicherung, des Bezugs von Kranken- oder Arbeitslosengeld oder aus einem Versorgungsausgleich sind zu berücksichtigen. Das Sozialgesetzbuch hat in § 54 SGB VI (6.Sozialgesetzbuch) aufgeführt, was alles zu den rentenrechtlichen Zeiten gehört. Schul- und Studienzeiten wirken sich allerdings im Gegensatz zu Zeiten der Berufsausbildung nicht rentensteigernd aus.

Grad der Behinderung entscheidend

Neben Erfüllung der Mindestversicherungszeit (Wartezeit) muss beim Rentenantrag ein Nachweis über den Grad der Behinderung vorgelegt werden. Dieser muss mindestens 50
betragen. Als Nachweis reicht der Schwerbehindertenausweis oder – nach Arbeitsunfällen und bei Berufskrankheiten – auch eine aktuelle Bescheinigung der Berufsgenossenschaft. Dokumentiert der Ausweis zum Zeitpunkt des Rentenantrags mindestens einen Grad der Behinderung von 50, steht dem früheren Rentenbeginn nichts im Wege. Das gilt auch dann, wenn der Schwerbehindertenstatus befristet ist. Wer erst einmal die Altersrente für Schwerbehinderte bezieht, bekommt diese auch weiterhin, selbst wenn die Schwerbehinderung später wegfällt!

Aber: Je weniger eingezahlt, desto niedriger die Rente!

Diese Tatsache lässt sich leider auch nicht beschönigen. Auch bei einer abschlagsfreien Zahlung der Schwerbehindertenrente fallen die Rentenzahlungen geringer aus. Denn selbst in diesem Fall fehlen tatsächlich doch zwei Jahre, für die bei Weiterbeschäftigung bis zum Erreichen der regulären Altersrente Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt worden wären. Die Zahl der Entgeltpunkte und somit die Höhe der tatsächlichen Altersrente wegen Schwerbehinderung verringert sich. Bei einem Durchschnittsverdiener macht das nach derzeitigen Werten ein monatliches Minus von 64 Euro im Westen und 61 Euro im Osten aus.

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