Kann man die Entwicklung der knöchernen Wirbelsäulenversteifung bei Morbus Bechterew vorhersagen und verhindern?

Von DVMB-Forschungspreisträger Dr. Denis Poddubnyy, Charité Universitätsmedizin Berlin

Die ankylosierende Spondylitis (AS, Spondylitis ankylosans, Morbus Bechterew) gehört zur großen Krankheitsfamilie der Spondyloarthritiden (SpA). Alle Spondyloarthritiden haben gemeinsame Merkmale wie Beteiligung der Wirbelsäule und der Kreuzdarmbeingelenke, häufig Entzündung von Sehnenansätzen, ein typisches Muster von Gelenkbeteiligungen (asymmetrisch, große Gelenke) und häufiges Vorhandensein des Erbmerkmals HLA-B271).

Heutzutage werden alle SpA je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, in 2 Gruppen aufgeteilt2):

  1. Axiale Spondyloarthritis mit überwiegender Beteiligung der Wirbelsäule und der Kreuzdarmbeingelenke; zu dieser Gruppe gehört z.B. der klassische Morbus Bechterew und die nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis.
  2. Periphere Spondyloarthritis mit überwiegender Beteiligung von Gelenken und Sehnenansätzen außerhalb der Körperachse.

Die nicht-röntgenologische axiale SpA (d.h. eine Spondyloarthritis ohne deutlich im Röntgenbild sichtbare knöcherne Veränderungen der Kreuzdarmbeingelenke und der Wirbelsäule)3) und der Morbus Bechterew sind häufig zwei Stufen einer Erkrankung (axiale SpA, Bild 1). Die nicht-röntgenologische axiale SpA ist insbesondere von Bedeutung, da es eine Reihe von Jahren dauern kann, bis typische knöcherne Veränderungen als Folge der anhaltenden Entzündung im Röntgenbild nachweisbar werden. Nicht alle Patienten mit einer nicht-röntgenologischen axialen SpA entwickeln im Laufe der Zeit solche knöchernen Veränderungen und haben dann einen Morbus Bechterew.

Prognosefaktoren für eine knöcherne Versteifung

Um eine Prognose für den langfristigen Krankheitsverlauf bei Patienten mit einer axialen SpA zu ermöglichen, haben wir nach Vorhersagefaktoren für knöcherne Veränderungen in der Wirbelsäule und vor allem für die Entwicklung sogenannter Syndesmophyten (knöchernen Anbauten an den Wirbelkörperkanten, die zur Versteifung der Wirbelsäule führen, Bild 2) gesucht.

Syndesmophyten bilden sich nicht bei allen Patienten mit Morbus Bechterew, und die Geschwindigkeit des Syndesmophyten-Wachstums ist sehr individuell. Aus früheren wissenschaftlichen Arbeiten, die auf Daten von Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung basierten, war uns bekannt, dass bereits vorhandene knöcherne Veränderungen in der Wirbelsäule (Syndesmophyten) ein weiteres Fortschreiten der Versteifung wahrscheinlicher machen4). Ob weitere Vorhersagefaktoren für die knöcherne Wirbelsäulenversteifung existieren, war jedoch unklar.

1) MBJ Nr. 109 S. 9–13
2) MBJ Nr. 123 S. 5, Nr. 129 S. 36–37
3) MBJ Nr. 117 S. 4–6 , Nr. 129 S. 36–37
4) MBJ Nr. 122 S. 10–11

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