Nahrungsmittel-Steckbrief Würstchen und Schnitzel

Wenn Schnitzel und Würstchen reden könnten…  

Von Dr. med. Gudrun Lind-Albrecht, RHIO Düsseldorf, Mitglied der MBJ-Redaktion

 

Wenn Schnitzel und Würstchen reden könnten, dann hätten sie wohl einiges zu fragen und mitzuteilen, was manche gar nicht so gern hören möchten, z.B.

1.)    Hast du einen Überblick, wie viel Arachidonsäure du gerade vor dir liegen hast? Und wie viel davon du dir diese Woche schon einverleibt hast? Ist dir klar, dass Arachidonsäure deine Entzündung fördert, und dass du mit regelmäßigem Verzehr von Fleisch und Wurst durch Botenstoffe deine Entzündung ständig anfeuerst? Damit verschlimmerst du nicht nur den Morbus Bechterew selber bei dir, sondern auch die häufigen Begleiterkrankungen des Herzens und der Blutgefäße. Kennst du die wissenschaftlich fundierten Empfehlungen von Prof. Adam, eine Obergrenze von durchschnittlich 50 Milligramm (!) Arachidonsäure pro Tag nicht zu überschreiten? (siehe dazu Heft 14 der DVMB-Schriftenreihe). Mit 25–50 Gramm Wurst oder mit 30 Gramm fettem Fleisch bist du an dieser Obergrenze. Das heißt, dass du dir eigentlich nicht mehr als 2 Fleisch- oder Wurstmahlzeiten pro Woche antun solltest, wenn dir deine Gesundheit lieb ist.

2.)    Weißt du, ob ich aus Massentierhaltung oder aus artgerechter Haltung stamme? Das macht nämlich einen großen Unterschied! Für dich ist zunächst wichtig, dass in Fleisch aus Massentierhaltung mehr entzündungsfördernde Arachidonsäure enthalten ist, und dass dagegen Rinder, die auf der Alm grasen dürfen, sogar „gute“ Fettsäuren, nämlich Omega-3-Fettsäuren mitbringen.

3.)    Weißt du eigentlich, dass du mich gar nicht so dringend brauchst, um deinen Bedarf an Eiweiß und an Eisen zu decken? Das können diverse Pflanzen mindestens genauso gut. Wenn du regelmäßig die Nahrungsmittelsteckbriefe in diesem Journal liest, weißt du Bescheid.

4.)    Weißt du eigentlich, dass die Problematik der multiresistenten Keime, wie des gefürchteten MRSA, zu einem großen Teil mit dem hohen Fleischkonsum aus Massentierhaltung zusammenhängt? Hier werden nämlich breitflächig ohne Tierarzt-Verordnung (und gesetzlich erlaubt!) vorsorglich Antibiotika ins Futter gegeben, um Epidemien in den teils unvorstellbar beengten Ställen zu vermeiden. Jeder unkritische Einsatz von Antibiotika schafft das Risiko für resistentes Keimwachstum (die Bakterien sind ja nicht blöd und passen sich an). Außerdem gelangen die Reste der Antibiotika dann über die Gülle letzten Endes ins Grundwasser – und in dein Trinkwasser….  

5.)    Wie wäre es, wenn du deinen Fleisch- und Wurst-Verzehr entsprechend verringerst? Und wenn du bewusster auswählst? Damit würdest du deinem Körper und deiner Gesundheit einen großen Gefallen tun – und zugleich auch dem Klima und damit deinen Kindern und Kindeskindern. Und du würdest wohl dazu beitragen, dass meine Artgenossen etwas „humaner“ leben dürfen.

 

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