„Rheuma-Preis“ 2019 für zwei DVMB-Mitglieder und ihre Arbeitgeber

Beim diesjährigen Rheumatologen-Kongress in Dresden wurde zum 11. Mal der „RheumaPreis“ an Patienten und ihre Arbeitgeber verliehen „für herausragende Lösungen, die es Menschen mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung ermöglichen, weiter am Berufsleben teilzuhaben“.

Der mit jeweils 3000 Euro dotierte Rheumapreis soll zu mehr Offenheit im Umgang mit der Erkrankung ermutigen und dazu beitragen, dass ein aktives Berufsleben für Men-schen mit einer rheumatischen Erkrankung zur Selbstverständlichkeit wird. „Menschen mit Rheuma sind vollwertige Mitarbeiter mit all ihren Stärken und Schwächen, die natürlich auch mal ausfallen oder schwere Dinge nicht heben können“, sagte Professor Dr. med. Matthias SCHNEIDER vom Universitätsklinikum Düsseldorf und Mitinitiator des Rheumapreises im Vorfeld der Preisverleihung. „Wenn ihre Erkrankung von anderen Menschen anerkannt und verstanden wird, können auch gemeinsam Lösungen gefunden werden. Dafür muss natürlich zuerst der Patient selbst darüber sprechen wollen.“ Wie gut die Integration der Patienten dann gelingen kann, zeigen vorbildlich die Beispiele der drei dies-jährigen Preisträgerinnen: Petra AMMANN, Carolin TÖDTMANN und Jana SCHMALISCH (Bild 1).

Im Kuratorium für den Preis sind folgende Mitglieder der Initiative „RheumaPreis“ vertreten:

· Arbeitsgemeinschaft Regionaler Kooperativer Rheumazentren (AGRZ) in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

· Berufsverband Deutscher Rheumatologen e.V. (BDRh e. V.)

· Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Haupt-fürsorgestellen (BIH)

· Deutsche Kinderrheuma-Stiftung

· Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.

· Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) e.V.

· Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V.

· Fachverband Rheumatologische Fachassistenz e.V.

· Lupus Erythematodes Selbsthilfegemeinschaft e. V.

· Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) e.V.

Zwei der drei Preisträger sind Morbus-Bechterew-Patientinnen, die auch in der DVMB ehrenamtlich mitarbeiten (Bild 2).

Preisträgerin Carolin TÖDTMANN erzählt: „Ich habe am Arbeitsplatz von Beginn an offen über meine Erkrankung Morbus Bechterew gesprochen. Mein Arbeitgeber, der Kreis Herford, hat großes Verständnis dafür gezeigt und mich unterstützt, ebenso wie meine Kollegen, darunter die Schwerbehindertenvertreterin sowie die Beauftragte für Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM). So kann ich zum Beispiel in schwierigen Phasen mehr im Homeoffice arbeiten.“ Ihr heutiger Arbeitsplatz beim Sozialamt des Kreises Herford, wo sie für „Hilfe zur Pflege in Einrichtungen“ zuständig ist, ist ergonomisch angepasst: Er verfügt über ein Headset sowie einen individuell angepassten Bürostuhl und bietet die Möglichkeit für Homeoffice. Außerdem hat Carolin Tödtmann ein Büro mit barrierefreiem Zugang im Hauptgebäude erhalten, das mit Aufzügen ausgestattet ist. Damit sie unnötige Wege vermeiden kann, steht ihr ein fester Pkw-Stellplatz in der Tiefgarage zur Verfügung. „Durch Morbus Bechterew habe ich gelernt, gute Phasen bewusster zu genießen und auch in schlechten Zeiten Momente der Zufriedenheit zu finden. Mein Rat an Betroffene: Lebt eure Träume und setzt euch realistische Ziele! Mein Ziel ist, meine Vollzeitstelle dauerhaft wieder auszufüllen“, so Carolin Tödtmann. „Wir sehen es als zwingende Aufgabe an, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben zu fördern und konkret auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen“, sagt Norbert BURMANN, der Dezernent der Verwaltungsleitung Kreis Herford. Carolin Tödtmann habe sehr offen über die Erkran-kung gesprochen. Dadurch konnte ihr schnell geholfen wer-den. Dieses Vertrauen habe das Team mit großer, bereitwilli-ger Hilfe und Unterstützung erwidert.
Frau Tödtmann ist aktiv im Landesverband NRW sowohl in der Jugendarbeit als auch in der Frauen-Arbeit tätig.

Von ihrem Traum, einmal ein eigenes Bistro oder Restaurant leiten zu können, musste sich die gelernte Hotelfachfrau Jana SCHMALISCH nach einem Autounfall im Jahr 2009 und insgesamt sechs Wirbelsäulen-Operationen verabschieden. Erst während der begonnenen Umschulung zur Kauffrau für Bürokommunikation, die sie aus gesundheitlichen Gründen zunächst abbrechen musste, wurde die Diagnose Morbus Bechterew bei der heute 43-Jährigen gestellt. Endlich war eine Erklärung für die starken Rückenschmerzen durch die nun sichtbaren Versteifungen der Kreuzdarmbeingelenke gefunden. Die chronische Erkrankung hatte sich im Rückblick bereits in der Jugend durch Rückenschmerzen bemerkbar gemacht. Nachdem Medikamente aus der Gruppe der Biologika anschlugen, konnte sie ihre kaufmännische Umschulung erfolgreich abschließen und im Anschluss im Lehrveranstaltungsmanagement der Technischen Universität Dresden arbeiten. Parallel absolvierte sie ein Fernstudium zur Wirtschaftsfachwirtin. „Ich habe gelernt, mit der Krankheit umzugehen und jeden Augenblick in meinem Leben zu genießen“, erklärt die Preisträgerin. „Ich lebe nach dem Achtsamkeitsprinzip und sauge die kleinen, schönen Momente auf, von denen ich in schlechten Phasen zehre“, sagt Jana Schmalisch. „An meinem jetzigen Arbeitsplatz als Lehrver-anstaltungs- und Prüfungsmanagerin im Studienbüro Sozialökonomie an der Universität Hamburg beeindruckt mich die vielfältige Unterstützung meines Vorgesetzten, der Schwerbehindertenvertretung und meiner Kollegen. Je nachdem, wie es mir gerade geht, kann ich mich mit meinen Fähigkeiten einbringen“, so Jana Schmalisch. „Durch vertrauensvolle Abstimmung in regelmäßigen Terminen versuchen Jana Schmalisch und ich, ihre gesundheitlichen Entwicklungen im Blick zu behalten und stets einen Aufgabenzuschnitt zu gewährleisten, in dem sie ihre Kompetenzen und Fähigkeiten voll einbringen kann“, sagt Manuel SCHRÖDER, kommissarischer Leiter des Studienbüros Sozialökonomie.

Am Wochenende, wenn sie wieder zuhause in Dresden ist, engagiert sich Jana Schmalisch aktiv in der Frauenarbeit des Landesverbands Sachsen der DVMB. Gegenwärtig schult sie die Gruppensprecher in Sachsen zum Thema Datenschutz.
Quelle:     Pressemitteilung der Initiative RheumaPreis

 

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