Schlafstörungen bei Morbus Bechterew

Patientengemäßer Bericht über die Veröffentlichung „Prevalence and factors associated with disturbed sleep in outpatients with ankylosing spondylitis“ von Anliu Nie, Chen Wang, Yuqing Song, Xia Xie, Hui Yang und Hong Chen, erschienen in Clinical RheumatologyBand 37 (2018) S. 2161–2168

Neben Schmerzen, Müdigkeit und körperlichen Behinderungen gehören auch Schlafstörungen zu den ernsten Problemen der Morbus-Bechterew-Patienten.  Etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Patienten sind davon betroffen und klagen über schlechten Schlaf, über Einschlafschwierigkeiten, Schwierigkeiten beim Aufwachen oder obstruktive Schlaf-Apnoe1 . Die Schlafstörungen können zusätzliche körperliche, psychische oder soziale Probleme bewirken wie psychischen Stress, mangelnde Aufmerksamkeit am Tage oder Lernschwierigkeiten.
Schlafstörungen werden beim Morbus Bechterew vor allem durch Schmerzen verursacht. Zusätzlich können auch Depressionen und Ängste zu Schlafstörungen beim Morbus Bechterew beitragen. Die oben genannten Wissenschaftler von der Sichuan-Universität in Chengdu in der westchinesischen Provinz Sichuan haben in einer Studie die Häufigkeit von Schlafstörungen beim Morbus Bechterew und die Zusammenhänge mit demographischen, krankheitsspezifi-schen und psychologischen Variablen untersucht.

Untersuchungsmethode

Studienteilnehmer waren Morbus-Bechterew-Patienten, welche die Rheumaklinik der Sichuan-Universität im Sommer 2015 ambulant aufsuchten. Patienten mit weiteren Krankheiten, die zu Schlafstörungen führen können, waren von der Studie ausgeschlossen.
Die Schlafqualität wurde mit Hilfe des PSQI-Fragebogens2  beurteilt, in dem nach der subjektiven Schlafqualität, der Einschlafdauer, der nächtlichen Schlafdauer, der Schlafwirksamkeit, nach Schlafstörungen, nach dem Gebrauch von Schlafmitteln und nach Funktionsstörungen am Tage gefragt wird.
Die Schmerzstärke wurde auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet, die Krankheitsaktivität mit Hilfe des BASDAI-Fragebogens , die Behinderung bei Alltagsverrichtungen mit dem BASFI-Fragebogen, das allgemeine Wohlbefinden mit dem BAS-G-Fragebogen und die Depressionen und Ängste mit den entsprechenden HADS-Fragebögen3.

Untersuchungsergebnisse


281 ausgefüllte Fragebögen konnten bei der Auswertung berücksichtigt werden. 61% der Patienten hatten Begleiterkrankungen außerhalb der Wirbelsäule, 33% wurden mit TNF-Blockern behandelt und 62% mit NSAR (nicht-steroidalen Antirheumatika) oder DMARDs (langsam wirkenden Medi-kamenten, z.B. Methotrexat, Sulfasalazin). 5% erhielten keine Medikamente.
68% der Patienten berichteten über Schlafstörungen. Eine Gegenüberstellung der Patienten mit gutem bzw. schlechtem Schlaf ist in Tabelle 1 zu sehen. Die Patienten mit schlechtem Schlaf waren im Mittel älter, mussten länger auf die Diagnose Morbus Bechterew warten und hatten im Mittel ungünstigere Werte für alle Aspekte des Krankheitsverlaufs. Das Geschlecht, die Erwerbstätigkeit, der Bildungsgrad, das Haushaltseinkommen, die Rauch-Gewohnheiten und das Vorkommen der Krankheit bei nahen Verwandten hatten jedoch keinen Einfluss auf die Schlafqualität.

 

Tabelle 1: Vergleich der Morbus-Bechterew-Patienten mit gutem Schlaf (PSQI höchstens 5 auf der 21-Punkte-Skala) und schlechtem Schlaf (PSQI größer als 5 auf der 21-Punkte-Skala)

 

 

 

guter Schlaf

schlechter Schlaf

p

 

 

mittleres Alter

29 Jahre

33 Jahre

0,008

 

 

mittlere Krankheitsdauer

6 Jahre

9 Jahre

0,004

 

 

mittlere Diagnoseverzögerung

3 Jahre

5 Jahre

<0,001

 

 

mittlerer BASDAI*

2,3

4,0

<0,001

 

 

mittlere Erschöpfung*

3,1

5,0

<0,001

 

 

mittlerer BASFI*

1,0

2,2

<0,001

 

 

nächtliche Rückenschmerzen*

1,4

3,9

<0,001

 

 

Rückenschmerzen insgesamt*

1,6

4,0

<0,001

 

 

mittlerer BAS-G*

2,8

5,0

<0,001

 

 

mittlerer HADS (Ängste)*

5,6

8,5

<0,001

 

 

mittlerer HADS (Depressionen)*

4,4

6,3

<0,001

 

 

*) Bei all diesen Skalen ist 0 der günstigste und 10 der schlechteste Wert.

 

Interpretation der Ergebnisse

Die Schlafqualität nimmt auch bei Gesunden mit zunehmendem Alter ab. Zum Teil wird die abnehmende körperliche Aktivität dafür verantwortlich gemacht. Für Morbus-Bechterew-Patienten sind deshalb regelmäßige intensive Bewegungsübungen ein wirksamer Weg, nicht nur die Krankheitsschwere und das Fortschreiten der Krankheit zu mildern , sondern auch die Schlafqualität zu verbessern.
Weitere Möglichkeiten, die Schlafqualität zu verbessern, sind
•    die Linderung nächtlicher Schmerzen, z.B. durch eine kognitive Verhaltenstherapie,
•    Minderung von Ängsten durch eine psychologische Behandlung sowie Unterstützung durch Familienmitglieder,
•    wirksame Behandlung von Begleit-Erkrankungen, denn auch diese können zu einer schlechteren Schlafqualität führen.
 
Anmerkung der Redaktion: Schlafstörungen bei Frauen im oder jenseits des Klimakteriums sind oft hormonell bedingt. Daher sind gerade weibliche Morbus-Bechterew-Patienten in dieser Altersklasse oft besonders betroffen. Gegebenenfalls hilft eine (pflanzliche) Hormonersatztherapie. Oft übersehen oder nicht eingestanden wird auch die Tatsache, dass Alkoholgenuss am Abend die Schlafqualität beeinträchtigt (selbst wenn man vermeintlich schneller einschläft, wird das Durchschlafen durch Alkohol gestört). Außerdem kann zu spätes und zu schweres Abendessen den Schlaf stören. Auch eine zu sehr anregende geistige Beschäftigung am späten Abend kann den Schlaf stören. Nicht zu vergessen sind viele gängige Medikamente, die als Nebenwirkung zu Schlafstörungen führen können. Für Betroffene mit Morbus Bechterew ist es daher besonders wichtig, vor allem neu oder verstärkt auftretende Schlafprobleme hinsichtlich dieser genannten Faktoren kritisch zu hinterfragen.

1 vorübergehender Atemstillstand durch Hindernis im Atemweg während des Schlafs
2 PSQI = Pittsburgh Sleep Quality Index
3 Hospital Anxiety and Depression Scale

 

 

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