Sind Biologika nicht etwas besonders Gesundes?

und andere missverständliche medizinische Fachausdrücke

Wenn im Supermarkt auf einer Packung „Bio“ draufsteht, können wir davon ausgehen, dass der Inhalt aus ökologischer Landwirtschaft stammt. Bei den zu den „Biologika“ gehörenden Medikamenten dagegen ist es anders: Es handelt sich um Medikamente, die nicht durch chemische Synthese hergestellt wurden, sondern in einem molekularbiologischen Prozess mit Hilfe genveränderter Bakterien. Diese Medikamente sind in der Lage, wirkungsvoll das Immunsystem zu dämpfen und auf diese Weise Autoimmunkrankheiten zu lindern, haben aber entsprechende Nebenwirkungen.

Weil missverstandene medizinische Fachausdrücke oft zu einer falschen Beurteilung von Krankheiten und Therapien führen, haben die dänischen Wissenschaftler Alice Ashouri CHRISTIANSEN, R. C. Hendricks, Jette PRIMDAHL, Kirsten Kaya ROESSLER, T. E. ANDERSEN, Kim HØRSLEV-PETERSEN und Oliver HENDRICKS untersucht, was Nichtmediziner bei medizinischen Fachausdrücken verstehen und empfinden, und die Ergebnisse in einem Leserbrief in der Zeitschrift Scandinavian Journal of Rheumatology veröffentlicht.1 Ein Ausschnitt aus ihren Ergebnissen ist im Bild 1 zu sehen.

Bei meinen Übersetzungen aus dem Mediziner-Latein ins Patienten-Deutsch für das Morbus-Bechterew-Journal stolpere ich immer wieder über Fachausdrücke, die ich so nicht übernehmen kann, weil das zu Missverständnissen führen würde. Wenn der Mediziner zum Beispiel „klinisch“ sagt, hat das mit einer Klinik – also einem Krankenhaus –nichts zu tun, sondern bedeutet, dass der Befund ohne Zuhilfenahme von Labor und Radiologie zustande kam (das griechische  
Wort klinikos steht für den Arzt am Krankenbett und das Wort klinike für die ärztliche Kunst). Ein klinischer Befund wurde also rein durch ärztliche Kunst – z.B. am Krankenbett – erhoben.
Ich habe mir deshalb im Computer für meine Übersetzungstätigkeit eine Tabelle mit medizinischen Fachausdrücken und ihren patientenverständlichen Übersetzungen angelegt, die ich ständig erweitere. Einen kleinen Ausschnitt aus dieser Tabelle sehen Sie unten.
Meine Übersetzertätigkeit ist also keineswegs trivial und gelingt am besten einem, der kein Arzt ist (sonst würde er manchmal gar nicht merken, wo Missverständnisse lauern), der aber gewohnt ist, wissenschaftliche Texte (in deutsch oder englisch) zu lesen oder (im Kontakt mit entsprechenden Fachleuten) zu verfassen.

 1) „Isn’t biological treatment something healthy?” – Lay people’s perceptions of medical terms. Scandinavian Journal of Rheumatology Band 48 (2019) S. 253–255

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