So gelingt die Kommunikation zwischen Betroffenen und Ärzten

Aus einem Beitrag von Lars Gubler in der Mitgliederzeitschrift „Vertical“ der Schweizerischen Vereinigung Morbus Bechterew vom November 2020

 

Die Welt ist heute komplizierter als vor 20, 50 oder 100 Jahren. Der Wissenszuwachs und die Informationsflut haben exponentiell zugenommen. Und obwohl sich die Gesellschaft stark gewandelt hat, besteht zwischen Ärzten und Patienten immer noch eine Wissenslücke. Ein Teil davon ist durchaus natürlich: Schließlich haben Ärzte eine hochspezialisierte Ausbildung hinter sich. Bei Fachärzten sind es nicht selten bis zu zehn Jahre. Auf der anderen Seite haben frisch diagnostizierte Menschen mit Morbus Bechterew noch nie von der Krankheit und ihren Auswirkungen gehört. Es braucht also große kommunikative Leistungen, um diesen Graben zu überwinden.
Eines der Ziele der Morbus-Bechterew-Patien-tenvereinigungen besteht darin, Patienten über das Krankheitsbild Morbus Bechterew aufzuklären und Informationen über die Therapiemöglichkeiten patientengerecht aufzubereiten.

„Ärzte versus Internet“

Es gibt Fernsehsendungen, bei denen es durchaus spannend ist, den Teams aus Ärzten und Nicht-Medizinern zuzuschauen, wenn sie versuchen, die Diagnose von erkrankten Freiwilligen zu erraten. Dass solche Sendungen heute erfolgreich ausgestrahlt werden, kommt nicht von ungefähr: Viele von uns haben ihre Erfahrungen mit „Dr. Google“ gemacht, und zweifelsohne hat das Internet die Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten verändert. Die Patienten können heute dank Informationen aus dem Netz eher mitreden, sind aber in Bezug auf ihr Wissen natürlich keineswegs auf Augenhöhe mit den Medizinern.
Für die Ärzte bedeutet dies eine Herausforderung und einen Spagat. Während manche Ärzte das Hin und Her zwischen Fach- und Laiensprache mit Bravour bewältigen, fällt das anderen äußerst schwer. Aber auch Patienten, die ihr „Küchenlatein“ zum Besten geben, tragen nicht immer zur Klärung der Situation bei. Dazu kommt das Berufsverständnis, das sich schwer unter einen Hut bringen lässt mit der Einstellung auf Betroffene, die im Internet selbst Unmengen an medizinischen Informationen suchen können. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Ärzte versuchen, die Sprache ihrer Patienten zu sprechen.

Dazu kommt, dass die Gesellschaft heute vielsprachiger ist, mit zahlreichen Fach- und Milieusprachen, die Übersetzungen notwendig machen zwischen Fachsprachen und einer allgemein verständlichen Ausdrucksweise. Nicht zuletzt ist beim Thema Kommunikation auch an Menschen mit einer Hör- oder Spracheinschränkung zu denken.

Bei chronisch Erkrankten besonders wichtig

Die Kommunikation gestaltet sich also in vielen Situationen heute komplizierter als früher. Wenn ein Patient nicht nur von einer vorübergehenden Krankheit betroffen ist, sondern chronisch oder gar mehrfach krank ist, ist gute Kommunikation besonders wichtig. Der Morbus Bechterew ist eine solche chronische Erkrankung, und die Betroffenen sind oftmals von Begleiterkrankungen oder weiteren Erkrankungen betroffen. Da kommt es nicht nur auf die gute Kommunikation zwischen Ärzten und ihren Patienten an, sondern auch auf die gute Kommunikation zwischen Fachleuten mit unterschiedlicher Ausbildung. Dies mag mit ein Grund sein für die viel zu lange Zeit, bis die Diagnose Morbus Bechterew endlich gestellt wird, wertvolle Zeit, bis endlich eine zielgerechte Behandlung begonnen werden kann und dem Patienten wichtige Ratschläge gegeben werden können.
Abhilfe könnte auch hier die Digitalisierung schaffen. Wenn Patienten beispielsweise frühere Befunde direkt und unverändert an Ärzte und weitere Behandler weitergeben können, kann Missverständnissen vorgebeugt und das Labyrinth zur richtigen Diagnose schneller durchdrungen werden.
Man könnte denken, Digitalisierung und gute Kommunikation würden im Widerspruch stehen: Verhindert das ständige Hantieren mit Geräten und Applikationen nicht gerade das gute Gespräch im oft so hektischen Klinik- und Praxisalltag? Die Antwort lautet: Das eine muss das andere nicht ausschließen. Es kommt auf den richtigen Umgang mit den neuen Möglichkeiten an. Gerade im privaten Umfeld stellen wir fest, dass wir durch die flächendeckende Verbreitung von Handys und Computern eher mehr kommunizieren als früher, alles immer an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Auch im medizinischen Alltag wird die Digitalisierung noch weiter Einzug halten. Und sie wird wohl eher zu mehr und nicht zu weniger Kommunikation führen.

 

Bei chronisch Erkrankten besonders wichtig

Die Kommunikation gestaltet sich also in vielen Situationen heute komplizierter als früher. Wenn ein Patient nicht nur von einer vorübergehenden Krankheit betroffen ist, sondern chronisch oder gar mehrfach krank ist, ist gute Kommunikation besonders wichtig. Der Morbus Bechterew ist eine solche chronische Erkrankung, und die Betroffenen sind oftmals von Begleiterkrankungen oder weiteren Erkrankungen betroffen. Da kommt es nicht nur auf die gute Kommunikation zwischen Ärzten und ihren Patienten an, sondern auch auf die gute Kommunikation zwischen Fachleuten mit unterschiedlicher Ausbildung. Dies mag mit ein Grund sein für die viel zu lange Zeit, bis die Dia-gnose Morbus Bechterew endlich gestellt wird, wertvolle Zeit, bis endlich eine zielgerechte Behandlung begonnen werden kann und dem Patienten wichtige Ratschläge gegeben werden können.
Abhilfe könnte auch hier die Digitalisierung schaffen. Wenn Patienten beispielsweise frühere Befunde direkt und unverändert an Ärzte und weitere Behandler weitergeben können, kann Missverständnissen vorgebeugt und das Labyrinth zur richtigen Diagnose schneller durchdrungen werden.
Man könnte denken, Digitalisierung und gute Kommunikation würden im Widerspruch stehen: Verhindert das ständige Hantieren mit Geräten und Applikationen nicht gerade das gute Gespräch im oft so hektischen Klinik- und Praxisalltag? Die Antwort lautet: Das eine muss das andere nicht ausschließen. Es kommt auf den richtigen Umgang mit den neuen Möglichkeiten an. Gerade im privaten Umfeld stellen wir fest, dass wir durch die flächendeckende Verbreitung von Handys und Computern eher mehr kommunizieren als früher, alles immer an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Auch im medizinischen Alltag wird die Digitalisierung noch weiter Einzug halten. Und sie wird wohl eher zu mehr und nicht zu weniger Kommunikation führen.

Von Soft Skills2 und Toleranz

Es ist nicht ganz überraschend, dass die Kommunikation in einem eher naturwissenschaftlich geprägten Umfeld wie der Medizin einen schweren Stand hat. Hier geht es um Laborwerte, Röntgenbilder und Medikamenten-Wirkstoffe. Präzision und Rückverfolgbarkeit sind gefragt. Empathie, Einbezug der Patienten in Entscheidungen  und weitere sogenannte Soft Skills  kommen oft erst an zweiter Stelle. Doch auch dies hat sich in den letzten Jahren verändert, so dass einer guten Kommunikation eine zunehmende Bedeutung beigemessen wird.
Neben Wissen und Fertigkeit rund um die Kommunikation zwischen Ärzten und ihren Patienten braucht es gerade in der heutigen komplexen Welt vor allem eines: Toleranz. Denn Kommunikation ist etwas zutiefst Menschliches und ein wichtiger Teil unserer individuellen Persönlichkeit. Dies gilt – auch wenn es den einen oder anderen überraschen mag – auch für Ärzte. Alle haben wir sicher schon die Erfahrung gemacht, wie schwierig es sein kann, eine introvertierte Person zum Reden zu bewegen oder eine extravertierte Person zum Zuhören. Ein gewisses Maß an Toleranz ist hier wichtig.

Verbesserungspotential erkannt

Es kommt nicht von ungefähr, dass Angebote, bei denen Ärzte und Medizinstudierende Arztberichte für Patienten „übersetzen“, von Anfragen überrannt werden. Projekte und Angebote, die den kommunikativen Graben zwischen Patienten und Ärzten überwinden helfen.
Für Menschen mit Morbus Bechterew gibt es verschiedene Hilfsmittel, um die Kommunikation mit Ärzten und Therapeuten zu verbessern und damit auch den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen: von Checklisten über Online-Tests bis hin zu Übersetzungshilfen für Arztberichte (siehe Kasten). Auch Apps könnten in Zukunft helfen, Arztberichte besser zu verstehen.
Trotz all dieser innovativen Projekte sollte eine gute Kommunikation mit Patienten und Kollegen für Ärzte und andere Fachleute ein wichtiges persönliches Ziel sein. Diese Fertigkeit sollte im Medizinstudium noch stärker vermittelt werden.

Graphiken auf den Seiten 22 und 23:    Natasa Milosevic
Der DVMB-spezifische Kasten wurde von der MBJ-Redaktion eingefügt.

2) Zu den „soft skills“ gehören die nicht-fachlichen Fähigkeiten wie soziale Fähigkeiten, Kommunikationsfähigkeiten, Einstellungen, Charakter- und Persönlichkeitsmerkmale.

 

Nützliche Kommunikationshelfer für Morbus-Bechterew-Patienten(siehe auch Literatur-Angebote auf den Seiten 37–39 in diesem Heft)

 

 

 

Wie bereite ich mich auf einen Arzttermin vor?“ in den Internet-Seiten der DVMB (www.bechterew.de) unter „Informieren

 

 

 

Checkliste für die Nutzung von Gesundheits-Apps in den Internet-Seiten der DVMB (www.bechterew.de) unter „Informieren

 

 

 

Initiative "Medikationsplan schafft Überblick" in den Internet-Seiten der DVMB (www.bechterew.de) unter „Informieren

 

 

 

„Ich beim Arzt“ (www.ichbeimarzt.de):Fünf Tipps für Ihr Gespräch mit dem Arzt

 

 

 

Diagnose-Test (www.bechterew-check.de), in dem Patienten mit chronischen Rückenschmer­zen 15 einfache Ja-Nein-Fragen beantworten können, um beim Vorliegen einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der axialen Spondyloarthritis die Empfehlung zu erhalten, einen Rheumatologen aufzusuchen.

 

 

 

DVMB-Seminar-Angebot „Morbus Bechterew – Basiswissen“ mit Informationen und Hilfen zur Bewältigung der oftmals großen mentalen Probleme unmittelbar nach der Dia­gnosestellung

 

 

 

DVMB-Schriftenreihe Heft 2: „Morbus Bechterew – die Krankheit und ihre Diagnose

 

 

 

DVMB-Schriftenreihe Heft 3: „Morbus Bechterew – Fremdwörtereiner Krankheit

 

 

 

DVMB-Schriftenreihe Heft 12: „Morbus Bechterew in 100 Fragen

 

 

 

DVMB-Schriftenreihe Heft 13: „Messwerte für den Krankheitsverlauf, Klassifikations- und Diagnose-Kriterien

 

 

 

Ingrid Füller, Till Bastian: „Wie behandle ich meinen Arzt?“ ISBN 10: 3462030566
Taschenbuch, 176 Seiten. Das Buch will dazu beitragen, die Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten zu verbessern und damit das Vertrauen wiederherzustellen. Erhältlich im Buchhandel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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