Wetterfühligkeit bei Morbus Bechterew

Von Katja Rückriem, Studentin der Berufspädagogik Pflege und Therapie an der Fachhochschule Bielefeld

In Deutschland sind rund 2% der Erwachsenen von einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung betroffen1. Erfahrungsgemäß geben diese Patienten häufig an, dass sich ihre Beschwerden unter bestimmten Wetterlagen verändern. In meiner Bachelorarbeit bin ich der Frage nachgegangen, ob und wie sich diese Wetterfühligkeit bei Rheumakranken äußert.
Im Sommer 2015 wurden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) 150 Fragebögen verteilt. Von diesen kamen 136 ausgefüllt zurück, entsprechend einer Rücklaufquote von 91%. Insgesamt konnten 109 Fragebögen für die Bachelorarbeit verwendet werden.
Im umfassendsten Teil des Fragebogens wurden die Teilnehmer aufgefordert, ihre Empfindungen auf einer Skala von 0 (nicht) bis 3 (stark) einzutragen. Es wird also 0 als „nicht wetterfühlig“, 1 und 2 als „eher wetterfühlig“ und 3 als „wetterfühlig“ gewertet.
Zur besseren Darstellung der Auswirkungen wurden diese zu drei Kategorien zusammengefasst. Die Kategorie „Psychische Beeinträchtigungen“ umfasst Auswirkungen wie „Stimmungsschwankungen binnen eines oder mehrerer Tage“, „Konzentrationsschwierigkeiten“ und „Reizbarkeit, Nervosität“. In der Kategorie „Physische Beeinträchtigungen“ sind Auswirkungen wie „Appetitlosigkeit“, „Körperschwäche,  
Leistungsknick“ oder „Kopfschmerzen“ zusammengefasst. Zur Kategorie „Beeinträchtigung zwischenmenschlicher Beziehungen“ zählen „Probleme mit Freunden“, „Probleme in der Partnerschaft“, „Probleme mit Kollegen“ und „Probleme mit Anderen“.
Des Weiteren wurde gefragt, ob bei den Befragten „klimatische Veränderungen“, z.B. Jahreszeit-Übergänge oder erhebliche Temperaturveränderungen durch Reisen in eine andere Klimazone Wetterfühligkeitssymptome auslösen.

Die Studienteilnehmer

57% der Teilnehmer waren männlich. Die Teilnehmer waren im Mittel 58 Jahre alt. Nur 6% waren jünger als 40 Jahre. 85% gaben als Diagnose Morbus Bechterew an, weitere 10% die Diagnosen Spondylarthropathie oder Spondylarthritis. Da diese Diagnosen die Krankheitsgruppe bezeichnen, zu der vor allem der Morbus Bechterew gehört, kann davon ausgegangen werden, dass insgesamt 95% an einer Spondyloarthritis erkrankt sind, die überwiegende Mehrheit davon an Morbus Bechterew.
Ausgewertet wurden nur die Antworten der Spondyloarthritis-Patienten, da bei den restlichen Antwortenden nur einer an Polyarthritis (= rheumatoide Arthritis) und an Fibromyalgie leidet. Es handelt sich also um Einzelfälle, die zu einem Zufallsergebnis für diese Krankheiten führen würden.

Ergebnisse zur Wetterfühligkeit

Es zeigte sich, dass Frauen in 3 von 4 Kategorien überwiegend „eher wetterfühlig“ reagieren, die männlichen Befragten nur in 2 von 4 Kategorien. Weibliche Patienten scheinen also wetterfühliger zu sein als männliche. Die Ergebnisse für die Kategorien als Ganzes sind in Tabelle 1 dargestellt..

Körperliche Beeinträchtigung

Im Großen und Ganzen spiegeln die Ergebnisse das wider, was in anderen Studien bereits herausgefunden wurde. 40% der weiblichen und 34% der männlichen Teilnehmer gaben an,
„leichte“ Symptome zu spüren, wenn sich die Temperatur erheblich ändert. Aus den zu dieser Frage zusätzlich gegebenen Antworten wird ersichtlich, dass die Befragten an wetterfühligkeitsbedingten Symptomen vor allem dann leiden, wenn das Wetter kälter und feuchter wird. So geben die männlichen Befragten dies vor allem beim Übergang vom Herbst zum Winter an (28%), während die Frauen bereits im Übergang vom Sommer zum Herbst (24%) eine Verschlechterung der Symptome empfinden (Tabelle 2).
Häufige Wetterfühligkeitssymptome waren z.B. „Körperschwäche/Leistungsknick“ (38%), „übermäßige Müdigkeit“ (49%) und „Gelenkschmerzen“ (49%). Die Schmerzen verstärken sich bei Regen, Nässe und Kälte, wie dies bei den zusätzlichen Antworten am häufigsten genannt wurde.

Beeinträchtigung zwischenmenschlicher Beziehungen

„Nicht wetterfühlig“ reagierten alle Patientengruppen bei den zwischenmenschlichen Beziehungen. Während es bei „Problemen mit Freunden“, „Problemen in der Partnerschaft“ und „Problemen mit Anderen“ vorwiegend „keine“ oder „leichte“ (sowie bei den weiblichen Befragten noch „mäßige“) Beeinträchtigungen gibt, gibt es bei „Problemen mit Kollegen“ eindeutig „keine“ Beeinträchtigungen (68% bei den weiblichen und 66% bei den männlichen Befragten). Im Allgemeinen wählten die weiblichen Teilnehmer in dieser Kategorie häufiger als die Männer die Antwortmöglichkeit „mäßig“.

Auswirkung von Wetterfühligkeitssymptomen auf tägliche Aktivitäten

Auffallend ist, dass sich 37% der befragten Frauen und 34% der befragten Männer in ihren täglichen Aktivitäten nicht durch Wetterfühligkeit beeinträchtigt fühlen. Auch haben 60% der weiblichen Befragten eine Möglichkeit gefunden, ihre Wetterfühligkeitssymptome zu lindern, 68% der Männer jedoch nicht.
Obwohl die männlichen Befragten zur Einschränkung der täglichen Aktivitäten häufiger „keine“ ankreuzten als die weiblichen, fühlen sie sich mehrheitlich (41%) „leicht“ von der Wetterfühligkeit in ihren Aktivitäten beeinflusst. Frauen fühlen dies, wie bereits erwähnt, überwiegend nicht. Allerdings wirkt die Wetterfühligkeit sich bei Frauen und Männern nur auf die körperlich anstrengenden Tätigkeiten aus, und das auch nur in „null bis zwei Stunden“ des Tages. Überwiegend können auch alle erfragten Aktivitäten sowohl von den Frauen als auch von den Männern noch selbst ausgeführt werden. Nur dazu, was ihnen Spaß macht, sind die Befragten nicht mehr in der Lage. Ausgehend von diesen Ergebnissen sind weitere Studien nötig, die sich vermehrt mit wetterbedingten Einflüssen auf die Psyche beschäftigen.

1) Angela Zink, Kirsten Minden und Sabine List im Themenheft 49 „Entzündlich-rheumatische Erkrankungen“ des Robert-Koch-Instituts von 2010.

Anschrift der Verfasserin: Schelpmilser Weg 114, 33609 Bielefeld

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