Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 119 (Dezember 2009)

Erfolgreiche Behandlung des Cauda-equina-Syndroms mit Infliximab

von Divi Cornec, Dr. med. Valérie Devauchelle-Pensec, Dr. med. Sandrine Jousse Joulin und Prof. Dr. med. Alain Saraux, Universitätsklinikum in Brest, Frankreich

Neurologische (das Nervensystem betreffende) Komplikationen der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) sind selten und treten meist im Zusammenhang mit Wirbelsäulenverletzungen auf. Eine Ausnahme bildet das Cauda-equina-Syndrom (Pferdeschwanz-Syndrom, Bechterew-Brief Nr. 63 S. 87–88, Nr. 71 S. 80, Nr. 75 S. 81, Nr. 77 S. 77, Nr. 90 S. 8–16, Nr. 91 S. 85 und Nr. 92 S. 83–84), eine seltene Begleiterscheinung der Spondylitis ankylosans nach langer Krankheitsdauer, die 1961 erstmals beschrieben wurde.

In der wissenschaftlichen Literatur wurden 86 Fälle beschrieben. Die wirkliche Häufigkeit ist unbekannt. Ein langsam schleichendes Fortschreiten der Beschwerden kann schließlich zu starken Schmerzen, Muskelschwund, Gefühllosigkeit in den von der unteren Wirbelsäule ausgehenden Nerven und Schließmuskelversagen führen. Im Röntgenbild zeigt sich typischerweise eine Erweiterung der Rückenmarkhülle. Behandlungsversuche umfassten bisher nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Corticosteroide, Acetazolamid und verschiedene operative Eingriffe, alle jedoch ohne Erfolg.

Die Beschwerden vor der Behandlung

Wir berichten hier über die erfolgreiche Behandlung eines 66-jährigen Patienten mit Cauda-equina-Syndrom. Seine Spondylitis ankylosans war diagnostiziert worden, als er 25 Jahre alt war. Er wurde 2007 mit einem langsam fortschreitenden Pferdeschwanzsyndrom in unsere Klinik eingewiesen. Der Patient berichtete, seit 10 Jahren schmerzfrei zu sein und keine schmerzstillenden oder entzündungshemmenden Mittel zu benötigen. Röntgenaufnahmen zeigten eine Verschmelzung der Kreuzdarmbeingelenke und eine bambusstabförmige Versteifung der Wirbelsäule (Bild 1).
 

Röntgenbilder mit typischen Zeichen einer seit langem bestehenden Spondylitis ankylosans: Beidseitige Verschmelzung der Kreuzdarmbeingelenke (A) und bambusstabförmige Versteifung der Wirbelsäule (B).

Bild 1: Röntgenbilder mit typischen Zeichen einer seit langem bestehenden Spondylitis ankylosans: Beidseitige Verschmelzung der Kreuzdarmbeingelenke (A) und bambusstabförmige Versteifung der Wirbelsäule (B).
 

Seit einem Jahr hatte der Patient eine Inkontinenz des Enddarms (Unvermögen, den Ausgang geschlossen zu halten). Mehrere Untersuchungen einschließlich einer Darmspiegelung ergaben keinen auffälligen Befund. Drei Monate vor der Einweisung bemerkte er außerdem ungewohnte Empfindungen im Gesäßbereich, die allmählich in ein Taubheitsgefühl in der Umgebung des Darmausgangs übergingen. Ein schon vorher bestehender schmerzhafter Harndrang mit erschwertem Wasserlassen auf Grund einer gutartigen Prostatavergrößerung verschlechterte sich, gekoppelt mit vollständiger Impotenz.

Bei der Einweisung in unsere Klinik berichtete der Patient über täglich 3 Darm-Inkontinenz-Geschehnisse mit schweren Nebenwirkungen bezüglich sozialer Kontakte und des psychischen Wohlbefindens. Ansonsten war der allgemeine Gesundheitszustand gut.

Im Magnetresonanzbild zeigte sich eine Erweiterung des Rückenmarkkanals mit mehreren Ausbuchtungen der Dura (Rückenmarkhülle). T2-gewichtete und kontrastmittelverstärkte Magnetresonanzbilder ergaben keinen Hinweis auf eine Entzündung der Arachnoidea (Spinngewebshaut = mittlere Rückenmarkhaut). Im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins gab es keine Anzeichen für eine Kompression (Zusammendrücken) des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln.
 

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