29.06.2010

DVMB-Forschungspreis 2010 für Fortschritte bei der Kontrolle des Krankheits­verlaufs beim Morbus Bechterew

von Prof. Dr. rer. nat. Ernst Feldtkeller, München,
Vorsitzender des Kuratoriums für den DVMB-Forschungspreis 2010

Zum 9. Mal verlieh die DVMB bei ihrer diesjährigen Delegiertenversammlung in Köln den Forschungspreis der DVMB an zwei erfolgreichen Wissenschaftler für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew).
Vier Wissenschaftler hatten sich mit neuen interessanten Forschungsergebnissen um den Preis beworben. Gemäß den Preis-Statuten wurde ein Kuratorium aus namhaften Wissenschaftlern gebildet, das die Aufgabe hatte, die eingegangenen Arbeiten zu bewerten und den Preisträger zu ermitteln. Dem Kuratorium gehörten diesmal folgende Mitglieder an:

  • Dr. med. Heinrich Böhm, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie, Bad Berka,
    Ärztlicher Berater der DVMB,
  • Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München, wissenschaftliche Redaktion Morbus-Bechterew-Journal,
  • Prof. Dr. med. Ernst-Martin Lemmel, Baden-Baden, Ärztlicher Berater der DVMB,
  • Dr. med. Gudrun Lind-Albrecht, Schwerpunkt für Rheumatologie, klinische Immunologie und Osteologie
    am Ev. Krankenhaus Düsseldorf, Mitglied der Redaktion Morbus-Bechterew-Journal,
  • Prof. Dr. med. Stefan Rehart, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie,
    Markus-Krankenhaus Frankfurt am Main,
  • Privatdozent Dr. med. Martin Rudwaleit, Chefarzt der Rheumaklinik, Evangelisches Krankenhaus Hagen-Haspe, Ärztlicher Berater der DVMB, und
  • Prof. Dr. med. Edward Senn, Luzern, Schweiz.

Das Kuratorium wählte in seiner Sitzung am 28. April 2010 in Frankfurt am Main Prof. Feldtkeller zum Vorsitzenden des Kuratoriums und beschloss, den Forschungspreis zu gleichen Teilen zu vergeben an

Das Preisgeld von 5000 € wurde gestiftet von der Abbott GmbH & Co. KG in Wiesbaden. Wir danken dem Sponsor für diese großzügige Unterstützung.

Verleihung des DVMB-Forschungspreises 2010 bei der Delegiertenversammlung der DVMB am 26. Juni 2010 in Köln (von. links nach rechts): Prof. Dr. Ernst Feldtkeller als Vorsitzender des Preis-Kuratoriums, Hans-Dieter Hilbert als Vertreter der Abbott GmbH &
Verleihung des DVMB-Forschungspreises 2010 bei der Delegiertenversammlung der DVMB am 26. Juni 2010 in Köln (von. links nach rechts): Prof. Dr. Ernst Feldtkeller als Vorsitzender des Preis-Kuratoriums, Hans-Dieter Hilbert als Vertreter der Abbott GmbH & Co. KG, die das Preisgeld gestiftet hatte, Forschungspreisträger Dr. In-Ho Song, Forschungspreisträger Dr. Xenofon Baraliakos, und der DVMB-Vorsitzende Franz Gadenz.

In-Ho Song (geboren 1974 in Krefeld) kam beim Abitur in München in den Genuss der Bayerischen Hochbegabtenförderung. Er studierte Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und schloss – ebenfalls in München – das Studium 2001 mit der Promotion ab. Es folgte ein praktisches Jahr mit Aufenthalten in den USA und in Südkorea. Seit 2003 ist Dr. Song Arzt an der Charité – Universitätsmedizin in Berlin, seit 2005 in der Abteilung Rheumatologie unter der Leitung des DVMB-Forschungspreisträgers Prof. Dr. Joachim Sieper. Er ist Mitglied der Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS).

Forschungspreisträger Dr. In-Ho Song im Gespräch mit Frank Balzer, Eisenhüttenstadt, Vorsitzender des DVMB-Landesverbands Berlin-Brandenburg.
Forschungspreisträger Dr. In-Ho Song im Gespräch mit Frank Balzer, Eisenhüttenstadt, Vorsitzender des DVMB-Landesverbands Berlin-Brandenburg.

In der mit dem DVMB-Forschungspreis ausgezeichneten Arbeit fasst der Wissenschaftler richtungweisende Forschungsergebnisse zur Diagnostik des Morbus Bechterew zusammen.
Die Szintigraphie (die bildliche Erfassung der Ansammlung eines injizierten radioaktiven Medikaments an entzündeten Stellen) wird vielerorts weiterhin zur Untersuchung der frühen Anzeichen eines Morbus Bechterew angewandt. Das Verdienst von Dr. Song ist es, durch die Auswertung von Literaturangaben und von Unterlagen der Berliner Rückenschmerzsprechstunde nachgewiesen zu haben, dass der diagnostische Wert der Szintigraphie in diesem Fall sehr begrenzt ist und die damit verbundene Strahlenbelastung nicht rechtfertigt, zumal heute mit der Magnetresonanztomographie eine viel geeignetere Methode zur Verfügung steht.
Des weiteren befasste sich Dr. Song mit dem Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI), der heute der Goldstandard zur Ermittelung der Krankheitsaktivität beim Morbus Bechterew ist. Er zeigte, dass der BASDAI-Fragebogen auch bei Patienten ohne periphere Gelenkbeteiligung die Krankheitsaktivität adäquat erfasst und dass es keinen Vorteil bringt, in diesem Fall die Fragen nach Gelenk- und Sehnenansatz-Schmerzen wegzulassen.
Als Ergänzung dieses vom Patienten auszufüllenden Fragebogens erprobte er einen „spinalen Schmerz-Score“, der vom Arzt durch körperliche Untersuchung erhoben wird.
Die DVMB würdigt mit der Verleihung des Forschungspreises die gut fundierten Beiträge von Dr. Song zur Weiterentwicklung der Diagnostik beim Morbus Bechterew.

Xenofon Baraliakos (geboren 1975 in Athen) besuchte bis zum Abitur das Evangelische Gymnasium in Lippstadt (Nordrhein-Westfalen) und studierte Medizin zunächst an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg und dann an der Freien Universität Berlin. Er promovierte 2005 zum Dr. med. mit einer Dissertationsarbeit über kernspintomographische Untersuchungen des Achsenskeletts bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis (Morbus Bechterew). Im Jahr 2007 wurde er als Facharzt für Orthopädie anerkannt und ist seither Assistenzarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne unter der Leitung des DVMB-Forschungspreisträgers Prof. Dr. Jürgen Braun. Er ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften, darunter der Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS), eines Zusammenschlusses von etwa 100 Experten aus aller Welt auf dem Gebiet der Spondyloarthritiden (entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen)

Forschungspreisträger Dr. Xenofon Baraliakos im Gespräch mit DVMB-Geschäftsführer Ludwig Hammel.
Forschungspreisträger Dr. Xenofon Baraliakos im Gespräch mit DVMB-Geschäftsführer Ludwig Hammel.

In seiner mit dem DVMB-Forschungspreis ausgezeichneten Arbeit fasst der Wissenschaftler seine Forschungsergebnisse zum Fortschreiten der knöchernen Versteifung bei Patenten mit Morbus Bechterew zusammen. An Hand von Magnetresonanzbildern konnte Dr. Baraliakos zeigen, dass gerade in der Brustwirbelsäule, die in dem heute gebräuchlichen Stokes Ankylosing Spondylitis Spinal Score (SASSS) zur Beurteilung des Versteifungsgrads beim Morbus Bechterew vernachlässigt wird, häufig Knochenneubildungen entstehen. Er schlägt deshalb ein neues Beurteilungsmaß für den Versteifungsgrad vor, den Radiographic Ankylosing Spondylitis Spinal Score (RASSS), der die untere Brustwirbelsäule mit einbezieht und zuverlässiger ist und auf Veränderungen empfindlicher reagiert als der SASSS. Der RASSS konzentriert sich außerdem auf Knochenneubildungen und ignoriert Erosionen und Kastenwirbelbildungen, die für das Fortschreiten der Versteifung keine unmittelbare Rolle spielen.
Die DVMB würdigt mit der Verleihung des Forschungspreises die richtungweisenden Beiträge von Dr. Baraliakos zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs beim Morbus Bechterew.