Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 122 (September 2010)

Bild 1: Typische Veränderungen im Röntgenbild bei der Spondylitis ankylosans. A = Ankylose, S = Syndesmophyt, E = Erosion
Bild 1: Typische Veränderungen im Röntgenbild bei der Spondylitis ankylosans.
A = Ankylose,
S = Syndesmophyt,
E = Erosion
Unterschiede im Fortschreiten der knöchernen Versteifung beim
Morbus Bechterew und die Rolle der Brustwirbelsäule bei ihrer Beurteilung

von DVMB-Forschungspreisträger Dr. med. Xenofon Baraliakos,
Rheumazentrum Ruhrgebiet der Ruhr-Universität Bochum, Herne

Knochenzerstörende (osteodestruktive) und knochenneubildende (osteoproliferative) Prozesse sind charakteristisch für die ankylosierende Spondylits (Morbus Bechterew). Zur Knochenneubildung (der mit Abstand häufigsten Röntgenveränderung bei Spondylitis-ankylosans-Patienten) gehören hauptsächlich Knochenausziehungen (Syndesmophyten) und die Ankylose (Verschmelzung benachbarter Syndesmophyten). In akuten Phasen der Erkrankung steht oft die Entzündung im Vordergrund, die mit einer Knochenzerstörung an Grenzen zwischen Knorpel und Knochen einhergeht (siehe Beiträge von Dr. Appel, MBJ Nr. 110 S. 7–10 und Nr. 114 S. 4–6)). Im weiteren Verlauf entstehen dann die bekannten Veränderungen mit Knochenneubildung und der Verschmelzung von Wirbelkörpern ().

Die bisherigen Therapien der Spondylitis ankylosans, die sich hauptsächlich auf physiotherapeutische Maßnahmen und die Verordnung von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie evtl, krankheitsmodifizierenden Medikamenten wie Sulfasalazin stützten, konnten einen Teil der Patienten mit guten Ergebnissen über einen langjährigen Zeitraum versorgen. Die Therapie mit Medikamenten, die das Zytokin TNF-alpha blockieren (Seite 21–22 in diesem Heft) gilt inzwischen als eine wesentliche Bereicherung im therapeutischen Spektrum für Patienten, die trotz intensiver Therapie mit den genannten Mitteln weiterhin eine hohe Krankheitsaktivität aufweisen.

Die Kenntnis über den natürlichen Verlauf der Knochenveränderungen („Röntgenprogression“) bei Patienten mit Spondylitis ankylosans stützte sich bisher auf ärztliche Alltagserfahrungen sowie auf wenige Fallberichte mit Langzeitbeobachtungen. Eine ausführliche Untersuchung der (in der täglichen Praxis bekannten) Unterschiede in der Röntgenprogression und eine Suche nach eventuell vorhandenen voraussagenden („prädiktiven“) Faktoren der Röntgenprogression war bisher nicht systematisch durchgeführt worden. Zudem blieb bisher wegen technischer Einschränkungen (Überlagerung durch Schultern, Rippen und Lungengewebe) die Brustwirbelsäule von der Erfassung der Knochenveränderungen im Röntgenbild größtenteils ausgeschlossen. Somit beschränken sich die bisherigen Daten und Erkenntnisse auf Analysen der Hals- und der Lendenwirbelsäule.

Bild 2: Im individuellen Verlauf der knöchernen Wirbelsäulenversteifung gibt es bei Spondylitis-ankylosans-Patienten große Unterschiede.
Bild 2: Im individuellen Verlauf der knöchernen Wirbelsäulenversteifung gibt es bei Spondylitis-ankylosans-Patienten große Unterschiede.

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