Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 122 (September 2010)

Methoden zur bildlichen Darstellung von Entzündungsstellen
und zur Ermittlung der Krankheitsaktivität beim Morbus Bechterew

von DVMB-Forschungspreisträger Dr. med. In-Ho Song, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Hintergrund

Die frühe Diagnose, Verlaufskontrolle und richtige Therapie von Patienten mit Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) stellen für die betreuenden Ärzte eine große Herausforderung dar, auch wenn in den letzten Jahren große Fortschritte auf diesen Gebieten erzielt werden konnten. Im Hinblick auf die frühe Diagnose einer axialen Spondyloarthritis (MBJ Nr. 117 S. 39–40) hat sich gezeigt, dass neben einem positiven HLA-B27 der Nachweis von akuten Entzündungszeichen im Magnetresonanzbild der Kreuzdarmbeingelenke einen besonders hohen diagnostischen Stel­lenwert hat (MBJ Nr. 98 S. 12, Nr. 100 S. 4–9).
Für viele Befunde, die beim Verdacht auf Morbus Bechterew von In­ter­esse sind, berechnete DVMB-Forschungspreisträger Dr. Martin Rudwaleit das sogenannte Likelihood Ratio (LR, wörtlich: Wahrscheinlichkeitsver­hältnis) als Maß für die diagnostische Bedeutung des Befunds (MBJ Nr. 106 S. 7–8). Das LR+ für ein „positives“ Testergebnis (Befund vorhanden) er­rechnet sich aus der Sensitivität und der Spezifität (MBJ Nr. 100 S. 4–9, Nr. 106 S. 5–8, DVMB-Schriftenreihe Heft 13) nach der Formel

LR+=Sensitivität/1-Spezifität

Je höher das LR+ für einen positiven Befund ist, desto höher ist der diagnostische Gewinn, d.h. desto wahrscheinlicher ist es beim Vorliegen dieses Befunds, dass es sich wirklich um einen Morbus Bechterew handelt. Ein LR von 1 bedeutet, dass der Befund keine diagnostische Bedeutung hat und die Wahrscheinlichkeit eines Morbus Bechterew nicht beeinflusst. Die Magnetresonanztomographie hat ein LR+ von etwa 9–10, also eine sehr hohe diagnostische Aussagekraft.
Bisher wenig untersucht ist die diagnostische Rolle der Szintigraphie der Kreuzdarmbeingelenke. Die Szintigraphie (lat. scintillare = funkeln, flimmern) ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem eine Substanz mit kurzlebiger Radioaktivität (ein sogenannter Tracer) in die Blutbahn gegeben wird. Bei der Skelettszintigraphie, die etwa 3–4 Stunden dauert, reichert sich der Tracer in Knochen mit vermehrtem Stoffwechsel an, wie er mit entzündlichen Prozessen verbunden ist. Die Tracer-Substanz gibt Gammastrahlen ab, die durch Detektoren abgetastet werden, so dass damit ein Bild der Entzündungsstellen gewonnen werden kann. Die Szintigraphie wird auch heute noch bei etwa 17% aller Patienten mit Verdacht auf Spondylitis ankylosans angewandt.
Erste Berichte aus den 70er Jahren über den diagnostischen Wert der Szintigraphie waren vielversprechend. Nachfolgende Studien zeigten allerdings, dass zwischen Patienten mit aktiver Spondylitis ankylosans und Vergleichspersonen nicht in allen Fällen klar unterschieden werden konnte. Wir führten deshalb eine systematische Literatur-Recherche durch, um den diagnostischen Wert der Szintigraphie hinsichtlich der Detektion einer akuten Sakroiliitis (Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke) zu untersuchen.

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