Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 124 (März 2011)

Hüftgelenkbeteiligung bei Morbus Bechterew:

Notwendige Operation nicht verschieben!

von Dr. Andrei Calin, ehemaliger Chefarzt der Rheumaklinik in Bath, England

Im MBJ Nr. 122 S. 15 erwähnte Dr. RUDWALEIT in seiner Literaturübersicht eine Arbeit von VAN DER CRUYSSEN u.a. über die Häufigkeit von Hüftbeteiligungen und Hüftgelenkoperationen beim Morbus Bechterew. Dr. CALIN aus Bath schrieb dazu folgende Ergänzung:

Aus Gründen, die im Dunkeln liegen, ignorieren Ärzte beim Morbus Bechterew oft die Hüftgelenkbeschwerden, obwohl diese von höchster Bedeutung für die betroffenen Patienten sind. Auch für die Allgemeinheit sind Hüftgelenkleiden teuer in Anbetracht der Arbeitsausfälle und Frühpensionierungen. Nach VAN DER CRUYSSEN u.a. haben 24–36% der Morbus-Bechterew-Patienten eine Hüftgelenkbeteiligung und bei 5–8% ist eine Gelenkersatz-Operation notwendig. (Anmerkung der Redaktion: Bei der DVMB-Patientenbefragung vom Dezember 2008 waren es 6,4%).

Besonders bedauerlich ist, dass es gerade die jungen, früh erkrankten Patienten sind, die am häufigsten von Hüftgelenkentzündungen betroffen sind, und es war geradezu eine Tragödie, dass orthopädische Chirurgen jahrzehntelang zögerten, die Hüftgelenke bei jungen Patienten zu operieren.

Für Teenager oder junge Erwachsene ist es schlimm, gesagt zu bekommen, dass sie für eine Hüftgelenk-Operation „zu jung“ seien. Der Gelenkersatz mag zwar nur 10 oder 15 Jahre halten und muss dann möglicherweise durch ein neues Gelenk ersetzt werden. Trotzdem ist klar, dass eine solche Antwort von den meisten der jungen Patienten mit Bestürzung aufgenommen wird, denn sie wollen jetzt ihr Leben mit geselligen, familiären und beruflichen Aktivitäten fortsetzen und nicht 10 bis 15 Jahre darauf warten.

Von 4567 Morbus-Bechterew-Patienten, deren Krankenakten wir 2001 auswerteten, hatten 156 (3,4%) einen Hüftgelenkersatz bekommen. Da 64% von ihnen beidseitig operiert werden mussten, handelte es sich um 309 ersetzte Hüftgelenke, davon 255 erstmalig operierte Gelenke und 54 Revisionen. Von den erstmals eingesetzten Ersatzgelenken hielten nach 10 Jahren noch 90%, nach 15 Jahren noch 78% und nach 20 Jahren immer noch 64%. Für die Revisionsgelenke waren die entsprechenden Überlebensraten 73%, 55% und ebenfalls 55%. Die bei jungen Morbus-Bechterew-Patienten eingesetzten Ersatzgelenke hielten also außerordentlich lange.

Wir sind gespannt, ob der umsichtige Einsatz von TNF-alpha-Blockern bei Patienten mit einem aggressiven Morbus Bechterew der Hüftgelenkzerstörung vorbeugen hilft. Wenn dies der Fall sein sollte (was wir intuitiv erwarten), wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis der TNF-alpha-Blocker noch günstiger in Anbetracht verringerter Ausfallzeiten und Frühverrentungen.

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