Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 125 (Juni 2011)

Internationales Arbeitstreffen der Morbus-Bechterew-Forscher in Brüssel

von Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München

Wie jedes Jahr im Januar trafen sich auch im Januar 2011 die Morbus-Bechterew-Forscher aus aller Welt zu einem Arbeitstreffen, zu dem die Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) ihre Mitglieder einlud . Dieses Jahr fand das Treffen in Brüssel statt, bekannt nicht nur als „Hauptstadt“ Europas, sondern auch für seine originellen Jugendstil-Gebäude berühmter Architekten aus den 1890er Jahren, siehe Bild oben. Die Fassade des Hauses „Les hi-boux“ (die Eulen) schien mir als Titelbild des Berichts über dieses Expertentreffen besonders geeignet.
Die ASAS wurde vor 15 Jahren gegründet, um international einheitliche Untersuchungsverfahren, Diagnosekriterien und Therapie-Empfehlungen für Patienten mit Morbus Bechterew zu erarbeiten. Aus einer kleinen Expertenrunde entstand inzwischen ein international vielbeachteter Zusammenschluss von etwa 100 Morbus-Bechterew-Forschern, deren Beratungsergebnisse die Diagnose und Behandlung unserer Krankheit entscheidend vorangebracht haben.

Schwierige Beurteilung von Magnetresonanzbildern
ASAS-Ehrenmitglied Prof. Dr. Henning ZEIDLER aus Hannover (links) im Gespräch mit dem DVMB-Forschungspreisträger und früheren ASAS-Schriftführer Prof. Dr. Jürgen BRAUN aus Herne.
ASAS-Ehrenmitglied Prof. Dr. Henning ZEIDLER aus Hannover (links) im Gespräch mit dem DVMB-Forschungspreisträger und früheren ASAS-Schriftführer Prof. Dr. Jürgen BRAUN aus Herne.

Erstes großes Thema des diesjährigen Treffens war die Frage, wie ein Magnetresonanzbild aussehen muss, damit es als Hinweis auf eine Spondyloarthritis (entzündliche Wirbelsäulenerkrankung) gelten kann. DVMB-Forschungspreisträger Dr. Martin RUDWALEIT (ASAS-Schriftführer und Ärztlicher Berater der DVMB) führte aus, dass ein solcher Hinweis entweder in akuten Entzündungszeichen bestehen kann (Aufhellungen auf Grund von Flüssigkeitsansammlungen im Knochenmark) oder in bleibenden Veränderungen der Knochenstruktur (z.B. Überbrückung der Kreuzdarmbeingelenke). Das Problem ist dabei, dass es auch zwischen gesunden Kreuzdarmbeingelenken große Unterschiede gibt. Zum Beispiel kann ein Kreuzdarmbeingelenk durch intensiven Sport (Karate, Marathon-Lauf) so verändert sein, dass es zu einer Fehldiagnose führen kann.

ASAS-Diapositiv-Bibliothek

DVMB-Forschungspreisträger Prof. Dr. Joachim SIEPER aus Berlin (ASAS-Schatzmeister) informierte über Erweiterungen das ASAS slide library, das über die Internet-Seite der ASAS (www.asas-group.org) zugänglich ist und bei der Vorbereitung von Vorträgen zu Hilfe genommen werden kann.

Neue Studie zur NSAR-Wirksamkeit

Ob nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) nicht nur die Entzündung hemmen und die damit verbundenen Schmerzen lindern, sondern auch der Wirbelsäulenversteifung vorbeugen, ist eine Frage, die Rheumatologen immer wieder beschäftigt. Über erste verheißungsvolle Studienergebnisse konnten wir im MBJ Nr. 104 S. 17–20 berichten. Die Frage, ob alle NSAR die Versteifung verlangsamen oder nur das damals verwendete Medikament, soll mit einer neuen internationalen Studie geklärt werden, die von Prof. Dr. Désirée VAN DER HEIDE aus den Niederlanden und Prof. Dr. Walter MAKSYMOWYCH aus Kanada vorgestellt wurde. Die Frage ist von erheblicher Brisanz, denn von der Antwort hängt es ab, ob Ärzte ihren Patienten empfehlen können, ein solches Medikament trotz der damit verbundenen Nebenwirkungsrisiken lebenslang regelmäßig einzunehmen, um die Wirbelsäulenversteifung zu verlangsamen.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!