Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 125

Nahrungsmittel-Steckbrief „Brokkoli“

von Dr. med. Gudrun Lind-Albrecht, Düsseldorf

Der Brokkoli (Brassica oleracea) gehört zur Familie der Kreuzblütler (zu der auch die anderen Kohlsorten wie Rosenkohl, Rotkohl, Weißkohl, Grünkohl, Blumenkohl, China-kohl etc. und auch Rettich, Radieschen, Kresse, Senf und Raps gehören). Seine ursprüngliche Heimat ist Kleinasien (Ost-Türkei). Er wurde von dort aus schon vor mehr als 2000 Jahren im ganzen Mittelmeerraum verbreitet und heimisch und war bei den Griechen und den alten Römern sehr geschätzt. Die Römer sind auch für die Namensgebung verantwortlich: Bracchium (lateinisch für Arm) spielt offenbar auf die Verteilung der einzelnen Röschen auf den einzelnen Stängelchen (Ärmchen, siehe Bild) an.

Im 16. Jahrhundert gelangte der Brokkoli als „italienischer Spargel“ nach Frankreich. In unseren Breiten wurde er erst in den letzten 2–3 Jahrzehnten richtig bekannt und hat sich inzwischen zu einem der beliebtesten Gemüse bei uns entwickelt. Er ist ganzjährig erhältlich, da wir im Winterhalbjahr auf die Ernte am Mittelmeer zurückgreifen können und im Sommerhalbjahr auf die Ernte aus der eigenen Region.

Brokkoli ist ein außerordentlich vitamin- und mineralstoffreiches Gemüse und dabei kalorienarm – das ist allgemein bekannt. Daneben sind im Brokkoli wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe  enthalten – dies ist nicht ganz so weitläufig bekannt. Aber (und das ist den wenigsten Menschen bewusst): alle diese Stoffe gehen durch die herkömmliche Zubereitungsweise leider weitgehend verloren. Der besondere Wert und Reichtum des Brokkolis ist also ganz leicht „verspielt“.
Wir wissen, dass chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gehäuft vorkommen, auch beim Morbus Bechterew . Brokkoli hilft uns also, das Risiko für Begleitkrankheiten des Morbus- Bechterew zu verringern. Man könnte das „BBB“ fast scherzhaft auch so deuten:
Bechterewler brauchen Brokkoli.
Was liegt also näher, als Brokkoli regelmäßig auf den Tisch zu bringen?

Brokkoli ist für Morbus-Bechterew-Patienten
besonders empfehlenswert – warum?

1.) Brokkoli hat einen hohen Vitamin- Gehalt.

Brokkoli enthält sehr viel Vitamin C: 100 Gramm Brokkoli (im rohen Zustand) enthalten mit 110 Milligramm Vitamin C bereits die empfohlene Tagesdosis an Vitamin C. Brokkoli enthält auch viel Provitamin-A (die Vorstufe des Beta-Carotin): mit 250 Gramm Brokkoli sind zwischen 35% und 50% des Tagesbedarfs an Provitamin A gedeckt. Brokkoli enthält außerdem auch mehrere B-Vitamine (B1, B2, Niacin, Panthotensäure und Folsäure). Allerdings reicht hier eine Portion noch nicht für einen wesentlichen Anteil am Tagesbedarf. Vitamin C und Vitamin A stärken nicht nur die Abwehrkräfte, sondern sind wichtige Antioxidantien (siehe Kasten 1), d.h. sie helfen – zusammen mit weiteren Stoffen – die freien Radikale zu neutralisieren und damit zu verhindern, dass diese ihrerseits wieder den Entzündungskreislauf unterhalten. Durch den Genuss von Brokkoli können wir also dazu beitragen, den Entzündungskreislauf zu durchbrechen. Aber: Wir müssen die Tatsache beachten, dass Vitamin C und die B-Vitamine sehr empfindlich sind gegenüber Licht, Luft und Hitze – und dass sie wasserlöslich sind. Sie werden also durch falsche und zu lange Lagerung und durch Kochen verringert bzw. durch zu langes Kochen oder gar Wiederaufwärmen zerstört. Aufgrund der Wasserlöslichkeit befinden sie sich im Kochwasser, und – wenn wir dieses wegschütten – ggf. im Ausguss.

2.) Brokkoli hat einen hohen Mineralstoffgehalt.

Brokkoli enthält reichlich Kalzium. In 100 Gramm Brokkoli sind etwa 90–100 mg Kalzium enthalten. Wir decken also mit 250 Gramm Brokkoli etwa ¼ unseres Tagesbedarfs an Kalzium). Kalzium ist hauptsächlich wichtig für unsere Knochen. Brokkoli enthält außerdem reichlich Magnesium (etwa 25 mg in 100 Gramm Brokkoli). Magnesium ist wichtig für Muskeln und Knochen sowie Reizleitung – die täglich notwendige Dosis schwankt je nach Beanspruchungsgrad. Leistungsfähige Muskeln sind ihrerseits wieder wichtig für gute Knochenqualität. Brokkoli enthält auch viel Kalium: in 100 Gramm Brokkoli sind etwa 360 mg Kalium enthalten. Kalium ist wichtig für Herz, Muskeln und Reizleitung. Und zu guter Letzt bringt Brokkoli uns auch viel Eisen (etwa 1,2 mg in 100 Gramm Brokkoli). Eisen ist wichtig für die Blutbildung und den Sauerstofftransport ins Gewebe. Sauerstoff ist für die Gesamtleistungsfähigkeit des Organismus sehr wichtig: ohne Sauerstoff kein Stoffwechsel. Brokkoli hilft uns also auf mehrfache Weise bei der Vor-beugung (und Behandlung) der Osteoporose, die ja eine häufige Zweiterkrankung bei Morbus Bechterew ist. Aber: Kalzium und Magnesium sind wasserlöslich und gehen relativ schnell ins Kochwasser über und werden ggf. mit dem Kochwasser weggeschüttet.

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Anschrift der Verfasserin:
RHIO – Rheumatologie, Immunologie, Osteologie
am Evangelischen Krankenhaus
Fürstenwall 99, 40217 Düsseldorf

 

 1) LDL steht für low-density lipoprotein (Cholesterine geringer Dichte) und HDL für high-density lipoprotein (Cholesterine hoher Dichte). Bei einem hohen Verhältnis Gesamtcholesterin zu HDL im Blut wächst das Risiko einer Arteriosklerose  (Gefäßverkalkung), siehe MBJ Nr. 122 S. 27.

2) Bechterew-Brief Nr. 54 S. 9–14 und Nr. 78 S. 28, MBJ Nr. 104 S. 4–9 und S. 48–49, Nr. 105 S. 52, Nr. 112 S. 48–49, Nr. 113 S. 54, Nr. 119 S. 48–49, Nr. 120 S. 16, Nr. 122 S. 15–16 und 24–28.

Brokkoli ist für Morbus-Bechterew-Patienten besonders empfehlenswert
Foto Ruth Kurz „Morbus Bechterew AKTIV“ der Österreichischen Vereinigung Morbus Bechterew

Kasten 1: Antioxidantien sind Stoffe, welche die im Körper immer anfallenden so genannten freien Radikale neutralisieren. Freie Radikale fallen generell immer an als Stoffwechselendprodukt: Beim Gesunden entstehen pro Tag durchschnittlich 10 Gramm freie Radikale. Bei Entzündungsprozessen und in entzündlichen Schüben chronischer rheumatischer Erkrankungen entstehen sehr viel mehr freie Radikale. Auch bei Rauchern ist die Produktion freier Radikale erheblich höher. Freie Radikale sind sehr labil und (chemisch gesehen) reaktionsfreudig: Sie bewirken einen Anstieg aller Faktoren, die für den Entzündungsprozess nötig sind, d.h., dass im Falle eines entzündlichen Schubs über die anfallenden freien Radikale der Teufelskreis geschlossen wird und die Entzündung sich selbst unterhalten kann.
Der Körper hat zur Neutralisierung der freien Radikale bis zu einem gewissen Grad vorgesorgt: An der Zellwand neutralisiert Vitamin E die freien Radikale – allerdings wird es dabei selbst chemisch so verändert, dass es nun selber wie ein freies Radikal wirken kann, wenn nicht weitere Teile der so genannten Redoxkette wirksam werden und es wieder stabilisieren. Hier sind z.B. Vitamin C und Selen zu nennen, aber auch viele sekundäre Pflanzenstoffe. Wenn die gesamte Kette von wirksam werdenden Stoffen der Redoxkette durchlaufen ist, resultieren nur noch Wasser und stabiler Sauerstoff als Stoffwechsel-Endprodukte.