Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 126 (September 2011)

Rauchen: beim Morbus Bechterew ein Entzündungsverstärker

von Dr. Pedro Machado, Ho Yin Chung und Prof. Dr. Désirée van der Heijde von der Universität Leiden (Niederlande)
sowie Prof. Dr. Maxime Dougados, Paris (Frankreich)

Schon in früheren Studien über die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) hatte sich gezeigt, dass bei Rauchern
die Beweglichkeit im Mittel stärker eingeschränkt ist als bei Nichtrauchern und die knöcherne Versteifung schneller fortschreitet.
Unsere neue Studie konzentrierte sich auf das frühe Krankheitsstadium der axialen Spondyloarthritis. Wir analysierten die Krankheitsdaten, die in der DESIR-Studie (Devenir des Spondylarthropathies Indiffé-renciées Récente) in französischen Kliniken erfasst worden waren. 654 der Patienten erfüllten die Kriterien für die axiale Spondyloarthritis . Das mittlere Alter dieser Patienten betrug 34 Jahre und die mittlere Krankheitsdauer 1,5 Jahre.
37% dieser Patienten waren Raucher. Bei ihnen begannen die entzündlichen Rückenschmerzen im Mittel 1½ Jahre früher als bei den Nichtrauchern (Unterschiede im Alter, im Geschlecht, im Vorhandensein des HLA-B27 und anderen möglichen Einflussgrößen waren bei der Analyse berücksichtigt worden).
Vor allem aber hatten die Raucher im Mittel eine signifikant höhere Krankheitsaktivität (um 0,5 Punkte auf der 10-Punkte-Skala des BASDAI). Auch die Behinderung bei Alltagsverrichtungen war im Mittel stärker (um 0,4 Punkte auf der 10-Punkte-Skala des BASFI).
Im Magnetresonanzbild war die Häufigkeit von Entzündungszeichen der Kreuzdarmbeingelenke bei Rauchern um 57% höher als bei Nichtrauchern. Die Häufigkeit in der Wirbelsäule war sogar doppelt so hoch. Die Häufigkeit knöcherner Veränderungen in den Kreuzdarmbeingelenke war bei Rauchern um 54% höher als bei Nichtrauchern und die Häufigkeit knöcherner Veränderungen der Wirbelsäule war wiederum doppelt so hoch als bei Nichtrauchern. Der m-SASSS (der modifizierte Stoke Ankylosing Spondylitis Spinal Score) als Maß für die knöcherne Versteifung der Wirbelsäule im Röntgenbild war bei Rauchern im Mittel um einen halben Punkt schlechter. Angesichts der Tatsache, dass es sich um Patienten im Frühstadium der Krankheit mit insgesamt nur geringen knöchernen Veränderungen handelt, ist dieser Unterschied beachtlich.
Auch die Lebensqualität war bei den Rauchern stärker beeinträchtigt, und zwar um 1,4 Punkte auf der Skala des Ankylosing Spondy-litis Quality of Life Score.

Schlussfolgerungen

Für rauchende Spondyloarthritis-Patienten ist es nie zu früh, mit dem Rauchen aufzuhören. Da es sich beim Rauchen um eine änderbare Angelegenheit des Lebensstils handelt, sollte rauchenden Morbus-Bechterew-Patienten dringend geraten werden, diese Angewohnheit aufzugeben. Für Morbus-Bechterew-Patienten ist der Vorteil des Nichtrauchens noch wesentlich größer als in der Allgemeinbevölkerung.

 

Anschrift der Verfasser:
Department of Rheumatology
Leiden University Medical Center,
Leiden, NIEDERLANDE
Quelle: EULAR Congress News vom 26. Mai 2011