Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 126 (September 2011)

Nahrungsmittel-Steckbrief „Die Walnuss“

Dr. med. Gudrun Lind-Albrecht, Rheumatologie, Immunologie, Osteologie am Ev. Krankenhaus Düsseldorf

Die Walnuss ist die Frucht des Walnussbaums (botanischer Name: Juglans regia), der ursprünglich aus Persien stammt und im 6.–5. Jahrhundert v. Chr. von den Griechen in den Mittelmeerraum gebracht wurde. Von dort aus wurde er weiter verbreitet – zunächst vor allem in Frankreich. Daher leitet sich der Name Walnuss = Welsche Nuss ab, denn „Welsche“ war die alte deutsche Bezeichnung für Gallier.
Der Botanische Name Juglans regia ist dem Lateinischen entlehnt, juglans bedeutet soviel wie „dem Jupiter geweihte Frucht“ und regia bedeutet königlich. Wir erkennen daraus, dass die Walnuss schon vor langer Zeit hochgeschätzt war.
Tatsächlich war nicht nur die Nuss selbst als Nahrungsmittel beliebt: der römische Arzt GALEN (131–202 n. Chr.) nutzte auch die Blätter des Walnussbaums als Heilmittel. Im 16. Jahrhundert wurden die unreifen Früchte – zur Johannis-nacht geerntet und als Schnaps gebrannt – sogar zur Vorbeugung gegen die Pest gepriesen. In einigen Regionen und vor allem in Klöstern in Österreich wird dieser Walnuss-Schnaps noch heutzutage gebrannt.

Die in der grünen Schale reifende Nuss
Die in der grünen Schale reifende Nuss

Die Walnussblätter bzw. ein Tee daraus werden in der Naturheilkunde auch heute noch empfohlen bei verschiedenen entzündlichen Beschwerden des Magens und des Darms, da sie sehr viele Gerbstoffe enthalten. Äußerlich als Tinktur angewandt, soll ein Aufguss von klein geschnittenen Walnussblättern bei Ekzemen und Akne lindernd wirken.
Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin wärmt die Walnuss den Funktionskreis Lunge und stärkt den Funktionskreis Niere und sorgt für ausreichend Verdauungssäfte.
Als eigentliches Nahrungsmittel führte die Walnuss in moderner Zeit ein wechselhaftes Dasein. Während noch die Generation unserer Großeltern sie als Hirn- und Nervennahrung rühmte und sich gerne auf die Ähnlichkeit der Walnussoberfläche mit den Gehirnwindungen berief, war die Walnuss beim „modernen kalorienbewussten Menschen“ aufgrund ihrer hohen Energiedichte, die aus ihrem Fettgehalt resultiert, in Ungnade gefallen. Auch die Furcht vor dem nicht so seltenen Schimmelbefall der Walnüsse bei unsachgemäßer Lagerung war Anlass zur Zurückhaltung.
Inzwischen ist die Walnuss sozusagen voll rehabilitiert und jeder, der einen Walnussbaum in seinem Garten stehen hat, darf sich glücklich schätzen. Die Walnuss enthält nämlich antientzündliche Stoffe (Omega-3-Fettsäuren), Antioxidantien (Vitamin E, Selen, Zink) und wichtige Mineralien (Kalium, Magnesium, Kalzium).

Die Walnuss ist für Morbus-Bechterew-Patienten besonders empfehlenswert – warum?

1.) Walnüsse haben bei regelmäßigem Verzehr eine antientzündliche Wirkung. 100g Walnüsse haben zwar einen Nährwert von 654 kcal, da die Walnuss zu 65% aus Fett besteht. Zum größten Teil sind dies aber mehrfach ungesättigte Fettsäuren: Auf 100g Walnüsse kommen 9,1g einer besonders gesundheitsfördernden Fettsäure, einer Omega-3-Fettsäure, nämlich der Alpha-Linolensäure. In keiner anderen Nuss kommt die Alpha-Linolensäure nur annähernd so hoch konzentriert vor wie in der Walnuss. Entsprechend ist übrigens auch das Walnussöl reich an dieser Omega-3-Fettsäure: In 1 Esslöffel Walnussöl sind 2 g Alpha-Linolensäure enthalten. Laut Prof. Dr. Olaf ADAM sollten von Betroffenen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen 4g Alpha-Linolensäure pro Tag in der Nahrung angestrebt werden. Diese 4 g sind in knapp 50 g Walnüssen oder in 2 Esslöffel Walnussöl enthalten. Die Alpha-Linolensäure kann vom Körper im Verhältnis 4:1 (und selbst bei schlechten Bedingungen durch zu hohen Linolsäureanteil  in der Nahrung im Verhältnis 10:1) in die Eicosapentaensäure (EPA) umgewandelt werden, so dass 1g EPA zur Verfügung steht und damit ein beachtliches antientzündliches Potential. Eine Nahrung, die reich an Alpha-Linolensäure ist, kann nachweislich die im Blut messbare Konzentration der Entzündungsbotenstoffe TNF-Alpha und Interleukin 6 senken.

Die Walnussblüte
Die Walnussblüte
Die Walnuss
Die Walnuss

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