Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 127 (Dezember 2011)

Geschlechtsbedingte Unterschiede im Frühstadium einer axialen Spondyloarthritis

von Gleb Slobodin, Iris Reyhan, Nina Avshovich und 11 weiteren Forschern in Israel

Bei der DVMB-Patientenbefragung im Jahr 1996 zeigte sich, dass die knöcherne Wirbelsäulenversteifung bei weiblichen Morbus-Bechterew-Patienten langsamer und weniger vollständig abläuft als bei männlichen Patienten und dass starke Schmerzen bei männlichen Patienten nach langer Krankheitsdauer seltener werden, bei weiblichen Patienten dagegen nicht. Der Unterschied in der Häufigkeit starker Schmerzen im Alter wurde im Jahr 2000 von Berliner Forschern bestätigt.
Ein Team aus Forschern in mehreren Kli-niken in Israel befasste sich nun mit der Frage, ob es auch im Frühstadium einer entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung bereits Unterschiede im Krankheitsverlauf zwischen den Geschlechtern gibt.

Die Diagnose eines frühen Stadiums der axialen Spondyloarthritis (entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung), in dem im Röntgenbild noch keine Veränderungen zu sehen sind, wurde durch die neuen Kriterien der Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) wesentlich erleichtert. Neben den Morbus-Bechterew-typischen Beschwerden spielen Entzündungszeichen im Magnetresonanzbild in diesen Kriterien eine wesentliche Rolle. Wir wollten nun wissen, welche Faktoren auch bei Anwendung dieser neuen Kriterien zur Diagnoseverzögerung beitragen und ob es bereits im Frühstadium der Erkrankung geschlechtstypische Unterschiede gibt. atienten, bei denen in den Jahren 2004–2009 die Diagnose einer undifferenzierten Spondyloarthritis oder einer Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) gestellt worden war, wurden 2009 durch Rheumatologen der beteiligten Kliniken nachuntersucht. Wir konzentrierten uns auf Patienten, bei denen die Wirbelsäulenbeschwerden im Vordergrund stehen und die auch keine Psoriasis (Schuppenflechte) oder entzündliche Darmerkrankung haben.

Studienergebnisse

Von den 79 männlichen und 72 weiblichen Patienten hatten 46% der männlichen, aber nur 26% der weiblichen Patienten einen etablierten Morbus Bechterew nach den modifizierten New-York-Kriterien. Bezüglich des Alters bei den ersten Beschwerden, der Diagnoseverzögerung und der Behandlung mit TNF-alpha-Blockern gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während zum Zeitpunkt der Diagnose fast alle Patienten entzündliche Kreuzschmerzen hatten, berichteten Männer häufiger als Frauen, dass dies die ersten Beschwerden im Zusammenhang mit ihrer Krankheit waren.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!