Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 128 (März 2012)

Vor 15 Jahren gelang mir der Ausstieg aus der „unheilbaren“ Krankheit

von René Curty, Dornach, Kanton Solothurn, Schweiz

Ausstieg aus der Krankheit -Familie sitzt auf einer Wiese in den Bergen

Ich bin 43 Jahre alt, Mechaniker (also Handwerker) und arbeite an computergesteuerten  Fräs- und Drehmaschinen. Im Alter von 27 Jahren hatte ich plötzlich Schmerzen im lin-ken Sprunggelenk, später fing es in den Zehengelenken an und bald danach auch in den Schultern. 1 bis 1½ Jahre später wurde die Diagnose Morbus Bechterew gestellt. Der Auslöser war wahrscheinlich eine Darminfektion. Die Schmerzen waren so massiv, dass ich nur noch sehr schlecht geschlafen habe und am Morgen nach dem Aufstehen als erstes eine Schmerztablette einnehmen musste, um den Tag einigermaßen schmerzfrei zu überstehen. Ich war vorher sportlich sehr aktiv als Rettungsschwimmer und Mountainbiker (ein Sport, der damals noch nicht so bekannt war wie heute). Die Einschränkung durch die entzündeten Gelenke war so groß, dass ich weder schwimmen noch vernünftig Mountainbike fahren konnte. Ich weiß nicht, wie lange ich meinen Beruf noch hätte ausüben können, wenn das so weiter gegangen wäre. Ich hätte mich wahrscheinlich umschulen lassen müssen.

In der Zeitschrift der Schweizerischen Vereinigung Morbus Bechterew las ich einen Bericht über die von Dr. Wüst entwickelte Neurokognitive Therapie des Morbus Bechterew  . Von meinem Beruf her war mir sofort klar, dass das funktionieren kann: Nach meinem Verständnis war die Steuerung kaputt, das vegetative Nervensystem hatte eine Fehlfunktion, die man wieder in Ordnung bringen muss. Deshalb habe ich mich gleich entschlossen, diese Therapie zu machen. Ich war damals der zweite Schweizer, der die Therapie erlebt hat. Mein Arbeitgeber hielt zu mir und unterstützte mich, indem er mir für die Therapiewochen Urlaub gab.

Ausstieg aus der Krankheit -Familie sitzt auf einer Wiese in den Bergen

Ich war dann 4-mal je 5 Tage in München zur Therapie. Jedesmal konnte ich 9 bis 10 Sitzungen absolvieren, insgesamt kam ich also auf 35 bis 40 Sitzungen. Mit der „inneren Wahrnehmung“ hatte ich keine Probleme. Wichtig war, dass der Kopf leer war, also keine anderen Gedanken störten.
Die Therapie war manchmal körperlich anstrengend. Mir wurde dabei heiß und kalt. Nach den Sitzungen war ich manchmal ziemlich groggy und brauchte etwas Zeit, um mich zu erholen.
Schon während der Therapie besserte sich der Morbus Bechterew. Ich konnte die Medikamente reduzieren und schließlich am Ende der Therapie ganz weglassen. Richtig weg war die Krankheit etwa drei Wochen nach der letzten Sitzung. Sie ist gegangen, wie sie gekommen ist, von einem Tag auf den anderen. Die einzigen Krankheitsfolgen, die geblieben sind, sind ein paar deformierte Zehengelenke als Folge der lange entzündeten Gelenke. Damit kann ich leben.

Mein Leben ist jetzt wieder ganz normal. Von mir aus gesehen bin ich geheilt. Zwei Jahre nach der Therapie habe ich mich von einem Rheumatologen untersuchen lassen. Er hat nichts mehr gefunden. Seit 15 Jahren habe ich nichts mehr, was auf die Krankheit hinweisen würde, gar nichts mehr. Heute habe ich eine tolle Familie, vier Kinder (siehe Bilder). Mit der Krankheit hätte ich mir nicht vorstellen können, eine Familie zu gründen, weil ich viel zu viel mit mir selber beschäftigt gewesen wäre. Die Therapie hat mir mein Leben zurückgegeben.
Dank der erfolgreichen Therapie ist es mir heute auch wieder möglich, sämtliche Sportarten auszuüben, die mir Spaß machen, also Mountainbikefahren, Klettern, Wandern, Angeln, Skilaufen, Schwimmen, Inlineskaten, Schlittschuhlaufen usw. Es gibt für mich keine Einschränkungen mehr.
Vor 12. Jahren haben wir uns ein Haus gebaut, in dem ich sehr viel selber gemacht habe. Vor 1½ Jahren haben wir ei-nen Wintergarten angebaut, bei dem ich praktisch alles selber gemacht habe, vom Aushub über Eisenlegen für das Fun-dament, Schreiner- und Elektriker-Arbeit bis hin zur Umgebung, wo ich einen Sitzplatz mit Holz angelegt habe.
Ich kann nur jedem jungen Morbus-Bechterew-Patienten empfehlen, ebenfalls auf diese Weise den „Ausstieg“ aus der Krankheit zu versuchen. Leider bezahlen in der Schweiz die Krankenkassen die Therapie nicht, obwohl sie dadurch viel Geld für jahrzehntelange Behandlungen sparen könnten.
Wer die Neurokognitive Therapie nicht ausprobiert, verpasst eine große Chance auf ein schmerzfreies Leben.

siehe auch  MBJ Nr. 100 S. 30–31, Nr. 101 S. 18, Nr. 107 S. 27, Nr. 109 S. 26–27 und Nr. 112 S. 10–12,
www.bechterew.de/inhalt/morbus-bechterew/neurokognitive-therapie