Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 128 (März 2012)

EULAR-Empfehlungen zur Therapie der
Psoriasis-Arthritis mit Medikamenten

von Dr. Laure Gossec, Paris, und 34 weiteren Verfassern, darunter Prof. Dr. Jürgen Braun aus Herne, Prof. Dr. Gerd-Rüdiger Burmester, Prof. Dr. Joachim Sieper und Prof. Dr. Angela Zink aus Berlin

Die Behandlung der Psoriasisarthritis (Gelenkentzündung in Kombination mit einer Schuppenflechte der Haut) hat sich in den letzten Jahren dramatisch gewandelt, obwohl Krankheitsursache und Krankheitsmechanismus weiterhin unklar sind. Die Beobachtung, dass entzündungsfördernde Zytokine (Botenstoffe) bei dieser Krankheit eine wichtige Rolle spielen, hat zum Einsatz neuartiger Medikamente geführt. Der unterschiedliche Krankheitsverlauf (Entzündung vorwiegend in der Wirbelsäule oder vorwiegend in Gelenken außerhalb der Körperachse, Mitbeteiligung von Sehnenansätzen) macht die Angelegenheit noch komplizierter. Die Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis (GRAPPA) hat kürzlich Empfehlungen zur Behandlung der Psoriasisarthritis vorgestellt, die sich auf die Hauterkrankung konzentrierten. Um auch Rheumatologen geeignete Leitlinien an die Hand zu geben, hat eine Gruppe von Experten unter dem Dach der EULAR (European League Against Rheumatism) evidenzbasierte Empfehlungen zur Behandlung der Psoriasisarthritis mit Medikamenten entwickelt und ein Programm für künftige Forschungsaktivitäten vorgeschlagen.

Expertengruppe aus 15 Ländern

Die Expertengruppe bestand aus 28 Rheumatologen, 2 Patienten, einem Spezialisten für Infektionskrankheiten, einem Dermatologen (Hautfacharzt) und einem Physiotherapeuten aus insgesamt 14 europäischen Ländern und den USA. Sie traf sich zweimal im Jahr 2010, um die Empfehlungen ausführlich zu diskutieren und zu beschließen.

Beratungsergebnisse

Als Einleitung zu den eigentlichen Behandlungsempfehlungen formulierte die Expertengruppe übergreifende Prinzipien für die Behandlung der Psoriasisarthritis. siehe Tabelle 1. Die Beratungen über die Behandlungsstrategie mündeten in 10 Empfehlungen zur Therapie mit Medikamenten, die ebenfalls in Tabelle 1 wiedergegeben sind. Die Empfehlungen sind nicht nach ihrer Wichtigkeit geordnet, sondern in der logischen Reihenfolge aufgeführt, in der sie gebraucht werden. Die Reihenfolge ist zugleich Grundlage für einen Entscheidungs-Ablauf, der im Bild 1 wiedergegeben ist.

Nichtsteroidale Antirheumatika

Die Expertengruppe war einstimmig der Meinung, dass nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die Medikamente der ersten Wahl zur Behandlung der Psoriasisarthritis sind. Sie sind wirksam in Bezug auf die Gelenkbeschwerden, während ihre Wirksamkeit in Bezug auf die Hautbeschwerden nicht belegt ist. Die Magen-Darm- und Herz-Kreislauf-Risiken müssen bei der Verschreibung berücksichtigt werden, deshalb das Wort „können“ in der Empfehlung Nr. 1. Außerdem benötigt nicht jeder Patient Antirheumatika, bei manchen Patienten genügt die Behandlung mit Schmerzmitteln oder sie benötigen überhaupt keine Medikamente. In Anbetracht der Nebenwirkungsrisiken raten wir zur geringstmöglichen NSAR-Dosis und zur kürzestmöglichen Anwendungsdauer. COX-2-selektive NSAR („Coxibe“) sind bei der Psoriasisarthritis ebenso wirksam wie nichtselektive NSAR. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Hautbeschwerden durch NSAR verschlimmert werden.

Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten (DMARDs)

In Bezug auf die Behandlung der Psoriasisarthritis mit DMARDs (Disease-Modifying Anti-Rheumatic Drugs, früher bei uns „Basismedikamente“ genannt: Methotrexat, Sulfasalazin, Leflunomid) gibt es nur wenige Studienergebnisse. Welche Patienten damit behandelt werden sollten und wann, bleibt Aufgabe zukünftiger Forschung. Die Expertengruppe war der Meinung, dass bei Patienten mit aktiver Krankheit und ungünstiger Prognose für den Krankheitsverlauf der Einsatz von DMARDs erwogen werden sollte.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!