Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 128 (März 2012)

Erforderliche Verbesserungen der Morbus-Bechterew-Therapie

von Dr. Andrew Keat, Dr. Karl Gaffney, Dr. Helena Marzo-Ortega, Trish Cornell, Dr. Kirsten MacKay, Jane Skerrett, Liz van Rossen und Prof. Paul Wordsworth, Großbritannien

Nach den Erfahrungen der Morbus-Bechterew-Patienten und ihrer Patientenorganisationen in Großbritannien und anderen Ländern gibt es in der medizinischen Versorgung von Morbus-Bechterew-Patienten große Qualitätsunterschiede. Die Erfahrungen in England dürften repräsentativ sein für Erfahrungen in anderen Ländern der westlichen Welt. Eine Umfrage unter Mitgliedern der Britischen Morbus-Bechterew-Vereinigung ergab, dass nur 68% eine Rheumaklinik aufsuchen und 55% von einem Arzt mit einem ausgesprochenen Interesse am Morbus Bechterew behandelt werden. Angesichts der großen Fortschritte in der Morbus-Bechterew-Therapie darf das nicht so bleiben.

Britisches Dokument zur Therapie-Verbesserung

Im Juli 2010 erschien das 28-seitige Dokument „Looking Ahead: Best Practice for the Care of People with ankylosing spondylitis“ . Es wurde von uns auf Initiative der Britischen Morbus-Bechterew-Vereinigung (National Ankylosing Spondylitis Society, NASS) erarbeitet, nennt die wichtigsten Hindernisse für eine gute Morbus-Bechterew-Behandlung und macht Vorschläge zur Lösung der Probleme. „Looking ahead“ nennt 7 Hauptprobleme, welche für die nicht optimale Behandlung so vieler Morbus-Bechterew-Patienten verantwortlich sind. Die Probleme und Abhilfevorschläge sind in Tabelle 1 zusammengestellt. Die Probleme beruhen meist auf dem geringen Kenntnisstand von Ärzten zum Morbus Bechterew. Eines der Probleme ist die viel zu späte Diagnose. Berichte über durchschnittliche Diagnoseverzögerungen von 8,5 bis 11 Jahren geben vielleicht nicht den heutigen Stand wieder, aber auch bei Patienten, die jetzt erkranken, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihre Beschwerden erst nach einer langen Zeit erklärt und sachgerecht behandelt werden. Dies ist besonders schwerwiegend, weil die Krankheit normalerweise im jungen Erwachsenenalter beginnt und die Ausbildung, die Berufsaussichten und die Knüpfung menschlicher Beziehungen beeinträchtigen kann. Vor der korrekten Diagnose können bereits knöcherne Veränderungen eintreten und falsche Entscheidungen im sozialen Umfeld gefällt werden, die sich hätten vermeiden lassen. Etwa 30% der Patienten eines Allgemeinarztes kommen wegen Muskel- oder Skelett-Beschwerden. Kreuzschmerzen sind nach Atembeschwerden der zweithäufigste Grund für einen Arztbesuch. Gegen Kreuzschmerzen verordnet der Hausarzt vor allem Krankengymnastik und denkt meist nicht an die Möglichkeit eines Morbus Bechterew. Die modifizierten New-York-Kriterien verlangen deutliche Veränderungen im Röntgenbild der Kreuzdarmbeingelenke, bevor von einem Morbus Bechterew gesprochen werden kann. Diese Veränderungen entwickeln sich aber langsam, so dass 5 Jahre nach den ersten Beschwerden erst 70% der Morbus-Bechterew-Patienten die Kriterien erfüllen. Im Magnetresonanzbild sind Entzündungszeichen in den Kreuzdarmbeingelenken und in der Wirbelsäule viel früher erkennbar. Die Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) hat dies in ihren Kriterien für die Frühdiagnose der axialen Spondyloarthritis berücksichtig

Physiotherapie und Medikamente

Physiotherapie und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind wichtige Standardmethoden in der Behandlung des Morbus Bechterew. Wo diese Therapieformen nicht ausreichen, tragen Medikamente, die das entzündungsfördernde TNF-alpha hemmen, wesentlich zur Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit bei, sowohl im Frühstadium als auch später. Ein rechtzeitiger Zugang zu diesen Therapieformen ist entscheidend für den Krankheitsverlauf. Ihre Verweigerung schädigt nicht nur die Patienten, sondern auch ihre Familien und die Gesellschaft insgesamt, denn sie muss später für einen Großteil der dadurch entstehenden Krankheits- und Behinderungskosten aufkommen.

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