Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 129 (Juni 2012)

Gracht in Amsterdam

Internationales Arbeitstreffen der Morbus-Bechterew-Forscher in Amsterdam

von Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München

Wie jedes Jahr im Januar trafen sich auch im Januar 2012 die Morbus-Bechterew-Forscher aus aller Welt zu einem Arbeitstreffen, zu dem die Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) ihre Mitglieder einlud 1). Dieses Jahr fand das Treffen in Amsterdam statt, der alten Handelsstadt mit ihren konzentrisch angelegten Grachten (Kanälen) und den harmonisch daran aneinandergereihten alten Patrizierhäusern, siehe Bild oben.

ASAS: eine Erfolgsgeschichte

Die ASAS wurde 1995 auf Initiative von Prof. Dr. Sjef VAN DER LINDEN gegründet, um international einheitliche Untersuchungsverfahren, Klassifikationskriterien und Therapie-Empfehlungen für Patienten mit Morbus Bechterew zu erarbeiten. Aus einer kleinen Expertenrunde entstand inzwischen ein vielbeachteter Zusammenschluss von etwa 150 Morbus-Bechterew-Forschern aus 30 Ländern, deren Beratungsergebnisse die Diagnose und Behandlung unserer Krankheit entscheidend vorangebracht haben. Zu den ASAS-Ergebnissen gehören:

  • der ASAS-Kernsatz für die ärztliche Befunderhebung beim Morbus Bechterew 2)
  • die ASAS/EULAR-Empfehlungen für die Behandlung des Morbus Bechterew 3)
  • die ASAS-Richtlinie für den Einsatz von Medikamenten, die den Entzündungsvermittler TNF-alpha hemmen 4)
  • die ASAS-Ansprechkriterien 5)
  • die ASAS-Klassifikationskriterien für die vorwiegend axiale und die periphere Spondyloarthritis und 6)
  • ein neues Maß für die Krankheitsaktivität, das Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score (ASDAS). 7)

Wirbelsäulenbeweglichkeit bei Gesunden

Bild 1: Die bisherige ASAS-Präsidentin Prof. Désirée VAN DER HEIJDE von der Universität Leiden (Mitte) mit ihren Mitarbeiterinnen Astrid VAN TUBERGEN (links) und Sofia ROMIRA (rechts).
Bild 1: Die bisherige ASAS-Präsidentin Prof. Désirée VAN DER HEIJDE von der Universität Leiden (Mitte) mit ihren Mitarbeiterinnen Astrid VAN TUBERGEN (links) und Sofia ROMIRA (rechts).

Zur Beurteilung der Wirbelsäulenbeweglichkeit bei Morbus-Bechterew-Patienten werden das Schober-Zeichen, die Wirbelsäulen-Seitneigung, der Kopf-Wand-Abstand, die Kopf-Drehbeweglichkeit und die Atembreite gemessen. Die niederländischen Forscherinnen Astrid VAN TUBERGEN und Sofia ROMIRA (Bild 1) untersuchten an 393 Freiwilligen, welchen Wert diese Maße bei Gesunden im Mittel haben und wie die Werte vom Alter, Geschlecht, von der Körpergröße und vom Körpergewicht abhängen. Sie fanden, dass das Schobermaß (als Zeichen für die Beugefähigkeit der Lendenwirbelsäule) bei Männern im Mittel größer ist als bei Frauen, mit dem Alter abnimmt, bei Übergewichtigen geringer ist und nicht von der Körpergröße abhängt.
Weil bei dem von der ASAS empfohlenen Schober-Maß eine Ausgangslänge von 10 cm verwendet wird, im BASMI dagegen eine Ausgangslänge von 15 cm unter Hinzunahme einer 5 cm langen Strecke unterhalb des fünften (untersten) Lendenwirbels, verglichen die Forscher beide Maße und fanden, dass der Unterschied geringer ist als erwartet . Die hinzugenommenen 5 cm über dem Kreuzbein scheinen also kaum zum Ergebnis der Schober-Messung bei tragen.

1) Berichte über die ASAS-Workshops der Jahre 2006 bis 2011 finden Sie im MBJ Nr. 104 S. 20–21, Nr. 109 S. 14–15, Nr. 113 S. 33–35, Nr. 117 S. 39–41, Nr. 121 S. 35–37 und Nr. 125 S. 13–14.
2) MBJ Nr. 113 S. 34, DVMB-Schriftenreihe Heft 13 Seite 5
3) MBJ Nr. 103 S. 24, Nr. 113 S. 36–37, Nr. 121 S. 4, Nr. 123 S. 8–9
4) MBJ Nr. 102 S. 8, Nr. 103 S. 24, Nr. 122 S. 22, Nr. 123 S. 10
5) MBJ Nr. 113 S. 5, Nr. 121 S. 11, DVMB-Schriftenreihe Heft 13 S. 43
6) MBJ Nr. 117 S. 39–40, Nr. 123 S. 5–6, Nr. 127 S. 9
7) MBJ Nr. 119 S. 10, Nr. 122 S. 21, Nr. 124 S. 17–18

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