Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 130 (September 2012)

DVMB-Forschungspreis 2012 für Forschungsergebnisse
zum Krankheitsverlauf bei Morbus Bechterew

von Prof. Dr. rer. nat. Ernst Feldtkeller, München, Vorsitzender des Kuratoriums
für den DVMB-Forschungspreis 2012

Zum 10. Mal verlieh die DVMB bei ihrer diesjährigen Delegiertenversammlung in Oberhof den Forschungspreis der DVMB an zwei erfolgreiche Wissenschaftler für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew). Gemäß den Preis-Statuten wurde ein Kuratorium aus namhaften Wissenschaftlern gebildet, das die Aufgabe hatte, die eingegangenen Arbeiten zu bewerten. Dem Kuratorium gehörten diesmal folgende Mitglieder an:

Verleihung des DVMB-Forschungspreises 2012 bei der Delegiertenversammlung der DVMB am 16. Juni 2012 in Oberhof (von. links nach rechts): Prof. Dr. Ernst FELDTKELLER als Vorsitzender des Preis-Kuratoriums, Forschungspreisträger Dr. Denis PODDUBNYY, der DV
Verleihung des DVMB-Forschungspreises 2012 bei der Delegiertenversammlung der DVMB am 16. Juni 2012 in Oberhof (von. links nach rechts): Prof. Dr. Ernst FELDTKELLER als Vorsitzender des Preis-Kuratoriums, Forschungspreisträger Dr. Denis PODDUBNYY, der DVMB-Vorsitzende Franz GADENZ und Hans-Dieter HILBERT als Vertreter der Abbott GmbH & Co. KG, die das Preisgeld gestiftet hatte. Die Preisträgerin Dr. Uta KILTZ konnte leider krankheitsbedingt nicht an der Preisverleihung teilnehmen.
  • Prof. Dr. Ernst FELDTKELLER, München, wissenschaftliche Redaktion Morbus-Bechterew-Journal,
  • Prof. Dr. med. Ernst-Martin LEMMEL, Baden-Baden,
    bis 2008 Ärztlicher Berater der DVMB,
  • Dr. med. Gudrun LIND-ALBRECHT, Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf, Mitglied der Redaktion Morbus-Bechterew-Journal,
  • Prof. Dr. med. Stefan REHART, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Markus-Krankenhaus Frankfurt am Main,
  • Prof. Dr. med. Martin RUDWALEIT, Endokrinologikum Berlin,
    Ärztlicher Berater der DVMB,
  • Dr. med. Uwe SCHWOKOWSKI, Orthopäde in Ratzeburg und
  • Prof. Dr. med. Edward SENN, München.

Das Kuratorium beschloss bei seiner Sitzung am 28. März 2012 in Frankfurt am Main, den Forschungspreis zu gleichen Teilen zu vergeben an Dr. med. Denis Poddubnyy, Campus Benjamin Franklin der Charité Universitätsmedizin Berlin für seine Arbeit „Prädiktion und Prävention der Entwicklung von strukturellen Schäden in der Wirbelsäule bei Patienten mit axialer Spondyloarthritis“ und an Dr. med. Uta Kiltz Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne für ihre Arbeit „Patienten mit axialer Spondyloarthritis ohne radiographische Veränderungen unterscheiden sich von Patienten mit ankylosierender Spondylitis – eine Kohortenstudie“.

Das Preisgeld von 5000 € wurde wie in den vergangenen Jahren gestiftet von der Abbott GmbH & Co. KG in Wiesbaden. Wir danken dem Sponsor für diese großzügige Unterstützung.

Dr. Denis PODDUBNYY1) (geboren 1980 in Saratow, damals UdSSR) studierte von 1997 bis 2003 Medizin an der Medizinischen Staatsuniversität in Saratow, Russische Föderation, mit anschließender Weiterbildung in Innerer Medizin und Rheumatologie an der Saratower Medizinischen Staatsuniversität und dem Saratower Gebietskrankenhaus. Er promovierte im Dezember 2008 mit einer Arbeit über Herzkreislauferkrankungen bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis (Morbus Bechterew). 2007 war er 9 Monate Gastarzt bei Prof. Dr. Joachim SIEPER in Berlin und ist seit September 2008 dort Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit 2009 ist er Mitglied der Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS).

Forschungspreisträger Dr. Denis PODDUBNYY bei seinem Vortrag bei der Delegiertenversammlung in Oberhof
Forschungspreisträger Dr. Denis PODDUBNYY bei seinem Vortrag bei der Delegiertenversammlung in Oberhof

In der mit dem DVMB-Forschungspreis ausgezeichneten Arbeit fasst der Wissenschaftler richtungweisende Forschungsergebnisse zum Krankheitsverlauf der axialen Spondyloarthritis2) zusammen. Vorhersage-Faktoren für ein Fortschreiten der knöchernen Wirbelsäulenversteifung sind nach seinen Ergebnissen:

  • bereits vorliegende Syndesmophyten
    (Knochen-Neubildungen an den Wirbelkörperkanten),
  • erhöhte Entzündungs-Laborwerte
    (Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP), und
  • Rauchen.

Im Gegensatz zu bereits vorliegenden Syndesmophyten sind Entzündungs-Laborwerte und Rauchen Vorhersage-Faktoren, die durch geeignete medikamentöse Therapie (durch den Arzt) und Änderung des Lebensstils (durch den Patienten) beeinflussbar sind.

Zusätzlich konnte Dr. Poddubnyy die Ergebnisse anderer Wissenschaftler bestätigen, nach denen eine regelmäßige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) mit einem geringeren Fortschreiten der Wirbelsäulenversteifung verknüpft ist, so dass Patienten mit einem hohen Versteifungs-Risiko (bereits vorliegenden Syndesmophyten und erhöhten
Entzündungs-Laborwerten) von einer regelmäßigen NSAR-Einnahme besonders profitieren.

Die Ergebnisse werden in drei englischsprachigen Veröffentlichungen bekanntgemacht, von denen eine 2011 in den Annals of the Rheumatic Diseases erschien, eine weitere im Mai 2012 in Arthritis & Rheumatism erschien und die dritte bei den Annals of the Rheumatic Diseases eingereicht wurde. Die DVMB würdigt mit der Verleihung des Forschungspreises die gut fundierten Beiträge von Dr. Poddubnyy zum Krankheitsverlauf und zur Therapie des Morbus Bechterew. Eine patientenverständliche Fassung der prämierten Arbeit finden Sie auf den Seiten 6–8 in diesem Heft.

Forschungspreisträgerin Dr. Uta KILTZ bei der Übergabe des Preises am 4. Juli 2012 in Herne mit Peter KONCET als Vertreter des DVMB-Vorstands.
Forschungspreisträgerin Dr. Uta KILTZ bei der Übergabe des Preises am 4. Juli 2012 in Herne mit Peter KONCET als Vertreter des DVMB-Vorstands.

Dr. Uta KILTZ3) hat 1991–1993 an der Universität in Greifswald und 1993–1997 an der Ruhr-Universität in Bochum Medizin studiert. Sie war bis 2005 Assistenzärztin im Katholischen Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, 2005–2009 Assistenzärztin im Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne und ist seit 2010 Funktionsoberärztin im Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. Seit 2010 ist sie Vollmitglied der Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS).

Von ihren 19 wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist sie bei 16 die erstgenannte Verfasserin. Von den seit 2008 veröffentlichten Arbeiten betreffen 9 die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew).

In der mit dem DVMB-Forschungspreis ausgezeichneten Arbeit befasst sich die Wissenschaftlerin mit der wichtigen Frage, wie weit die nichtröntgenologische axiale Spondyloarthritis (ohne deutliche Veränderungen im Röntgenbild der Kreuzdarmbeingelenke)4) und die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) eigenständige Krankheitsbilder sind und nicht nur verschiedene Stadien derselben Krankheit.

Die Krankheitslast ist bei beiden Diagnosen vergleichbar hoch. Auch in der Therapie gibt es keine prinzipiellen Unterschiede. Patienten mit ankylosierender Spondylitis sind überwiegend (zu 77%) männlich, Patienten mit nichtröntgenologischer axialer Spondyloarthritis überwiegend (zu 68%) weiblich. Die nichtröntgenologische axiale Spondyloarthritis kann, muss aber nicht in eine ankylosierende Spondylitis übergehen. Die Patienten mit nichtröntgenologischer axialer Spondyloarthritis gaben im Mittel eine Krankheitsdauer von 9 Jahren an, ohne dass strukturelle Veränderungen in den Kreuzdarmbeingelenken auftraten. Es wird deshalb vorgeschlagen, die nichtröntgenologische axiale Spondyloarthritis nicht nur als Frühform der ankylosierenden Spondylitis anzusehen, sondern als eine Untergruppe der axialen Spondyloarthritis, bei der weniger häufig strukturelle Veränderungen in den Kreuzdarmbeingelenken entstehen.

Die Arbeit wurde beim Jahreskongress 2011 der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie als Poster vorgestellt. Eine englische Fassung wurde bei Arthritis Care & Research zur Veröffentlichung eingereicht.

Die DVMB würdigt mit der Verleihung des Forschungspreises zugleich die vielen weiteren Beiträge von Dr. Kiltz zum Umgang mit der ankylosierenden Spondylitis. Eine patientenverständliche Fassung der prämierten Arbeit wird im nächsten Heft veröffentlicht.

1) MBJ Nr. 126 S. 15, Nr. 127 S. 15–16 sowie S. 6–8 und S. 17 in diesem Heft
2) MBJ Nr. Nr. 123 S. 5 und Nr. 129 S. 36–37
3) MBJ Nr. 126 S. 14–16, Nr. 129 S. 36 sowie S. 16  und S. 19 in diesem Heft
4) MBJ Nr. 117 S. 4–6  und Seite 6 in diesem Heft