Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 130 (September 2012)

Nahrungsmittel-Steckbrief „Tomate“

Dr. med. Gudrun Lind-Albrecht, Rheumatologie, Immunologie, Osteologie am Ev. Krankenhaus Düsseldorf

Die Tomatenpflanze (Solanum lycopersicum) ist ursprünglich in Südamerika (in den Anden) beheimatet, wo sie auch heute noch in Wildformen vorkommt. Die Azteken, welche die Tomate schon seit mindestens 200 vor Christus nutzten, nannten sie „Xitomatl“, was nach einigen Übersetzern soviel wie Schwellfrucht bedeuten soll.

1498 brachte Christoph Kolumbus die ersten Tomaten-Pflanzen bzw. Samen nach Spanien und Portugal. Die Früchte dieser damaligen Tomatenpflanzen waren recht klein und goldgelb, woraus sich der Name „pomodoro“ = Gold-Apfel ableiten lässt.

Frisch geerntete Freiland-Tomaten
Frisch geerntete Freiland-Tomaten

Die Einstellung der Menschen zur Tomate als Nahrungsmittel war zunächst sehr widersprüchlich. Lange Zeit war die Tomate eher als Zierpflanze oder gar als Schweinefutter beliebt. Möglicherweise hatten die Menschen sich an unreifen Tomaten und an den ungenießbaren, das Gift Solanin enthaltenden grünen Anteilen der Pflanze versucht und Bauchschmerzen davon bekommen. Vielleicht spielte auch ein gewisser Aberglaube eine Rolle. Der österreichische Name „Paradeiser“ erinnert noch daran, dass man glaubte, dies sei der Paradiesapfel, den Eva dem Adam gereicht hatte. Bis ins 18. Jahrhundert war jungen Mädchen der Verzehr von Tomaten verboten, weil man befürchtete, dass der Genuss der Tomaten (Pommes d’amour) bei ihnen einen Liebeswahn auslösen könnte.

Erst im 19. Jahrhundert zog die Tomate als Lebensmittel in den Speiseplan der Mitteleuropäer ein. Tomaten sind heute ein wesentlicher und selbstverständlicher Bestandteil unserer täglichen Nahrung geworden. In der als besonders gesund gerühmten Mittelmeerdiät und vor allem in der Kretadiät sind Tomaten allgegenwärtig und nicht mehr wegzudenken.

Es gibt heute mehrere Tausend verschiedene Varianten der Tomatenpflanze. Allen gemeinsam ist der hohe Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen und Mineralen.

Kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt der Tomatensorten
Kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt der Tomatensorten

In dem spanischen Ort Buñol nahe Valencia wird alljährlich ein Fest zu Ehren der Tomate gefeiert: La Tomatina. Die Ehre ist allerdings etwas zweifelhaft, denn die Tomaten dienen dabei nicht als Nahrung, sondern als Spaß-Wurfgeschosse:
Bis zu 125 Tonnen überreife Tomaten werden am letzten Sonntag im August von städtischen LKWs in den Straßen von Buñol abgeladen und dürfen innerhalb nur einer einzigen Stunde (von 11 Uhr bis 12 Uhr) offiziell, aber nur nach bestimmten Regeln (um Verletzungen vorzubeugen) geworfen werden. Die Beteiligung der bis zu 50.000 Festbesucher an dieser „Tomatenschlacht“ ist dabei inzwischen größer als die der 10.000 Einheimischen.

Zurück zur Tomate als Nahrungsmittel: Heutzutage werden in Deutschland im Jahr mehr als 20 kg Tomaten pro Person verzehrt, 2/3 davon als weiterverarbeitete und 1/3 als frische Tomaten. Folgt man den Empfehlungen von einigen Ernährungsmedizinern, vor allem in Anlehnung an die Kretadiät, dann sollte der Verzehr um ein Vielfaches gesteigert werden, nämlich auf 100 bis 250 Gramm pro Tag – und das wären 36 bis 90 kg pro Kopf und Jahr.

Was macht die Tomaten für unsere tägliche Ernährung so interessant bzw. so kostbar?
  1. Tomaten enthalten sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung. Der wichtigste davon ist das Lycopin, ein Carotinoid (Carotinoide geben den Pflanzen u.a. auch die gelbe, orange oder rote Farbe). Lycopin ist fettlöslich und kann daher im Darm optimal aufgenommen werden, wenn die Tomaten zusammen mit etwas Olivenöl (oder einem anderen gesunden Öl) verzehrt werden. Der Gehalt an biologisch verfügbarem Lycopin ist in schonend erhitzten und weiterverarbeiteten Tomaten viel höher als in rohen Tomaten. Und in reif geernteten Freilandtomaten ist er höher als in Treibhaustomaten oder unreif geernteten nachgereiften Tomaten.

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