Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 131 (Dezember 2012)

Beschwerdesymptomatik und Therapie bei Morbus-Bechterew-Patienten

Ergebnisse der DVMB-Mitgliederbefragung vom Oktober 2008

von Dr. med. Anita Zeller, Stationsärztin im Krankenhaus Neuwittelsbach, München, und Prof. Dr. med. Herbert Kellner, Ärztlicher Leiter der Abteilung Rheumatologie, Krankenhaus Neuwittelsbach, München

Der jüngste Patient, der auf die Befragung antwortete, war 11 Jahre, der älteste 89 Jahre alt. Das Durchschnittsalter aller Teilnehmer lag bei 56 Jahren. 4.711 Patienten bestätigten, dass bei ihnen die Diagnose Morbus Bechterew gestellt worden war. Wie schon bei früheren DVMB-Befragungen festgestellt wurde1, traten bei drei Vierteln (77%) der Patienten die ersten Beschwerden bis zum 30. Lebensjahr auf und bei einem Viertel (26%) sogar schon vor dem 20. Lebensjahr (Bild 1).

Während die ersten Beschwerden durchschnittlich im 26. Lebensjahr auftraten, wurde die Diagnose im Durchschnitt erst mit rund 9-jähriger Verzögerung im 35. Lebensjahr gestellt.

Als wichtigen Grund für die Diagnoseverzögerung nannten A. FALKENBACH und M. RUDWALEIT in einer gemeinsamen Veröffentlichung2 das „nicht an den Morbus Bechterew denken“. Allerdings führt auch schon die Voraussetzung eines mindestens 3 monatigen Rückenschmerzes in den ASAS-Kriterien für die axiale Spondyloarthritis3  sowie das radiologische Kriterium der modifizierten New-York-Kriterien4 (das oft erst nach Monaten oder gar Jahren erfüllt ist) zu einer erheblichen Verzögerung der Diagnose. Weitere Beiträge zur Diagnoseverzögerung könnten auch der Mangel an Rheumatologen sein (in unserer Studie wurden immerhin 64% der Patienten von einem Rheumatologen bzw. einem rheumatologisch vorgebildeten Arzt diagnostiziert) und evtl. die Tatsache, dass sich der schmerzgeplagte Morbus-Bechterew-Patient bei fehlenden harten Befunden (im Röntgenbild) oft nicht ernst genommen fühlt. Zudem ist davon auszugehen, dass mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten auch Langzeit-Betroffene, die die Krankheit schon über Jahrzehnte mit sich tragen, nachträglich diagnostiziert werden, was den Durchschnitt der Diagnoseverzögerung nach oben treibt.

Im Zusammenhang mit der verzögerten Diagnose des Morbus Bechterew muss auch die Frage diskutiert werden, ob in unserem Gesundheitssystem (Kosten- und Zeitdruck) viele Patienten nicht doch zu schnell „abgehandelt“ und Krankheitsbilder deshalb nicht zeitnah entdeckt werden.

Innerhalb von 3 Jahren nach Auftreten der ersten Beschwerden erhielten 30% der Patienten die Diagnose, innerhalb der ersten 5 Jahre rund 43%. 2% der Patienten erhielten die Diagnose erst 30 bis 50 Jahre nach den ersten Beschwerden (Bild 2).

Eine Hoffnung birgt der zunehmende Einsatz der Magnetresonanztomographie für die Frühdiagnose einer axialen Spondyloarthritis5. In einer Beschreibung eines kleinen Kollektivs wiesen zwei Drittel der Patienten mit Veränderungen im Magnetresonanzbild der Kreuzdarmbeingelenke, aber zugleich negativem Röntgenbefund, nach drei Jahren auch im Röntgenbild Zeichen einer Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke auf6.

1) Bechterew-Brief Nr. 69 S. 3-18
2) A. Falkenbach, M. Rudwaleit: Journal für Mineralstoffwechsel Band 13 (2006) S. 52–56
3) MBJ Nr. 117 S. 39–40, Nr. 123 S. 5
4) MBJ Nr. 123 S. 7, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
5) MBJ Nr. 117 S. 4–6)
6) J. Oostveen u.a.: Journal of Rheumatology 26 (1999) S. 1953–1958, siehe auch MBJ Nr. 117 S. 4 und Seite 26 in diesem Heft.

Bild 1: Verteilung des Erkrankungs- und Diagnose-Alters für 3114 männliche und 1537 weibliche Morbus-Bechterew-Patienten. Bei etwa 75% der Patienten traten die ersten Beschwerden vor dem 30. Lebensjahr auf. Die Diagnose wurde im Mittel 8,9 Jahre nach Kr
Bild 1: Verteilung des Erkrankungs- und Diagnose-Alters für 3114 männliche und 1537 weibliche Morbus-Bechterew-Patienten. Bei etwa 75% der Patienten traten die ersten Beschwerden vor dem 30. Lebensjahr auf. Die Diagnose wurde im Mittel 8,9 Jahre nach Krankheitsbeginn gestellt.
Bild 2: Verteilung der Diagnoseverzögerung für 3114 männliche und 1520 weibliche Patienten, die die entsprechenden Fragen beantworteten. Bei etwa 70% der männlichen und 60% der weiblichen Patienten wurde die Diagnose innerhalb von 10 Jahren nach Krank
Bild 2: Verteilung der Diagnoseverzögerung für 3114 männliche und 1520 weibliche Patienten, die die entsprechenden Fragen beantworteten. Bei etwa 70% der männlichen und 60% der weiblichen Patienten wurde die Diagnose innerhalb von 10 Jahren nach Krankheitsbeginn gestellt.

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